150 Jahre nach AusrottungRiesenschildkröten wieder auf Galapagos-Insel Floreana

Nachdem Charles Darwin das Galápagos-Archipel besucht, siedeln Menschen sich auf der Insel Floreana an. Kurz darauf stirbt eine dort ansässige Riesenschildkrötenart aus. Nach jahrelanger Forschung gelingt erstmals die Wiederansiedlung einer ihr verwandten Art.
Mehr als hundert Jahre nach ihrer Ausrottung auf Floreana sind Riesenschildkröten auf die zum Galápagos-Archipel gehörende Insel zurückgekehrt. Park-Ranger trugen 158 Schildkröten in großen Kisten auf dem Rücken und wanderten sieben Kilometer weit durch unwegsames Gelände, bevor sie die Tiere schließlich in die Freiheit entließen, wie das ecuadorianische Umweltministerium mitteilte.
Der Mitteilung zufolge sind die Tiere zwischen 8 und 13 Jahre alt. "Sie sind groß genug, um freigelassen zu werden, und können sich gegen eingeführte Tiere wie Ratten und Katzen verteidigen", sagte Fredy Villalba, Leiter des Zentrums für Landschildkrötenzucht im Galápagos-Nationalpark. Um sie zu schützen, hatten die Tiere vor ihrer Auswilderung Zeit in Quarantäne verbracht und wurden zu ihrer Identifizierung mit Mikrochips versehen. "Die besten Exemplare mit der besten Abstammung wurden ausgewählt, um auf dieser Insel zu leben", betonte er.
Floreana war die erste Insel des Galápagos-Archipels, die von Menschen besiedelt wurde. Die auf der Insel heimische Riesenschildkrötenart Chelonoidis niger niger war Mitte des 19. Jahrhunderts nach der Einführung invasiver Säugetiere ausgestorben. Jahrelang hatten Forscher dann an einem Programm gearbeitet, um beheimatete Arten wieder anzusiedeln. "Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrhundert ist Floreana wieder Heimat von Riesenschildkröten", erklärte das Ministerium. Die Tiere spielten eine große Rolle für das Ökosystem, indem sie Pflanzensamen verteilten und die Vegetation kurz hielten.
Die nun freigelassenen Tiere wurden dem Ministerium zufolge mit Schildkröten gezüchtet, die große Teile des Erbguts der ausgestorbenen Art aufweisen und auf der rund 180 Kilometer entfernt gelegenen Insel Isabela leben. Christian Sevilla, der Direktor des Parks auf der Insel, betonte, dass die Tiere einen "Anteil von 40 % bis 80 % der ursprünglichen Art" aufweisen. Insgesamt 700 Jungtiere sollen nach und nach auf der Insel eingeführt werden.
Die für ihre einzigartige Tier- und Pflanzenwelt berühmte Inselgruppe befindet sich rund 1000 Kilometer westlich der ecuadorianischen Küste und gehört zum Unesco-Welterbe. Neben Floreana leben 13 weitere Schildkrötenarten auf den übrigen Inseln. Sie können mehr als 250 Kilogramm schwer und sehr alt werden. "Harriet", eine Schildkrötendame, die im Australia Zoo in Queensland angesiedelt war und 2006 starb, wurde geschätzte 176 Jahre alt.
Sie gehörte angeblich zu den drei Exemplaren, die Charles Darwin von seinem Besuch der Inseln mitbrachte. Forscher zweifelten dies jedoch zuletzt an.