Wissen

Vögel mit Lungenentzündungen Ursache für Blaumeisensterben gefunden

imago82672649h.jpg

Wer im Garten oder Park eine tote oder kranke Blaumeise findet, sollte diese dem Nabu melden.

(Foto: imago/Photocase)

Ungewöhnlich viele Blaumeisen sterben in Deutschland an einer rätselhaften Krankheit. Sie hocken am Boden und zeigen Symptome, die sich zunächst nicht einordnen lassen. Doch nun kann der Verursacher benannt werden. Um die Ausbreitung aufzuhalten, sollen Bürger kranke und tote Tiere beim Nabu melden.

Die Ursache der mysteriösen Krankheit, der bereits Tausende Meisen zum Opfer gefallen sind, ist gefunden. Es handelt sich um eine Infektion mit Bakterien, die Suttonella ornithocola heißen. Die meisten Tiere, die sich damit anstecken, bekommen eine Lungenentzündung und sterben. Das haben Laboruntersuchungen ergeben, teilt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mit und bezieht sich unter anderem auf Angaben des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves).

Menschen und andere Tiere sind demnach nicht durch das Bakterium gefährdet. Dennoch sollte man vorsichtig sein, wenn man einen toten Vogel findet. Dieser könnte auch an einer anderen infektiösen Krankheit gestorben sein. Zudem sollten Futterstellen und Vogeltränken abgebaut werden, wenn in der Nähe tote Vögel liegen. Nur so könnten gesunde Tiere vor der hoch ansteckenden Erkrankung geschützt werden. Über den Infektionsweg ist bisher wenig bekannt. Denkbar sind Infektionen über in der Luft schwebende kleinste Tröpfchen, die sogenannten Aerosole, aber auch über die Sekrete der Tiere.

Bisher 26.000 tote Tiere gezählt

Innerhalb der vergangenen 12 Tage wurden bisher 13.800 Fälle beim Nabu gemeldet, an denen rund 26.000 tote Vögel beteiligt waren. Den Umweltschützern zufolge trifft die Infektion vor allem kleine Meisenarten. Dabei handelt es sich vor allem um Blaumeisen, weil diese in deutschen Gärten am häufigsten vorkommen, so die Erklärung. In einzelnen Fällen waren allerdings auch Kohlmeisen und andere kleine Singvögel davon betroffen, erklärt der Nabu in seiner Meldung. Eine deutliche Häufung der Fälle werden in Rheinland Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen registriert. Aber auch in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg gibt es bereits eine Reihe von gemeldeten Tieren.

Erkrankte Vögel kann man daran erkennen, dass sie oftmals apathisch und aufgeplustert am Boden sitzen. Zudem zeigen sie sich handzahm. Beobachtet wurde außerdem, dass Augen, Schnabel und Teile des Federkleides verklebt sind. Die Tiere fressen nicht mehr und machen den Eindruck, als könnten sie nicht mehr schlucken. Bei manchen entsteht der Eindruck, sie hätten unstillbaren Durst.

Nabu bittet um Mithilfe

Um die Ausbreitung und den Verlauf der Erkrankung besser zu verstehen, bittet der Nabu um die Meldung erkrankter und verstorbener Vögel über das Online-Formular. In Einzelfällen könnten auch Proben oder Fotos der Tiere eingeschickt werden. Dazu stellt die Umweltschutzorganisation besondere Informationen zur Verfügung.

Suttonelle ornithocola ist ein Bakterium, das zum ersten Mal im Frühjahr 1996 in England und Wales ein massives Meisensterben ausgelöst hatte. 2018 wurde es erstmals in Nordrhein-Westfalen entdeckt. Infizierte Tiere bekamen eine Lungenentzündung. In Einzelfällen wurden auch Erkrankungen des Darms festgestellt.

Quelle: ntv.de