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Ursachen für geistige FitnessWas in Gehirnen von "Super-Agern" anders sein könnte

27.03.2026, 19:15 Uhr
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Wer rastet, der rostet! Das gilt auch für das Gehirn. (Foto: IMAGO/HalfPoint Images)

Lange Zeit gingen Fachleute davon aus, dass sich die Nervenzellen im Gehirn nicht erneuern. Doch der wissenschaftliche Blick in die Hirnzellen von sogenannten Super-Agern liefert Hinweise darauf, dass es bei manchen Menschen anders sein könnte.

Im Gehirn von sogenannten Super-Agern gibt es eine erhöhte Anzahl von Stammzellen im Hippocampus und damit Hinweise auf die fortwährende Bildung neuer Nervenzellen. Das hat ein Forschungsteam durch verschiedene Untersuchungen an Gehirnen herausgefunden. Als Super-Ager werden Menschen bezeichnet, die auch im hohen Alter von 80 Jahren und mehr die geistigen Fähigkeiten von 50-Jährigen besitzen. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht.

Für die Untersuchung sahen sich die Forschenden um Orly Lazarov von der University Chicago die Gehirne von Menschen in verschiedenen Altersklassen und mit verschiedener geistiger Fitness an. Dabei waren auch sechs Hirne von Verstorbenen, die über 80 Jahre alt waren und bis zu ihrem Tod keine kognitiven Einschränkungen aufwiesen. Es zeigte sich, dass einige Regionen des Gehirns neuronale Stammzellen enthalten, aus denen sich neue Neuronen entwickeln können. Dies scheint insbesondere in den Hippocampi der Fall zu sein, also den Teilen im Gehirn, die eine zentrale Rolle bei der Speicherung von Gedächtnisinhalten haben.

Zur Kontrolle wurden acht Gehirne von Menschen, die im Alter zwischen 20 und 40 Jahren verstorben sind und kognitiv unauffällig waren, herangezogen. Mit genetischen und epigenetischen Verfahren konnten die neuronalen Stammzellen von reifen Neuronen unterschieden werden.

Hinweise auf Neubildung von Nervenzellen

In einem nächsten Schritt wurden genetische und epigenetische Untersuchungen an Hirnzellen von sechs verstorbenen Erwachsenen durchgeführt, die erste Anzeichen von kognitiven Schwächen zeigten, und von zehn Personen, bei denen bereits Alzheimer diagnostiziert worden war. Es zeigte sich, dass es mit zunehmendem Alter zu Veränderungen bei den Stammzellmarkern kam. Diese hängen, den Forschenden zufolge, stärker mit der Epigenetik als mit der Genetik zusammen. Epigenetik ist ein Steuerungsprogramm in den Zellen, das entscheidet, wie Gene an- oder ausgeschaltet werden, ohne dass sich die eigentliche DNA-Sequenz verändert. Dieses Steuerungsprogramm wird auch durch äußere Einflüsse wie Ernährung oder Stress beeinflusst.

Konkret fanden die Forschenden in den Hippocampi von Super-Agern zweieinhalbmal so viele Stammzellen wie bei Menschen mit Alzheimer. Das könnte eine mögliche Erklärung für die Neubildung von Nervenzellen aus Stammzellen bei Super-Agern und die daraus folgende kognitive Fitness sein. Bei Menschen mit Demenz beziehungsweise Alzheimer scheint die Neubildung von Nervenzellen hingegen deutlich nachzulassen.

Auch wenn das Forschungsteam tief in die Hirnzellen geschaut und insgesamt 355.997 Zellkerne analysiert hat, sollten die Ergebnisse der Untersuchungen mit Vorsicht interpretiert werden. Denn nicht nur die Anzahl der untersuchten Gehirne, sondern auch der ermittelte Anteil der Stammzellen an allen Zellen war mit 0,01 Prozent sehr gering. Mit diesem Anteil lässt sich zum heutigen Zeitpunkt nicht erklären, wie sich neue Neuronen entwickeln können.

Quelle: ntv.de, jaz

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