Trick mit Muskel und KnochenOhren zu: So hören Elefanten über Kilometer hinweg

Elefanten können sich über sehr weite Strecken hinweg verständigen. Eine neue Untersuchung zeigt, dass sie dafür Schwingungen durch den Untergrund schicken. Ein bisher unbekannter Trick im Ohr hilft den grauen Riesen, diese schwachen Signale besser zu empfangen.
Elefanten können sich über mehrere Kilometer hinweg durch Vibrationen im Boden unterhalten. Die Laute wandern durch das Skelett bis ins Ohr hinein. Um die schwachen Bodensignale noch besser aufzunehmen, verschließen Elefanten ihre Ohren mit einem speziellen Muskel sogar. Das könne das Hörvermögen erheblich steigern, berichtet ein Forschungsteam im Journal "Frontiers in Audiology and Otology". Es hat erstmals physiologisch gezeigt, wie der Schall im Mittelohr weitergegeben wird.
Elefanten können über Distanzen von mehr als vier Kilometern kommunizieren, berichtet das Team mit Verweis auf frühere Feldstudien. Bei der Kommunikation über den Boden könne der "geschlossene akustische Gehörgang" die Hörempfindlichkeit verbessern und diese Entfernung sogar noch verlängern, schließen die Forschenden aus ihren Experimenten.
Außenohren dienen vorwiegend zur Kühlung
Die großen Außenohren selbst nutzen Elefanten gar nicht in erster Linie zum Hören, sondern vor allem zur Kühlung. Die gut durchbluteten Ohren geben - gerade beim Hin- und Herwedeln - Wärme ab. Entscheidend fürs Hören sind die Gehörknöchelchen im Mittelohr. Sie sind laut Studie rund neunmal schwerer als beim Menschen und die Trommelfelle etwa siebenmal größer. Allein dies trage schon dazu bei, dass Elefanten tiefe Töne besser hören können.
Die Tiere kommunizieren über große Strecken, etwa um in der Savanne den Kontakt zu weit entfernten Familienmitgliedern aufrechtzuerhalten oder um Informationen über die Umwelt oder mögliche Gefahren weiterzugeben.
Elefanten können sehr tiefe Töne mit einer Grundfrequenz von 10 bis 20 Hertz erzeugen, und zwar mit so hohen Schallpegeln, dass sie sich entlang der Erdoberfläche ähnlich wie Wasserwellen ausbreiten. Die Vibrationen des Bodens werden durch das Skelett des Elefanten bis zum Schläfenbein im Schädel geleitet. Dies beherbergt die Gehörknöchelchen, die sich daraufhin in Bewegung setzen.
Ohren zu, um besser zu hören
"Ohrhörer wie AirPods können störend sein, da wir körpereigene Geräusche lauter wahrnehmen als gewöhnlich, beispielsweise beim Gehen oder Kauen", erklärte Seniorautor Sunil Puria vom Department of Otolaryngology der Harvard Medical School in Boston. "Elefanten hingegen nutzen die Fähigkeit, ihre Gehörgänge zu verschließen, für die Kommunikation über größere Entfernungen möglicherweise zu ihrem Vorteil."
Aufgrund seiner Experimente geht das Team davon aus, dass ein gezieltes Verschließen des Gehörgangs mithilfe des Muskels bei tiefen Tönen von 10 bis 20 Hertz die Empfindlichkeit des Hörens über den Boden und das Skelett um nahezu 30 Dezibel steigern könnte.
Die Forscher hatten im Labor Schläfenbeine genutzt, einen Teil des Schädels, der das Mittel- und Innenohr beherbergt, und erzeugten Vibrationen. Dann erfassten sie unter anderem die dreidimensionale Bewegung der Gehörknöchelchen namens Hammer, Amboss und Steigbügel. Die Proben stammten von verstorbenen Elefanten und menschlichen Spendern.
Es war zwar bekannt, dass Elefanten Töne über den Boden hinweg senden können. Nun gebe es jedoch den ersten physiologischen Beleg dafür, wie dies über die sogenannte Knochenleitung erfolgen könne, schreibt das Team. Die Ergebnisse zeigten unter anderem, dass die Schwingung im Mittelohr bei dem Teil des Hammers, der am Trommelfell sitzt, begann. Das geschehe auch bei der Schallübertragung durch die Luft. Zudem werde die Hörschnecke im Ohr, die das Tonsignal zum Hörnerv leitet, besonders bei niedrigen Frequenzen stimuliert. Das stimme mit den bekannten Fähigkeiten von Elefanten zur Kommunikation über große Entfernungen mittels niedriger Frequenzen überein.