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Gehirn ohne TreibstoffSchränkt Fasten das Denkvermögen ein?

18.02.2026, 16:29 Uhr IMG-20190620-WA0006Von Jana Zeh
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Wer lange fastet, kann gedanklich manchmal sogar mehr Klarheit empfinden als vorher.

Die Fastenzeit beginnt. Viele Menschen wollen stunden- oder sogar tageweise auf Nahrung verzichten. Doch immer noch gibt es Vorbehalte. Eine immer wiederkehrende Frage lautet, ob man dabei geistig leistungsfähig bleibt. Eine Übersichtsarbeit gibt die Antwort.

Fasten schränkt bei gesunden Erwachsenen die kognitive Leistungsfähigkeit nicht ein - das hat ein Forscherduo durch eine Metaanalyse herausgefunden. Der Körper findet offenbar einen anderen Weg, um das Gehirn mit den nötigen Nährstoffen zu versorgen.

Für ihre Meta-Analyse haben die Psychologen David Moreau und Christoph Bamberg die Daten aus 71 unabhängigen Studien mit insgesamt 3484 Teilnehmenden ausgewertet. Die Forschungsergebnisse wurden zwischen 1958 und 2025 veröffentlicht und insgesamt kamen 222 verschiedene kognitive Messinstrumente zum Einsatz.

Bei der Auswertung der Daten zeigte sich ein eindeutiges Ergebnis bei den Erwachsenen: Zwischen den Fastenden und denen, die regelmäßig aßen, gab es keinen erkennbaren Unterschied in der kognitiven Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig brachte die Analyse drei wichtige Faktoren hervor, die die Auswirkungen des Fastens auf die Psyche beeinflussen können.

1. Das Alter beim Test: Zeigte sich bei den fastenden Erwachsenen kein messbarer Rückgang der geistigen Leistungsfähigkeit, schnitten Kinder und Jugendliche bei Tests schlechter ab, wenn sie eine oder sogar mehrere Mahlzeiten ausließen. Es scheint, dass die Gehirne von Heranwachsenden empfindlicher auf Schwankungen in der Energieversorgung reagieren als die von Erwachsenen. "Die Befunde stärken einmal mehr die altbekannte Empfehlung, Kinder nach einem ausgewogenen Frühstück zur Schule zu schicken", schreibt Moreau dazu.

2. Der Zeitpunkt der Tests: In der Auswertung der Daten sahen die beiden Forscher, dass es nach längeren Fastenperioden zu einem geringen Leistungsabfall bei den fastenden Erwachsenen kam. Die Forscher vermuten, dass dieser durch die Umstellung des Stoffwechsels von Glykogen auf Ketone geschieht. Dieser Prozess setzt zwei bis sieben Tage nach Fastenbeginn ein. Ein weiterer geringer Leistungsabfall wurde deutlich, wenn die Tests später am Tag durchgeführt wurden. Es ist den Forschern zufolge möglich, dass das Fasten die natürlichen Schwankungen der inneren Uhr verstärkt.

3. Die Art der Tests: Bei Aufgaben mit neutralen Symbolen oder Formen schnitten fastende Personen genauso gut und manchmal sogar etwas besser ab als diejenigen, die normal gegessen hatten. Sobald sich die Aufgaben jedoch auf Essen bezogen, zeigten die Fastenden Schwächen und waren leichter ablenkbar.

"Entgegen weitverbreiteter Annahmen über die negativen Auswirkungen des Fastens auf die geistige Leistungsfähigkeit ergab die Metaanalyse keine konsistenten Belege für eine Leistungsminderung über ein breites Spektrum unterschiedlicher Aufgaben und Fastendauern hinweg", fassen die Forscher ihre Ergebnisse im "Psychological Bulletin" zusammen. Letztendlich solle Fasten eher als persönliches Hilfsmittel denn als allgemeingültige Empfehlung betrachtet werden. Vorteile und Herausforderungen sähen von Person zu Person unterschiedlich aus, schließt Moreau.

Quelle: ntv.de

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