Wissen

Vakzine von Biontech und Moderna Reaktion auf zweite Impfdosis oft heftiger

Impfung Moderna.jpg

Besonders beim Moderna-Vakzin treten stärkere Impfreaktionen vor allem nach der zweiten Dosis auf.

(Foto: imago images/Antonio Balasco)

Zunehmend berichten mit den Vakzinen von Biontech oder Moderna geimpfte Menschen, sie hätten nach der zweiten Dosis viel mehr Beschwerden gehabt als nach der ersten. Warum ist das so? Trifft es manche Gruppen besonders stark? Und ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Die Impfungen gegen Covid-19 kommen in Deutschland voran, knapp 50 Millionen Menschen haben mindestens eine Dosis erhalten, rund 32,4 Millionen sind bereits vollständig geschützt. Dabei fällt auf, dass im Vergleich zu den ersten Monaten des Jahres jetzt wesentlich mehr Biontech- und Moderna-Impflinge berichten, auf die zweite Injektion deutlich heftiger zu reagieren als auf die erste. Wie kommt das, und wie ist das zu bewerten?

Zunächst mal muss man zwischen Impfreaktionen und Nebenwirkungen unterscheiden, die nicht ein und dasselbe sind. Bei den berichteten Beschwerden handelt es sich um Impfreaktionen, die einige Stunden nach der Injektion auftreten und gewöhnlich kaum länger als zwei Tage andauern. Sie können zwar kurzzeitig sehr unangenehm sein, sind aber grundsätzlich ungefährlich.

Unangenehm, aber ungefährlich

Dabei wird nochmal zwischen lokalen Reaktionen an der Einstichstelle (Schmerzen, Rötungen, Schwellungen) und anderen (systemischen) Reaktionen unterschieden. Dazu gehören beispielsweise Müdigkeit, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen oder Fieber und Schüttelfrost. Dies alles sind Reaktionen, die auch von anderen Impfungen bekannt sind.

Nebenwirkungen treten laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) üblicherweise vier bis 16 Tage nach der Impfung auf. Sie können gesundheitlich problematisch sein, weshalb die BZgA rät, in so einem Fall einen Arzt aufzusuchen. Dies gilt beispielsweise für anhaltende Kopfschmerzen oder punktuell auftretende Hautblutungen. Die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) nennt außerdem Warnsignale, die auf eine sehr seltene Herzmuskelentzündung hinweisen könnten. Dies sind Brustschmerzen, Herzflattern und Kurzatmigkeit.

Um zu wissen, dass man nur ganz gewöhnliche Impfreaktionen zeigt, kann man zu jedem in Deutschland eingesetzten Vakzin nachlesen, welche Beschwerden kurz nach der Injektion auftreten können. Dabei fasst das Bundesgesundheitsministerium die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna in einem Aufklärungsblatt zusammen.

Jüngere stärker betroffen

Dass jetzt mehr Menschen über heftige Impfreaktionen berichten als in den ersten Monaten des Jahres liegt einerseits daran, dass jetzt wöchentlich deutlich mehr Dosen in die Oberarme kommen und die Zahl der zweifach Geimpften kräftig steigt. Außerdem erhalten zunehmend jüngere Jahrgänge ein Vakzin gegen Covid-19, die häufiger Impfreaktionen zeigen.

Sehr gute Daten dazu gibt es aus den USA, wo die Impfaktion mit mRNA-Vakzinen schon wesentlich früher als in Deutschland in Fahrt gekommen ist und die Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) über eine Smartphone-App (V-safe) Rückmeldungen von Geimpften sammelt.

Demnach zeigen beim Biontech-Vakzin etwa 83 Prozent der jüngeren Impflinge (18 bis 55 Jahre) systemische Reaktionen auf, während es bei den Älteren knapp 71 Prozent sind. Bei Moderna haben 82 Prozent der 18- bis 64-Jährigen und 72 Prozent der älteren Geimpften entsprechende Beschwerden.

Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen am häufigsten

Dabei treten Impfreaktionen wesentlich häufiger nach der zweiten Dosis auf. Bei Biontech bekommen 13,7 Prozent nach der ersten Dosis Fieber, nach der zweiten Injektion sind es 15,8 Prozent. Besonders groß ist der Unterschied bei Schüttelfrost mit 14 und 35,1 Prozent.

Muskelschmerzen treffen 21,3 und 37,3 Prozent nach der ersten oder zweiten Impfung, bei Kopfschmerzen sind es 41,9 und 51,7 Prozent. Die häufigste Impfreaktion ist Müdigkeit, sie überkommt 47,4 Prozent nach dem ersten und 59,4 nach dem zweiten Piks. Eine Ausnahme ist Durchfall. Diese Reaktion tritt mit 11,4 Prozent häufiger nach der ersten als nach der zweiten Dosis mit 10,4 Prozent auf.

Größere Unterschiede bei Moderna

Noch größere Unterschiede gibt es beim Moderna-Impfstoff. Nur 0,9 Prozent haben nach der ersten Injektion Fieber, nach der zweiten sind es 17,4 Prozent. Schüttelfrost tritt bei der Erstimpfung mit 9,2 Prozent noch selten auf, nach der zweiten Dosis ist er mit 48,3 Prozent ein sehr häufiges Symptom.

Während die Biontech-Impflinge möglicherweise von Durchfall geplagt werden, ist die "Spezialität" von Moderna Übelkeit - 9,3 beziehungsweise 21,3 Prozent der Impflinge wird es nach der Injektion schlecht. Muskelschmerzen haben nach dem ersten Termin nur 23,7 Prozent, nach dem zweiten Piks sind es 61,3 Prozent.

Ähnlich krass sind die Unterschiede bei Kopfschmerzen und Übelkeit. Hier sind nach der ersten Impfung 35,4 und 38,5 der Patienten betroffen, nach der zweiten Dosis müssen damit 62,8 beziehungsweise 67,6 Prozent von ihnen rechnen.

Der Körper tut, was er soll

Für die häufigeren Impfreaktionen bei mRNA-Vakzinen nach der zweiten Dosis gibt es eine plausible Erklärung. "Die erste Impfung bringt dem Körper bei, wie er auf das Virus reagieren soll", sagte die US-Infektiologin Debra Powell dem Magazin "Healthline". Bewaffnet mit Antikörpern und Gedächtnis-T-Zellen, die das Virusprotein der ersten Dosis erkennen, sei die Reaktion des Immunsystems bei der zweiten Dosis tendenziell robuster.

Carlos Guzmán, Leiter der Abteilung Vakzinologie und Angewandte Mikrobiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, sagte dem ZDF, die Symptome nach der zweiten Dosis seien eher ein gutes Zeichen. "Sie sind ein Hinweis darauf, dass die Impfung funktioniert."

Keine Impfreaktion wohl kein Problem

Wer gar keine oder nur milde Impfreaktionen zeigt, muss sich aber wahrscheinlich keine Sorgen machen, weniger gut geschützt zu sein. Auch wenn man in den ersten zwei, drei Tagen nach der Impfung keine Nebenwirkungen habe, könne man davon ausgehen, dass das Immunsystem reagiere und Antikörper bilde, sagte Immunologe Timo Ulrichs ntv.

Mehr zum Thema

"Warum einige Geimpfte Beschwerden haben und andere nicht, wissen wir nicht", sagt Virologin Sandra Ciesek im NDR-Podcast. Es gebe durchaus einen Zusammenhang zwischen der Stärke der Impfreaktion und der Immunantwort. Wenn Impfreaktionen ausbleiben, bedeute das umgekehrt aber keinen geringeren Schutz.

Echte Daten zu einer möglichen Korrelation zwischen der Impfreaktion und der Menge der gebildeten Antikörper gibt es offenbar noch nicht. Um herauszufinden, ob dem so ist, hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit dem Universitätsklinikum Ulm im April eine Studie mit 1500 Mitarbeitern des Krankenhauses gestartet. Geplantes Ende: 1. Dezember 2021.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.