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Qualität wichtiger als QuantitätUnruhiger Schlaf schadet Gehirn mehr als kurzer Schlaf

05.01.2026, 15:20 Uhr
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Wer nachts längere Wachphasen hat, kann am nächsten Tag kognitiv weniger leisten. (Foto: picture alliance / dpa Themendienst)

Viele Menschen fürchten die Folgen von zu wenig Schlaf für das Gehirn. Eine Untersuchung zeigt nun, dass nächtliche Unterbrechungen die kognitiven Fähigkeiten stärker beeinträchtigen als eine kurze Schlafdauer. Langfristig sehen die Forscher darin sogar einen Risikofaktor.

Unruhige Nächte mit wachen Phasen zwischendurch scheinen bei älteren Erwachsenen die geistigen Fähigkeiten am nächsten Tag deutlich stärker zu beeinträchtigen als etwa eine kürzere Schlafdauer. Das ist das Ergebnis einer Studie eines Teams von Forschern der Pennsylvania University und des Albert Einstein College of Medicine in New York.

"Jeder, der schon einmal zu lange aufgeblieben ist, weiß, dass Schlaf die kognitiven Fähigkeiten am nächsten Tag beeinträchtigen kann", sagt der Verhaltensbiologe und Erstautor Orfeu Buxton. "In dieser Studie wollten wir herausfinden, welche Aspekte der Schlafgesundheit sich auf die kognitiven Funktionen am Tag auswirken, damit Menschen wissen, wie sie ihren Schlaf verbessern können."

Bei kurzen Denkaufgaben schnitten in einem Experiment jene Teilnehmerinnen und Teilnehmer deutlich schlechter ab, die in der vorherigen Nacht längere Wachphasen in der Nacht als üblich hatten, wie die Gruppe im Fachjournal "Sleep Health" berichtet. Im Schnitt schliefen die Teilnehmenden pro Nacht 7,2 Stunden und verbrachten eine gute Stunde wach.

"Verschiedene Aspekte des Schlafes untersucht"

"Wenn man nach dem Einschlafen wiederholt aufwacht, verschlechtert sich die Gesamtqualität des Schlafes", erklärt Buxton. "Wir haben verschiedene Aspekte des Schlafes untersucht, und die Schlafqualität ist der einzige Faktor, der sich täglich auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirkt."

Für die Studie trugen 261 Probanden im Alter über 70 Jahren, in New York 16 Tage lang digitale Armbänder, ähnlich wie Smartwatches, mit denen ihre Schlaf- und Wachphasen getrackt wurden. Zudem wurden ihnen sechsmal am Tag auf dem Smartphone kleine Denkaufgaben in spielerischer Form gestellt, die jeweils rund vier Minuten dauerten und auf verschiedene geistige Fähigkeiten abzielten - etwa das visuelle Arbeitsgedächtnis, das räumliche Gedächtnis oder die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen.

Jene Teilnehmenden, die in der vorherigen Nacht mehr als 30 Minuten länger zwischendurch wach waren als üblich, zeigten eine deutlich verlangsamte Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen. Erstaunlicherweise hatten sowohl die Schlafdauer als auch Nickerchen am Vortag keinen solchen messbaren Effekt darauf wie die Schlafqualität.

Wer unruhig schläft, zeigt schlechtere Leistungen

Das Team verglich die Ergebnisse der Seniorinnen und Senioren nicht nur mit Blick auf bessere und schlechtere Nächte der einzelnen Probanden, sondern auch hinsichtlich der Unterschiede zwischen verschiedenen Personen. Hierbei stellte sich heraus: Wer generell schlechter schlief, also mehr Zeit nachts wach verbrachte, schnitt bei drei von vier kognitiven Tests schlechter ab - neben den Aufgaben zur Verarbeitung von Informationen nämlich auch bei zwei Aufgaben, die das visuelle Arbeitsgedächtnis forderten.

Mitautorin und Neurologin Carol Derby betonte, die Erkenntnisse könnten Hinweise darauf geben, welche Menschen erhöhte Risiken etwa für Demenz-Erkrankungen hätten. Über längere Zeiträume hinweg können Schlafprobleme den Autoren zufolge mit der Verringerung geistiger Fähigkeiten und mit der Entwicklung von Demenzkrankheiten wie Alzheimer zusammenhängen. Die Schlafqualität zu verbessern, könne daher Demenz verzögern, so Derby.

Ruhe, Dunkelheit - und keine Bildschirme

Doch das ist für Betroffene oft leichter gesagt als getan. Wie lässt sich Schlafqualität verbessern? Die Studienautoren haben einige Empfehlungen: So solle man sich möglichst zur gleichen Zeit in einer ruhigen, dunklen Umgebung schlafen legen und Bildschirmzeit direkt vor dem Einschlafen vermeiden.

Bei anhaltenden Schlafproblemen könne eine kognitive Verhaltenstherapie helfen. Von Medikamenten raten die Forscher hingegen eher ab. Und Buxton hat noch einen ganz simplen Rat: "Mein wichtigster Ratschlag lautet, sich keine Sorgen über Schlafprobleme zu machen. Sorgen verursachen nur Stress, der den Schlaf weiter stören kann."

Quelle: ntv.de, Larissa Schwedes, dpa

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