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Gefährliche AblenkungReden beim Autofahren verlangsamt Augenbewegungen

02.01.2026, 10:52 Uhr
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Fahrer-Beifahrerin-Deutsche-Autobahn
Ein Forschungsteam hat nachgewiesen, dass Gespräche beim Autofahren eine so starke kognitive Belastung darstellen, dass sie wichtige Augenbewegungs-Reaktionen verzögern. (Foto: picture alliance / Schoening)

Viele Menschen telefonieren gern während langer Autofahrten oder unterhalten sich mit Mitfahrern - so vergeht die Zeit schneller. Auch wenn man dabei kein Telefon in der Hand hält, ist das Forschern zufolge riskant: Gespräche verzögern die für sicheres Fahren nötigen Augenbewegungen.

Während der Fahrt zu quatschen, kann Autofahrer gefährlich ablenken. Zudem greift ein spezieller Effekt, wie japanische Forscher entdeckt haben: Gespräche können die für sicheres Fahren unerlässlichen Augenbewegungen verzögern. In brenzligen Situationen - zum Beispiel einem plötzlich auftauchenden Fußgänger oder Gegenstand auf der Fahrbahn - könne das wertvolle Sekundenbruchteile kosten, um einen Unfall gerade noch zu verhindern, warnen die Wissenschaftler.

Bekannt war bereits, dass die gedankliche Ablenkung beim Quatschen zu verzögertem Bremsen und einem beeinträchtigten Situationsbewusstsein führen kann. Das Team um Shintaro Uehara von der Fujita Health University (FHU) wies nun nach, dass Gespräche eine so starke kognitive Belastung darstellen, dass sie wichtige Augenbewegungs-Reaktionen verzögern.

Unfallrisiko steigt

Dadurch könne die schnelle visuelle Einschätzung beeinträchtigt werden und das Unfallrisiko steige, berichten die Forschenden im Fachmagazin "PLOS One". Das Blickverhalten sei besonders wichtig, weil etwa 90 Prozent der fürs Fahren verwendeten Informationen visuell erfasst werden. Jede Verzögerung bei den Augenbewegungen könne zu einer langsameren Erkennung von Gefahren und verzögerten Reaktionen führen.

Die Forschenden hatten 30 gesunde Erwachsene unter drei verschiedenen Bedingungen Aufgaben zu schnellen Augenbewegungen gestellt: beim Sprechen, beim Zuhören und zur Kontrolle ohne Ablenkung. Die Teilnehmer wurden angewiesen, so schnell und genau wie möglich auf ein Ziel zu schauen, das in einer von acht Richtungen präsentiert wurde.

Bei allen Teilnehmern führte das Sprechen zu deutlichen Verzögerungen in drei wichtigen Komponenten des Blickverhaltens: der Zeit, die benötigt wurde,

  • um die Augenbewegung nach dem Erscheinen des Ziels zu initiieren (Reaktionszeit),

  • die benötigt wurde, um das Ziel zu erreichen (Bewegungszeit),

  • um den Blick auf das Ziel zu stabilisieren (Anpassungszeit).

Egal, ob direktes Gespräch oder Reden am Telefon

Das Problem spiele nicht nur bei Gesprächen mit anderen Insassen eines Autos eine Rolle, sondern auch bei der Nutzung von Freisprechanlagen, so die Forschenden. Beim Zuhören und ganz ohne akustische Ablenkung gab es den Effekt nicht. Offenbar ist es speziell die kognitive Anstrengung bei der Formulierung verbaler Antworten, die zulasten der Blicksteuerung geht, schließt das Team um Uehara.

Das Sprechen führe zu Verzögerungen in der frühesten Phase der visuellen Verarbeitung vor der Erkennung, Entscheidungsfindung oder Handlung, erläutert das Team. Für den Fahrer selbst seien sie nicht erkennbar und erschienen jede für sich genommen gering, sie könnten sich jedoch zu einer langsameren Erkennung von Gefahren und einer verzögerten Einleitung körperlicher Reaktionen summieren. Und im Zweifelsfall entscheide ein winziger Bruchteil einer Sekunde über den Ausgang einer gefährlichen Situation.

Sprechen sei nicht die einzige oder vorherrschende Ursache für verlangsamte körperliche Reaktionen am Steuer, betonen die Forschenden auch. Die Fahrleistung werde durch mehrere Faktoren beeinflusst, darunter allein schon die geteilte Aufmerksamkeit und die allgemeine Beeinträchtigung, wenn das Gehirn zwei anspruchsvolle Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen hat. Wichtig sei, dass sich Autofahrer des Risikos ausreichend bewusst seien und im Zweifelsfall lieber auf ein Gespräch verzichteten.

Quelle: ntv.de, Annett Stein, dpa

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