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Hochinfektiöses Virus in Indien Mehr als 80 Kleinkinder mit Tomatengrippe infiziert

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Die Kleinkinder mit Tomatengrippe stecken sich höchstwahrscheinlich untereinander an.

(Foto: picture alliance / imageBROKER)

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Hohes Fieber, starke Gelenkschmerzen und rote Blasen am ganzen Körper: Ein neuer Krankheitserreger wird in Indien bei mehr als 80 Kindern vermutet. Er ist einem Bericht zufolge nicht mit Sars verwandt. Dennoch ist Vorsicht geboten.

Einen ungewöhnlichen Namen hat eine internationale Forschungsgruppe einem bisher unbekannten Erreger gegeben. In einer aktuellen Veröffentlichung berichten Forschende im Fachjournal "The Lancet" über das Tomatengrippevirus, das im indischen Kerala bei mehr als 80 Kindern zu Infektionskrankheiten geführt hat. Dabei handelt es sich um einen hoch ansteckenden Krankheitserreger, der Grippe-, aber auch Covid-19-ähnliche Symptome hervorruft. Die infizierten Kinder leiden unter Fieber, Müdigkeit und Kopfschmerzen, aber auch Erbrechen, Durchfall, Gelenkschmerzen und Hautausschlägen. Aufgrund der grippeähnlichen Symptome und der schmerzhaften, roten Blasen auf der Haut, die bis zur Größe einer Tomate anwachsen können, wurde der Erreger als Tomatengrippevirus, die Erkrankung als Tomatengrippe oder Tomatenfieber bezeichnet.

Im Zeitraum zwischen dem 6. Mai bis zum 26. Juli 2022 wurden bei mindestens 82 Kindern eine Infektion mit dem bisher unbekannten Erreger gemeldet. Alle Infizierten waren unter fünf Jahre alt. Die Forschenden schätzen das Virus dem Bericht zufolge als selten, endemisch und nicht lebensbedrohlich ein. Auch wenn das Virus bisher nicht flächendeckend auftrete, müsse man es dennoch beobachten und weitere Ausbreitung verhindern, schreibt das Forschungsteam.

Weitere Ausbreitung verhindern

Bisher wissen die Fachleute nicht genau, womit sie es bei der Erkrankung, die erstmals am 6. Mai 2022 im Kollam-Distrikt von Kerala in Indien festgestellt wurde, zu tun haben. Das Gesundheitsministerium von Kerala hat bereits Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet, um die Virusinfektionen zu überwachen und gleichzeitig die Ausbreitung in andere Regionen des Landes zu verhindern.

Hohes Fieber, Hautausschläge und starke Gelenkschmerzen gehören zu den Symptomen, die auch bei Chikungunya-Fieber auftreten. Die schmerzhaften Hautveränderungen wiederum erinnern eher an die Affenpocken, die aktuell weltweit nachgewiesen werden. Das Virus könnte aber auch eine neue Variante des Erregers der sogenannten Hand-Fuß-Mund-Krankheit sein. Diese Infektionskrankheit trifft häufig Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren. Sie kann aber auch bei immungeschwächten Erwachsenen auftreten. Relativ deutlich schließt das Forscherteam eine Verwandtschaft zu Sars-Viren aus.

Nachweis durch Ausschluss

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Bisher kann der neue Erreger der Tomatengrippe dem Bericht zufolge nur durch Ausschlussverfahren festgestellt werden. Bei Kindern mit den entsprechenden Symptomen werden verschiedene Tests durchgeführt und nach Anzeichen für Infektionen mit Dengue-, Chikungunya-, Zika-, Varizella-Zoster- und Herpes-Viren gesucht. Sobald diese Virusinfektionen ausgeschlossen werden können, sei eine Infektion mit dem neuen Tomatenvirus sehr wahrscheinlich, schreiben die Forschenden.

Die Behandlung ähnele derer bei Dengue-Fieber oder bei der Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Die infizierten Kinder oder auch bei Verdachtsfällen müssen für fünf bis sieben Tage isoliert werden, brauchen Ruhe und viel Flüssigkeit. Ansonsten kommen nur Medikamente zur symptomatischen Behandlung infrage. "Bisher sind keine antiviralen Medikamente oder Impfstoffe zur Behandlung oder Vorbeugung der Tomatengrippe verfügbar", schreiben die Forschenden. Eine weitere Nachsorge und Überwachung auf schwerwiegende Folgen und Folgeerscheinungen sei erforderlich, um die Notwendigkeit potenzieller Behandlungen besser zu verstehen.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 23. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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