Muskeltraining und GesundheitWer Gewichte stemmt, lebt womöglich länger

Muskeln aufbauen und gleichzeitig etwas fürs Herz, den Stoffwechsel und womöglich sogar fürs Gehirn tun? Laut einer neuen Studie kann Krafttraining weit mehr als nur den Körper formen. Vor allem in Kombination mit Ausdauertraining wird es zu einer Art Longevity-Geheimtipp.
Gewichte stemmen für die Gesundheit? Lange wurde Krafttraining vor allem mit Muskelaufbau und Optik verbunden. Eine neue große Langzeitstudie legt nun nahe, dass Hanteln und Widerstandsbänder womöglich noch etwas ganz anderes bewirken: Sie könnten helfen, länger zu leben.
Für ihre Studie, die im Fachmagazin "British Journal of Sports Medicine" veröffentlicht wurde, wertete das internationale Forschungsteam Daten von fast 150.000 Krankenschwestern und medizinischen Fachkräften aus den USA aus, die über Jahrzehnte beobachtet wurden. Das Ergebnis: Wer regelmäßig Krafttraining machte, hatte ein geringeres Risiko, vorzeitig zu sterben. Am besten schnitten dabei Menschen ab, die pro Woche etwa 90 bis 120 Minuten trainierten.
In dieser Gruppe lag demnach das Risiko, frühzeitig zu sterben, um rund 13 Prozent niedriger als bei Menschen, die gar kein Krafttraining machten. Noch deutlicher zeigte sich ein Effekt in Bezug auf zwei große Volkskrankheiten. So war laut der Studie das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, um 19 Prozent niedriger. Bei Todesfällen durch neurologische Erkrankungen - vor allem Demenz - sank das Risiko sogar um 27 Prozent.
Interessant ist allerdings: Mehr ist offenbar nicht automatisch besser. Jenseits von etwa zwei Stunden Krafttraining pro Woche sank das Risiko nicht weiter. Am besten schnitten jene Menschen ab, die Krafttraining mit Ausdauersport kombinierten, etwa mit zügigem Gehen, Joggen, Radfahren oder Schwimmen. Wer zusätzlich das übliche Bewegungsziel von mindestens 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche erreichte, senkte sein Sterberisiko der Studie zufolge am stärksten - sogar um bis zu 45 Prozent.
Muskeln schützen im Alter
Doch warum ist Krafttraining so nützlich für die Gesundheit? Laut Experten steckt ein Teil der Antwort im Muskel selbst. Skelettmuskulatur ist nicht nur dazu da, den Körper zu bewegen. Sie ist auch eins der stoffwechselaktivsten Gewebe des Körpers. Nach dem Essen wird ein Großteil des Blutzuckers in die Muskulatur aufgenommen. Wer mehr und stärkere Muskeln hat, verarbeitet Zucker in der Regel besser - und schützt sich damit indirekt auch vor Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Hinzu kommt: Muskelgewebe ist eine Art hormonaktives Organ. Wenn Muskeln arbeiten, setzen sie Botenstoffe frei, sogenannte Myokine. Diese können Entzündungsprozesse im Körper beeinflussen und stehen im Verdacht, auch mit der Leber, Fettgewebe, Knochen, Blutgefäßen und sogar dem Gehirn zu kommunizieren. Genau deshalb halten Fachleute es für plausibel, dass Krafttraining nicht nur Muskeln aufbaut, sondern auf viele Organe gleichzeitig wirkt.
Auch fürs Alter könnte das entscheidend sein. Wer stärker ist, stürzt seltener, bleibt länger selbstständig und wird weniger gebrechlich. Die reine Muskelkraft gilt seit Jahren als überraschend guter Gesundheitsmarker. So zeigte bereits vor zehn Jahren eine große internationale Studie, dass die Handgriffkraft das Risiko für einen frühen Tod teilweise sogar besser vorhersagte als der Blutdruck.