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Gefährliche Infektion bei PartyMeningokokken-Ausbruch tötet zwei junge Menschen in England

17.03.2026, 09:55 Uhr
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Die eitrige Meningitis (Meningitis purulenta) ist eine lebensbedrohliche bakterielle Entzündung der Hirnhäute, die meist durch Pneumokokken, Meningokokken oder Haemophilus influenzae verursacht wird. (Foto: IMAGO/Depositphotos)

Eine gefährliche bakterielle Infektion breitet sich unter jungen Menschen im Süden Englands aus. Ein Schüler und ein Student sterben, mehrere weitere Personen müssen ins Krankenhaus. Fachleute warnen vor tückischen Symptomen.

Ein Ausbruch gefährlicher Meningokokken-Infektionen erschüttert den Süden Englands. Nach Angaben des britischen Senders BBC handelt es sich bei den Toten um einen 18-jährigen Schüler und einen 21 Jahre alten Studenten der University of Kent. Außerdem werden derzeit elf weitere Menschen aus der Region Canterbury mit schweren Symptomen im Krankenhaus behandelt, darunter ebenfalls Studenten.

Laut der UK Health Security Agency (UKHSA) stehen die Infektionen im Zusammenhang einer Party mit Studierenden. Die Gesundheitsbehörde arbeitet nach eigenen Angaben eng mit der Universität zusammen. Kontaktpersonen werden demnach identifiziert und vorsorglich mit Antibiotika behandelt, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen.

Rasch verlaufende, lebensgefährliche Infektion

Die sogenannte invasive Meningokokken-Erkrankung wird durch Bakterien ausgelöst und kann sowohl eine Hirnhautentzündung als auch eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen. Ohne schnelle Behandlung kann die Krankheit tödlich verlaufen. "Meningokokken-Erkrankungen können sich rasch entwickeln", warnt Trish Mannes von der UKHSA gegenüber der BBC. Es sei entscheidend, dass Studierende und Mitarbeitende auf Symptome achten. Dazu zählen Fieber, Kopfschmerzen, schnelle Atmung, Schläfrigkeit, Zittern, Erbrechen sowie kalte Hände und Füße. Ein weiteres Warnsignal kann auch ein Hautausschlag sein.

Gerade bei jungen Menschen werde die Erkrankung häufig zunächst nicht erkannt. "Frühe Warnzeichen können leicht mit einer Erkältung, Grippe oder sogar einem Kater verwechselt werden", erklärt Mannes. Das mache die Krankheit besonders tückisch: "Frühe Symptome können sehr mild sein, doch der Zustand kann sich extrem schnell verschlechtern und innerhalb weniger Stunden zum Tod führen", sagt auch der Mediziner Paul Hunter von der University of East Anglia.

Experten sehen vor allem Studierende und junge Erwachsene als Risikogruppe. Der Grund: enge soziale Kontakte in Hörsälen, Wohnheimen oder bei Freizeitaktivitäten erleichtern die Übertragung der Bakterien. "Universitätsstudierende und junge Erwachsene gehören zu den Gruppen mit erhöhtem Risiko, weil sich die Bakterien dort leichter verbreiten, wo Menschen eng zusammenleben, lernen und feiern", erklärt Tom Nutt von der Organisation Meningitis Now.

Wer sollte sich impfen lassen?

In Großbritannien gibt es zwar Impfangebote gegen bestimmte Meningokokken-Stämme für Jugendliche. Allerdings werden seit 2015 vor allem Säuglinge gegen den Stamm MenB geimpft - eine Variante, die auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen häufig vorkommt. "Wir sind der Meinung, dass alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch diese Impfung geschützt werden sollten", so Nutt. Welcher Erreger genau hinter dem aktuellen Ausbruch steckt, ist bislang noch unklar.

Auch in Deutschland treten Meningokokken-Erkrankungen regelmäßig auf - allerdings auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Nach Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) werden hierzulande jährlich rund 250 bis 300 Fälle registriert. Eine Infektion verläuft demnach oft schwer: Etwa 10 bis 13 Prozent der Erkrankten sterben an den Folgen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat zuletzt den Impfschutz ausgeweitet. Demnach wird heute empfohlen:

  • eine Impfung gegen Meningokokken B für Säuglinge ab dem zweiten Lebensmonat

  • eine Impfung gegen die Gruppen A, C, W und Y für Jugendliche im Alter von 12 bis 14 Jahren.

Hintergrund ist, dass laut RKI vor allem Säuglinge und Jugendliche zu den Risikogruppen gehören. Zudem werden in Deutschland die meisten Erkrankungen durch den Erregertyp B verursacht. Trotz der insgesamt seltenen Erkrankung betonen Fachleute daher die Bedeutung der Impfung und vor allem einer schnellen Behandlung im Verdachtsfall - denn der Verlauf kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden.

Quelle: ntv.de, hny

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