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Mögliche Gefahr für Organe? Erstmals Mikroplastik in menschlichem Blut gefunden

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Menschen, Tiere und Pflanzen nehmen Mikro- und vor allem Nanoplastik ununterbrochen über Flüssigkeiten, die Luft oder die Nahrung auf.

(Foto: picture alliance / GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com)

Im Ozean, auf Berggipfeln, in der Antarktis - fast überall finden Forschende Mikroplastik. So auch im menschlichen Körper. Niederländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können jetzt zum ersten Mal die winzigen Kunststoff-Partikel im Blut nachweisen. Welche Gefahren das birgt, ist ungewiss.

Weltweit werden jährlich 400 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Ein Teil zerfällt zu winzigen Partikeln, die die Umwelt verschmutzen. Mittlerweile ist Mikroplastik an den entlegensten Ecken der Erde zu finden: an den Polen, auf den höchsten Berggipfeln und auf dem Grund der tiefsten Tiefseegräben. Allein in den Ozeanen sollen über 70 Millionen Tonnen Mikroplastik treiben.

Welche Auswirkungen der Plastikstaub auf Organismen hat, ist bisher nur lückenhaft erforscht. Klar ist allerdings, dass Menschen die Mikroplastik-Teile mit der Nahrung aufnehmen und über die Luft einatmen. Fünf Gramm Plastik, etwa das Gewicht einer Kreditkarte, gelangt durchschnittlich pro Kopf und Woche in den Magen-Darm-Trakt. Jetzt konnten niederländische Forschende erstmals die winzigen Plastikpartikel auch im Blut von Menschen nachweisen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Vrije Universiteit Amsterdam analysierten Blutproben von 22 anonymen Spendern - und fanden in 17 (80 Prozent) der Proben Plastikrückstände. Die Hälfte der untersuchten Proben enthielt PET-Kunststoff, der üblicherweise in Getränkeflaschen verwendet wird, heißt es in der Studie, die in der Fachzeitschrift "Environment International" veröffentlicht wurde. In einem Drittel war Polystyrol enthalten, das in Lebensmittelverpackungen vorkommt. Und in einem Viertel der Blutproben fanden die Forscher Polyethylen, aus dem Plastiktragetaschen hergestellt werden.

"Unsere Studie ist der erste Hinweis darauf, dass wir Polymerpartikel in unserem Blut haben - es ist ein bahnbrechendes Ergebnis", sagte Studienautor Dick Vethaak gegenüber dem britischen "Guardian". Die kleinen Plastikkugeln können demnach durch den gesamten Körper transportiert werden - auch in die Organe, und sich dort ablagern. Vethaak zufolge fand man bereits früher in den Ausscheidungen von Babys hohe Werte an Mikroplastik. Er geht davon aus, dass dieses aus Trinkflaschen stammt.

Was passiert mit Mikroplastik im Körper?

Welche konkreten Gefahren es für den menschlichen Körper durch Mikroplastik gibt, ist noch umstritten. Die in der Studie untersuchten Plastikteilchen hatten eine Größe von nur 0,0007 Millimetern. Die Menge und Art des Mikroplastiks sei in den Proben sehr unterschiedlich gewesen, heißt es in dem Fachartikel. Was die Partikel im Körper anrichten könnten, hänge auch davon ab, wie sie sich genau in der Blutbahn verteilen. Es sei denkbar, dass sie in Immunzellen vordringen, andere könnten sich an Proteine oder Lipide heften, schreiben die Forschenden.

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"Die große Frage ist, was in unserem Körper mit all dem Plastik passiert", meinte Vethaak. Im Versuch mit Mäusen stellten Forscher fest, dass sich im Kontakt mit den Plastikpartikeln viele Immunzellen, die normalerweise einzeln im Blut schwimmen, an der Gefäßwand festsetzen. Die Immunzellen reagieren auf Mikroplastik, indem sie Entzündungsproteine freisetzen.

Vethaak und sein Team wollen ihre Forschungen nun ausweiten und die Stichprobengröße und die Anzahl der untersuchten Polymere erhöhen. Zusätzliche Studien seien bereits geplant, sagte der Wissenschaftler. Jetzt müsse genauer geklärt werden, ob die im menschlichen Blut entdeckten Mikroplastik-Partikel im Körper bleiben und vielleicht sogar die Blut-Hirn-Schranke passieren können. Die wichtigste Frage dabei: "Sind die Mengen hoch genug, um Krankheiten auszulösen?"

(Dieser Artikel wurde am Freitag, 25. März 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, hny

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