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"Blaue Zone" auf SardinienNeuer Faktor für gesundes Altern identifiziert

09.07.2026, 16:28 Uhr IMG-20190620-WA0006Von Jana Zeh
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Ältere Menschen treffen sich auf Sardinien auf der Straße, um sich auszutauschen. (Foto: IMAGO/Dreamstime)

Die meisten Menschen wollen gesund lange leben. In den sogenannten "Blauen Zonen" gelingt das überdurchschnittlich vielen. Das könnte auch mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen in Verbindung stehen, wie Forschende aktuell berichten.

Ein bestimmtes Persönlichkeitsmerkmal könnte dazu beitragen, dass man optimal altert. Das haben Forscherinnen der Universität Cagliari in Italien herausgefunden. Bisher galten Ernährung, Bewegung und soziale Interaktionen als die wichtigsten Säulen für gesundes Altern. Die Ergebnisse der Untersuchung, die im "International Journal of Applied Positive Psychology" veröffentlicht wurden, weisen auf einen weiteren, bisher kaum beachteten Faktor hin.

Für die Untersuchung wurden 125 Personen im Alter von 71 bis 101 Jahren gewonnen. 55 davon lebten in der Blauen Zone Sardiniens, 70 stammten aus einer Gemeinde in der Nähe, die aber außerhalb der Blauen Zone liegt. Die Personen in beiden Gruppen wiesen ähnliche Lebensumstände auf und hatten Zugang zur gleichen kostenlosen Gesundheitsversorgung. Als Blaue Zonen werden bestimmte Regionen bezeichnet, in denen außergewöhnlich viele Menschen über 100 Jahre alt werden. Der Langlebigkeits-Hotspot Sardiniens erstreckt sich über die Bergregionen Ogliastra und Barbagia.

Um zu erfahren, ob bestimmte Persönlichkeitsmerkmale mit psychischem Wohlbefinden und gesundheitsbezogener Lebensqualität zusammenhängen, mussten alle Studienteilnehmende eine Reihe von Fragen beantworten und verschiedene Tests absolvieren. So wollten die Forschenden einerseits die geistige und körperliche Gesundheit der Probanden und Probandinnen einschätzen und andererseits die Lebensstile mit Freizeitgestaltung und Hobbys kennenlernen.

Hinzu kamen die Befragungen nach den sogenannten "Big Five" der Persönlichkeitsmerkmale, also zu Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Dieses Fünf-Faktoren-Modell wird häufig genutzt, um vorherzusagen, wie Menschen mit Stress umgehen, im Beruf kommunizieren oder wie sie soziale Beziehungen führen.

Die Bedeutung der fünf Dimensionen im Einzelnen:

  • Offenheit beschreibt die Aufgeschlossenheit für neue Erfahrungen, Kreativität und Neugier. Niedrige Werte stehen oft für Traditionsbewusstsein und pragmatisches Denken.

  • Gewissenhaftigkeit steht für Zielstrebigkeit, Zuverlässigkeit und Selbstdisziplin. Wer hier niedrig punktet, ist oft spontaner, handelt flexibler und ist weniger auf starre Ordnung fixiert.

  • Extraversion bezieht sich auf Geselligkeit, Energie und Durchsetzungsfähigkeit. Geringe Werte bedeuten eine eher ruhige, zurückhaltende Art, die Einzelaktivitäten bevorzugt.

  • Verträglichkeit gibt das Ausmaß an Empathie, Kooperationsbereitschaft und Mitgefühl an. Niedrige Werte gehen oft mit kritischerem Denken und Durchsetzungsstärke einher.

  • Neurotizismus misst die emotionale Labilität und die Anfälligkeit für Stress oder negative Emotionen. Niedrige Werte bedeuten große emotionale Stabilität, Ausgeglichenheit und Resilienz.

Bei der Auswertung der Daten sahen die Forscherinnen überraschenderweise keine wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Es zeigte sich jedoch, dass die Menschen, die in der Blauen Zone lebten, insgesamt ein deutlich höheres Maß an Offenheit aufwiesen, die sich in größerer Neugier, Lernbereitschaft und dem Wunsch nach neuen Erfahrungen äußerte. Daneben zeigten die Menschen aus der Blauen Zone auch besser ausgeprägte Bewältigungsstrategien, emotionale Kompetenzen und ein stärkeres Engagement bei anregenden Freizeitaktivitäten im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Mechanismen des erfolgreichen Alterns?

Zudem berichteten die Personen mit großer Offenheit aus beiden Gruppen von einem besseren psychischen Wohlbefinden. Personen mit hohen Gewissenhaftigkeitswerten gaben eine höhere Lebenszufriedenheit an und diejenigen mit hohen Werten bei Neurotizismus sprachen tendenziell von einer geringeren gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

Gleichzeitig betonen die Forscherinnen, dass nicht direkt bestimmte Persönlichkeitsmerkmale das Leben verlängern. Sie hätten vielmehr Einfluss darauf, wie man das Leben gestaltet. "Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Kombination aus adaptiven Persönlichkeitsmerkmalen (Anpassungsfähigkeiten - Anm. d. Red.) und Bewältigungsressourcen einen aktiveren Lebensstil fördert", resümieren die Forscherinnen um Maria Chiara Fastame im Fachjournal.

Psychologen und Psychologinnen sind sich einig darüber, dass Persönlichkeitsmerkmale nicht starr sind. Jede Persönlichkeit kann sich ein Leben lang weiterentwickeln - zumindest in einem bestimmten Spielraum. Auch wenn jede Persönlichkeit zum großen Teil durch genetische Veranlagungen geprägt ist, können Erfahrungen, Reifeprozesse und die Umwelt Einfluss darauf nehmen. Maßgeblich bei Veränderungen ist auch der Wille dazu. Ohne Motivation und den Glauben an die Machbarkeit ist eine gezielte Veränderung der eigenen Persönlichkeit nicht möglich.

Quelle: ntv.de

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