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Ärzte "bleiben optimistisch" Patienten-Tod ist nicht Ende der Xenotransplantation

Ärzte setzen im Januar David Bennett das Schweineherz ein. Nun ist der Transplantationspatient gestorben.

Ärzte veränderten das Schweineherz zunächst genetisch und transplantierten es dann Bennett.

(Foto: Tom Jemski/University of Marylan)

David Bennett lebt nach einer denkwürdigen Operation trotz seines schweren Herzleidens noch zwei Monate. Dann stirbt der Patient, dem erstmals ein gentechnisch verändertes Herz eines Schweines transplantiert wurde. Für die Mediziner bleibt der Eingriff dennoch ein Erfolg.

Nach dem Tod des weltweit ersten Patienten mit eingepflanztem Schweineherzen wollen die zuständigen Ärzte weitere solche Transplantationsversuche unternehmen. "Wir haben unbezahlbare Einblicke bekommen und gelernt, dass ein genetisch verändertes Schweineherz im menschlichen Körper gut funktionieren kann, wenn das Immunsystem angemessen unterdrückt ist", sagte Chirurg Muhammad Mohiuddin von der Uniklinik in Baltimore laut Mitteilung. "Wir bleiben optimistisch und planen, unsere Arbeit mit weiteren klinischen Versuchen fortzusetzen."

Das Gelernte werde hoffentlich dazu beitragen, "dass Transplantationschirurgen in Zukunft die Ergebnisse verbessern und künftigen Patienten möglicherweise lebensrettende Unterstützung bieten können", sagte sein Kollege Bartley Griffith. Mohiuddin bedankte sich posthum bei dem Patienten für seine "einzigartige und historische Rolle" darin, die Xenotransplantation voranzubringen.

Genaue Todesursache nicht bekannt

David Bennett, dem Anfang Januar als weltweit erstem Patienten ein Schweineherz als Ersatzorgan eingesetzt worden war, war am 8. März im Alter von 57 Jahren gestorben, wie das Universitätsklinikum in Baltimore am Mittwoch mitgeteilt hatte. Sein Zustand habe schon vor einigen Tagen begonnen, sich zu verschlechtern. Schließlich habe er Palliativversorgung bekommen. In seinen letzten Stunden habe er noch mit seiner Familie kommunizieren können.

Woran Bennett schließlich genau starb, wurde bislang nicht mitgeteilt. "Zum Zeitpunkt seines Todes wurde keine eindeutige Todesursache identifiziert", sagte eine Sprecherin der Uniklinik der "New York Times". Die zuständigen Ärzte würden eine gründliche Untersuchung vornehmen und die Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlichen.

Erster Patient mit Xenotransplantation

"Wir sind am Boden zerstört angesichts des Verlusts von David Bennett", sagte Chirurg Griffith. "Er hat sich als mutiger, ehrenwerter Patient erwiesen, der bis zum Ende gekämpft hat." Auf der ganzen Welt sei Bennett für "seinen Mut und seinen unerschütterlichen Lebenswillen" bekannt geworden. Bennetts Sohn David Bennett Jr. bedankte sich bei den Ärzten. "Wir sind dankbar für jeden innovativen Moment, jeden verrückten Traum und jede schlaflose Nacht, die Teile dieser historischen Anstrengung waren." Bennett hinterlässt ein weiteres erwachsenes Kind, fünf Enkelkinder und zwei Schwestern.

Im Oktober 2021 war er als schwerkranker Patient an das Universitätsklinikum in Baltimore gekommen. Weil der an einer lebensgefährlichen Herzkrankheit leidende Mann als nicht geeignet für ein Spenderherz eingestuft wurde, gab es von der US-Gesundheitsbehörde FDA eine Ausnahmegenehmigung für den Versuch, mit dem tierischen Organ sein Leben zu retten.

Anfang Januar wurde dem Mann dann in einer mehrstündigen Operation das genetisch veränderte Schweineorgan eingesetzt. Die galt als Meilenstein auf dem Gebiet der Organtransplantation. Danach war der Patient noch einige Tage an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen.

Zunächst gute Verträglichkeit

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Im Anschluss sei der Zustand des Mannes zunächst relativ stabil gewesen, hieß es von der Klinik. Das Herz habe "gut gearbeitet", es habe keine Anzeichen von Abstoßung gegeben. Bennett gehe es "besser als erwartet", er sei "bemerkenswert wach", hatte es geheißen. Der Mann habe Zeit mit seiner Familie verbringen können und Physiotherapie gemacht. Unter anderem habe er noch das Football-Spektakel Super Bowl verfolgt und oft darüber gesprochen, dass er zu seinem Hund Lucky nach Hause wolle.

Die sogenannte Xenotransplantation - also etwa die Übertragung von tierischen Organen auf den Menschen - wird schon seit den 1980er-Jahren erforscht. Schweine sind dabei als Spender besonders geeignet, weil ihr Stoffwechsel dem von Menschen ähnelt. In Deutschland liegt der Überlebensrekord für einen Pavian mit Schweineherz Wissenschaftlern zufolge bei 195 Tagen. Die Grundlage für ähnliche Operationen an Menschen wie in den USA sei auch in Deutschland geschaffen - wann es aber so weit sein könnte, ist noch unklar. Fortschritte auf dem Gebiet könnte Hoffnung für zehntausende Menschen bedeuten, die auf Spenderorgane warten.

Quelle: ntv.de, Christina Horsten, dpa

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