Wissen

Nicht nur Zeitvertreib Viele Jugendliche lernen mit Youtube-Videos

121016092.jpg

Youtube wird von vielen Jugendlichen genutzt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Besonders bei jungen Menschen ist Youtube beliebt. Wie eine aktuelle Studie zeigt, dient die Videoplattform aber nicht nur der Unterhaltung, sondern auch als Lernhilfe. Bildungsministerin Karliczek rät bei der Nutzung jedoch zur Vorsicht.

Das viel diskutierte Anti-CDU-Video von Rezo hat es noch einmal deutlich gemacht: Über Youtube können in kürzester Zeit Millionen Menschen erreicht werden - vor allem junge. Die Videoplattform dürfte eine der meistgenutzten Apps auf den Smartphones von Kindern und Jugendlichen sein. Aber nicht nur Eltern fragen sich wahrscheinlich oft: Was schauen die sich da eigentlich an? Der Rat für Kulturelle Bildung, ein von verschiedenen Stiftungen finanziertes Beratungsgremium, hat das repräsentativ untersuchen lassen.

Eltern dürfen aufatmen: Viele Kinder suchen auf Youtube auch gezielt Inhalte, um sich schlau zu machen. Der Studie zufolge kommt Youtube bei 12- bis 19-Jährigen bei der Nutzung gleich an zweiter Stelle nach Whatsapp und landet noch vor Instagram, Facebook oder Snapchat. 86 Prozent sagen, dass sie Youtube nutzen (Whatsapp 92 Prozent, Facebook 61, Instagram 61, Snapchat 46). Dabei kommt es zwar den meisten Jugendlichen, die Youtube nutzen, darauf an, dass die Videos "unterhaltsam" (63 Prozent) und "witzig" (59 Prozent) sind. Trotzdem ist es für die Kids nicht nur eine Spaß-Plattform zum Zeitvertreib.

Youtube als Nachhilfelehrer

Fast jeder zweite junge Youtube-Nutzer (47 Prozent) sagt auch, die Clips seien wichtig oder sogar sehr wichtig bei Schulthemen. Die meisten davon nutzen die Plattform für Hausaufgaben, oder um sich Dinge erklären zu lassen, die sie im Unterricht nicht verstanden haben. Zudem zeigt die Umfrage Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Youtube-Videos und dem Interesse für bestimmte Hobbys und für kreative Tätigkeiten. Mädchen, die auf der Videoplattform unterwegs sind, werden vor allem von Tanz- und Choreographie-Videos dazu animiert, dann auch selbst mit dem Tanzen anzufangen (40 Prozent). Bei Jungen sind es Computerspiele: 38 Prozent derjenigen die sich dafür interessieren - und das ist die große Mehrheit der Befragten - sagen, Youtube-Videos über Games stärken mein Interesse an Games noch mehr. Solche Effekte sind auch zu sehen bei den Themen Singen und Musizieren, Film und Fotografie oder Zeichnen und Malen.

Die Studie zeigt nach Einschätzung des Rats für Kulturelle Bildung, dass Youtube die Bildungslandschaft im Ganzen berührt und verändere. "Man kann, wenn man das Medium schulseitig bewusst einsetzt, Unterricht anders aufbauen und auf diese Weise mehr Platz für individuelle Fragen und für Reflexion im Unterricht finden", sagt der Vorsitzendes des Expertengremiums, Eckart Liebau.

Karliczek rät zum Hinterfragen

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek rät mit Blick auf die Studie zu einer gesunden Skepsis bei der Nutzung von Youtube-Videos. Karliczek sagte Lehrer, Eltern und Schüler müssten immer hinterfragen, ob die Informationen in den Videos tatsächlich zutreffend sind. "Videos werden als Wissensquelle immer beliebter, weil Wissen in Videos oft sehr anschaulich vermittelt wird", sagte die CDU-Politikerin. Die Schulverantwortlichen müssten den Schülern beibringen, wie sie nutzbringend, aber auch kritisch mit Informationen daraus umgingen.

Die Studie zur Youtube-Nutzung zeigt neben den Fragen zur inhaltlichen Nutzung auch, wie Kinder und Jugendliche auf Videos bei Youtube stoßen. Mehr als die Hälfte der Nutzer (53 Prozent) sucht gezielt nach Inhalten, gut jeder Dritte (36 Prozent) klickt sich durch Vorschläge, die von Youtube selbst angezeigt werden und 12 Prozent gehen bei Youtube immer zuerst auf Channels, die sie abonniert haben. Fast jedem (91 Prozent) sind Tipps von Freunden, Bekannten oder Mitschülern wichtig bei der Auswahl von Youtube-Videos. Das dürfte zumindest zum Teil erklären, warum sich bestimmte Videos in bestimmten Gruppen rasend schnell verbreiten.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

Mehr zum Thema