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Hoffen auf Sommer-Effekt Sonnenlicht soll Coronavirus schnell töten

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Wissenschafts-Berater William Bryan (li.) präsentiert die neuen Erkenntnisse zum Coronavirus bei einem gemeinsamen Briefing mit US-Präsident Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Die Anzahl vieler Virenarten geht in nördlichen Breiten im Sommer zurück. Bleibt die Frage, ob auch die Coronavirus-Pandemie durch steigende Temperaturen und Sonnenschein eingedämmt wird. Die US-Regierung präsentiert eine neue Studie, die Hoffnung macht. Doch es bleiben Zweifel.

Viele Infektionskrankheiten kommen und gehen mit den Jahreszeiten. Grippeviren beispielsweise tauchen vermehrt in den Wintermonaten auf, ebenso wie Noroviren. Im Sommer hingegen geht die Zahl der Infektionskrankheiten mit Viren in der nördlichen Hemisphäre zurück. Auch das Auftauchen anderer menschlicher Coronaviren, Verwandte von Sars-CoV-2, schwankt je nach Jahreszeit, wie Forscher laut einer Studie aus dem Jahr 2010 herausfanden. Von vier bereits seit Längerem in der menschlichen Bevölkerung vorkommenden Coronaviren zeigten drei einen Schwerpunkt zwischen Dezember und April - und waren im Sommer nicht mehr auffindbar.

Könnte der nahende Sommer also auch die aktuelle Coronavirus-Pandemie eindämmen? Befeuert wird diese Hoffnung vom Weißen Haus in Washington: Wissenschaftler der US-Regierung hätten in einem Experiment beobachtet, dass UV-Strahlen das Coronavirus Sars-CoV-2 schnell töteten, sagte William Bryan, Wissenschafts- und Technologieberater des Heimatschutzministeriums, bei einem gemeinsamen Briefing mit US-Präsident Donald Trump.

Die Experimente mit UV-Strahlen, erhöhter Temperatur und Luftfeuchtigkeit fanden laut Bryan im Nationalen Zentrum für die Analyse von Bio-Verteidigung und Gegenmaßnahmen im US-Bundesstaat Maryland statt. Gemessen wurde dabei jeweils die Halbwertzeit des Virus, die aussagt, nach welchem Zeitraum nur noch die Hälfte der behandelten Viren intakt ist. Wie Bryan anhand einer Grafik demonstrierte, sank die Halbwertszeit von Sars-CoV-2 von 18 Stunden auf eine Stunde, wenn die Umgebungsluft von Zimmertemperatur auf etwa 35 Grad Celsius erhöht wurde und die Luftfeuchtigkeit von 20 auf 80 Prozent. Das Virus war dafür auf glatten Oberflächen wie Türgriffen aufgetragen und von Sonnenlicht abgeschottet worden.

Virus stirbt bei Sonnenlicht am schnellsten

Wurde hingegen Sonnenlicht hinzugefügt, sank die Halbwertzeit der Viren bei Raumtemperatur und einer Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent dramatisch von sechs Stunden auf nur noch zwei Minuten, so Bryan. Auch der Einfluss auf in Tröpfchen in der Luft schwebende Viren wurde unter dem Einfluss der Elemente gemessen. Zusammenfassend erklärte Bryan: "Das Virus stirbt am schnellsten bei direkter Sonneneinstrahlung." Besonders UV-Strahlung habe dabei einen großen Einfluss.

Diese Ergebnisse sind allerdings noch mit Zweifeln behaftet: Denn die Untersuchung wurde bislang nicht veröffentlicht und muss noch von anderen Wissenschaftlern in einem sogenannten Peer-Review-Verfahren bewertet werden. Eine Schlüsselfrage dabei ist, welche Intensität und Wellenlänge das UV-Licht hatte und ob das Experiment die natürlichen Lichtverhältnisse im Sommer korrekt abbildete.

RKI bleibt skeptisch

Bereits andere Forschungsarbeiten hatten einen Einfluss von Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf Sars-CoV-2 nahegelegt - eine Studie aus China etwa hatte einen Rückgang der Covid-19-Fälle bei steigenden Temperaturen festgestellt. Weitere, allerdings noch nicht in Fachmagazinen veröffentlichte und geprüfte Studien in 320 Regionen in 116 Ländern und zu mehr als 500 Orten in der ganzen Welt kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

Doch es gibt auch andere Tatsachen, welche die Sommer-Hoffnung enttäuschen könnten: So wies der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade, auf Nachfrage von ntv.de darauf hin, dass etwa das Auftauchen von Covid-19-Fällen auf der zuletzt noch sommerlich warmen Südhalbkugel dagegen spreche. Zwar bestehe die Möglichkeit, dass das Virus durch Wärme und UV-Strahlung deaktiviert werde, so Schaade. "Aber das weiß heute niemand." Und selbst wenn dies zutreffe, glaubt der RKI-Vizepräsident, dass dieser Effekt nicht "ganz groß" sein werde.

Quelle: ntv.de