Wirkstoff in AbnehmspritzenStören GLP-1-Medikamente Geschmacks- und Geruchssinn?

GLP-1-Wirkstoffe erlangen als Abnehmhilfen große Popularität. Doch sie werden schon länger als Diabetes-Medikamente eingesetzt und könnten bei einigen Anwendern zu bisher nicht bekannten Nebenwirkungen führen.
GLP-1-Medikamente, mit Wirkstoffen wie Semaglutid, könnten bei Menschen mit Diabetes Typ 2 negativen Einfluss auf den Geschmacks- und den Geruchssinn haben. Das hat ein Forschungsduo von der Hebrew University of Jerusalem herausgefunden. Auch wenn die bisher nicht bekannten Nebenwirkungen selten auftreten, gebe es die Notwendigkeit einer engmaschigeren Überwachung und einer verstärkten Sensibilisierung der Öffentlichkeit für dieses Thema, schreiben Jonathan Zontag und Nir Zontag zu ihren Ergebnissen, die im Fachjournal "JAMA Otolaryngology - Head Neck Surgery" veröffentlicht wurden.
Für die Studie analysierten die beiden Forscher die Daten von rund 439.000 Patienten und Patientinnen mit Diabetes Typ 2, die mit einem GLP-1-Medikament behandelt wurden. Diesen stellten sie eine ähnlich große Kontrollgruppe mit vergleichbaren Parametern gegenüber, die allerdings ein anderes Diabetes-Medikament einnahmen. Das Durchschnittsalter lag bei rund 57 Jahren. Alle Studienteilnehmenden waren von Dezember 2017 bis April 2026 in einem Programm, an dem 170 Gesundheitseinrichtungen beteiligt waren. Die Nachbeobachtungszeit lag zwischen drei Monaten und zwei Jahren.
Teilweiser oder vollständiger Verlust von Geschmack oder Geruch
Bei der Auswertung der Daten sahen die Forscher: In beiden Gruppen war die Häufigkeit neu aufgetretener Geruchs- oder Geschmacksstörungen gering. Dennoch zeigte sich, dass das Risiko, eine solche Störung zu entwickeln, bei den GLP-1-Anwendern um 48 Prozent höher war als bei denen mit einem anderen Diabetes-Medikament. Die Geschmacks- und Geruchsstörungen reichten von teilweisem bis zum vollständigen Verlust des Sinnes.
Das Glucagon-Like-Peptide-1, kurz GLP-1, ist ein Darmhormon, das im Gehirn als zentraler Appetit- und Stoffwechselregulator wirkt. Die GLP-1-Medikamente werden oft auch als GLP-1-Rezeptoragonisten bezeichnet. Das bedeutet: Sie ahmen die Wirkung des körpereigenen GLP-1 nach und docken im Gehirn dort an, wo Appetit- und Sättigung reguliert werden. So werden Appetit und Hungergefühl gedämpft, Verdauung und Blutzucker reguliert und das Sättigungsgefühl hält länger an.
GLP-1 im Gehirn und der Riechkolben
Die Forscher gehen davon aus, dass ihre Ergebnisse im Einklang mit den Erkenntnissen über GLP-1 stehen. Da das Hormon hauptsächlich im Darm, aber auch an zwei Stellen im Nervensystem gebildet und dort ausgeschüttet wird. Dabei handelt es sich um den sogenannten Nucleus tractus solitarii (NTS): Einem Kerngebiet im Hinterhirn, das wichtige Sättigungs- und vegetative Signale verarbeitet. Und um Bulbus olfactorius: Den Riechkolben, der für die Verarbeitung von Geruchsinformationen zuständig ist.
Auch wenn durch die Untersuchung nicht belegt werden kann, dass die Einnahme von GLP-1-Medikamenten ursächlich für die Beeinträchtigung von Geschmacks- oder Geruchssinn ist, liefert sie doch einen Hinweis auf die Möglichkeit zum Auftreten dieser Nebenwirkungen. "Obwohl das absolute Risiko gering ist, sollten Ärzte und Patienten sich dieser möglichen sensorischen Veränderungen bewusst sein, da sie sich auf die Essgewohnheiten, die Ernährung und die Lebensqualität auswirken können", wird Zontag bei Gizmodo zitiert. Je früher solche Probleme erkannt würden, desto größer sei die Chance, dass Behandlungen wie ein Riechtraining den Geruchs- und Geschmackssinn wiederherstellen könnten.