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Reset für NervenzellenStudie: Kurzer Mittagsschlaf stärkt das Gehirn

23.01.2026, 17:07 Uhr
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Auch kurze Schlafphasen können hilfreich für die geistige Erholung sein, weisen Forschende in einer neuen Studie nach. (Foto: picture alliance / Ute Grabowsky/photothek.de)

Wer tagsüber müde ist, braucht nicht viel Zeit zur Erholung. Eine neue Studie zeigt, dass schon ein kurzer Mittagsschlaf das Gehirn wieder aufnahmefähig macht. Dieser Effekt war Forschern bislang nur von einer ganzen Nachtruhe bekannt.

Ein Nickerchen am Tage wird heutzutage auch Powernap genannt - doch wirkt der kurze Schlaf wirklich so beflügelnd, wie der englische Name verspricht? Ein Forscherteam unter Beteiligung des Universitätsklinikums Freiburg findet heraus, dass ein Mittagsschlaf dem Gehirn tatsächlich helfen kann, sich zu erholen und wieder besser lernfähig zu werden.

In ihrer im Fachmagazin "NeuroImage" veröffentlichten Studie schreiben die Forschenden, dass bereits ein Mittagsschlaf ausreicht, um Verbindungen zwischen Nervenzellen so auszurichten, dass neue Informationen besser abgespeichert werden können. Diese Effekte waren bislang nur bekannt, wenn Menschen eine ganze Nacht geschlafen hatten.

Bei der Studie wurden 20 gesunde junge Erwachsene untersucht, die an zwei Nachmittagen entweder einen Mittagsschlaf machten oder wach blieben. Der Mittagsschlaf dauerte im Schnitt 45 Minuten. Da direkte Messungen an Synapsen bei gesunden Personen nicht möglich sind, nutzte das Forschungsteam Verfahren wie Magnetstimulation und EEG-Messungen, um Rückschlüsse auf die Stärke und Flexibilität der Synapsen zu ziehen.

Gehirn nach Schlaf für neue Inhalte empfänglich

Das Ergebnis: Nach dem Mittagsschlaf war die durchschnittliche Aktivität in den Synapsen des Gehirns reduziert. Laut den Autoren ein Zeichen für die erholende Wirkung von Schlaf. Gleichzeitig war die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zu bilden, deutlich verbessert. Das Gehirn war also besser vorbereitet auf neue Lerninhalte als nach einer gleich langen Wachphase.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass selbst eine kurze Schlafphase das Gehirn in einen Zustand versetzen kann, in dem es wieder besser lernen und Informationen aufnehmen kann", sagte Studienleiter Christoph Nissen laut einer Mitteilung des Universitätsklinikums Freiburg, wo er die Studie durchgeführt hatte. Mittlerweile ist er Professor und Chefarzt am Universitätsklinikum Genf.

"Klarer denken" nach kurzem Schlaf

"Die Studie hilft uns zu verstehen, wie wichtig auch kurze Schlafphasen für die geistige Erholung sind", sagte Kai Spiegelhalder, Leiter der Sektion für Psychiatrische Schlafforschung und Schlafmedizin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg. "Ein kurzer Schlaf zwischendurch kann helfen, wieder klarer zu denken und konzentriert weiterzuarbeiten."

Laut den Autoren liefert die Studie eine biologische Erklärung dafür, warum Menschen nach einem Mittagsschlaf oft leistungsfähiger sind. Besonders in Berufen oder Tätigkeiten, die ein hohes Maß an geistiger oder körperlicher Leistung erfordern - etwa in der Musik, im Sport oder in sicherheitskritischen Bereichen - könne ein kurzer Schlaf gezielt eingesetzt werden, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Quelle: ntv.de, kst

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