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Kassen übernehmen Kosten Terapi.de schafft Wartezeiten ab

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Online-Therapien können einen Ausweg aus psychischen Notlagen bieten.

imago/Science Photo Library

Es gibt eine lange Liste von Online-Angeboten, die versprechen, psychische Leiden wirksam zu therapieren. Doch nicht alle sind seriös. Ein Präventionsangebot ist nun erstmals zertifiziert worden.

Menschen, die sich entscheiden, professionelle Hilfe von einem Psychiater oder Psychotherapeuten anzunehmen, haben einen großen Leidensdruck und hoffen deshalb auf schnellen Beistand. Doch oftmals wird diese Erwartung enttäuscht. Schon die Kontaktaufnahme zu einem Experten gestaltet sich vielerorts schwierig. "Wir sind voll", lautet eine weitverbreitete Antwort aus den Praxen oder es wird ein Termin angeboten, der monatelange Geduld voraussetzt – und das in einer schwierigen Situation.

Einen Ausweg aus dieser Misere könnten Online-Therapien bieten, denn sie sind, eine Internetverbindung vorausgesetzt, jederzeit und überall verfügbar. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sie helfen können, damit sich aus einer unspezifischen psychischen Belastung keine gravierende Störung entwickelt. Das Problem: Das Angebot im Internet ist breit. Hilfesuchende können nur schwer seriöse Seiten von "schwarzen Schafen" unterscheiden. Eine präventive Onlinetherapie hat nun als erste in Deutschland alle gesetzlichen Qualitätsanforderungen erfüllt und ist von der Zentralen Prüfstelle Prävention, einer Kooperationsgemeinschaft der Krankenkassen, zertifiziert worden.

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Startseite von terapi.de: Im ersten Schritt sollen sich Hilfesuchende einem Online-Selbsttest unterziehen.

An dem Programm terapi.de und dessen Umsetzung haben 12 Fachleute drei Jahre lange gearbeitet. Unter ihnen der Psychotherapeut Dr. Christian Lüdke. Für ihn liegen die Vorteile des Angebots klar auf der Hand: "Betroffene können nach der Anmeldung sofort mit dem Programm starten, müssen weder Wartezeiten überbrücken noch Termine einhalten. Darüber hinaus fällt die Hemmschwelle, sich persönlich zu zeigen, weil die Anonymität der Anwender gewahrt bleibt", erklärt Lüdke, der heute Geschäftsführer der terapon Consulting GmbH ist, im Gespräch mit n-tv.de.

Mehr in Richtung Angst oder Depression

In einem ersten Schritt sollen sich Hilfesuchende einem Online-Selbsttest unterziehen. Die 14 Fragen, die Wissenschaftler entwickelt haben, können klären, ob die Gefahr besteht, entweder Angst oder eher depressive Symptome zu entwickeln. Terapi.de bietet entsprechend zwei Module an. "Mit dem Modul 'Energievolle Wachheit' können Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten, Freudlosigkeit, Müdigkeit, aber auch Erschöpfungszustände gut bearbeitet werden", erläutert Lüdke. Mit dem Modul "Kraftvolle Gelassenheit" könne man Stress, innere Unruhe aber auch Angstzustände in den Griff bekommen, so der Therapeut weiter.

Die Aufgaben, die der Teilnehmer bekommt, sollten über einen Zeitraum von zwölf Wochen bearbeitet werden. Man benötigt zwischen ein bis zwei Stunden pro Woche Zeit dafür. Parallel dazu gibt es einen Kontakt über E-Mail zu einem erfahrenen  Psychotherapeuten, der eventuell auch die Diagnose am Ende der zwölf Wochen stellt, Therapievorschläge macht oder bei Bedarf an niedergelassene Kolleginnen oder Kollegen vermittelt. "Es ist aber auch möglich, über die 12 Wochen hinaus weiterzumachen", so Lüdke. Wird das gewünscht, dann sollte man sich direkt bei terapi.de oder bei seiner Krankenkasse beraten lassen.

Die Kosten von 290 Euro bei Anmeldung werden vollständig oder anteilig von allen Krankenkassen übernommen, die bei der Zentralen Prüfstelle Prävention vereint sind. Wie bei jedem anderen Präventionsprogramm auch müssen diese zunächst bei Anmeldung vom Teilnehmer vorgestreckt werden. Der Teilnehmer muss nachweisbar mindestens 80 Prozent der Aufgaben erledigt haben, um die Zahlung von der Krankenkasse bekommen zu können. Welche Krankenkasse bei der Zentralen Prüfstelle Prävention dabei ist, erfährt man auf deren Seite. Wie viel die Krankenkasse zurückzahlt, sollten Versicherte direkt erfragen.

Quelle: n-tv.de

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