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Geflügel muss im Stall bleiben Vogelgrippe rafft Tiere am Plöner See dahin

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Eine tote Reiherente am Ufer der Prinzeninsel in Plön.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vogelgrippe in Schleswig-Holstein: Für das Sterben von mehr als 200 Vögeln an Seen bei Plön ist das Virus H5N8 verantwortlich. Auch aus Süddeutschland und Nachbarländern werden Vogelgrippe-Fälle gemeldet. Experten bereitet das große Sorgen.

Eine gefährliche Form der Vogelgrippe ist in Schleswig-Holstein ausgebrochen. Landwirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen erließ im ganzen Bundesland eine Stallpflicht für sämtliches Geflügel. Betroffen sind rund 12.000 Geflügelhalter mit fast fünf Millionen Hühnern, Puten, Enten oder Gänsen. Dies sei ein harter Eingriff, sagte Habeck. "Aber der Ausbruch in einem Bestand hätte noch gravierendere Folgen." Bei einem Befall müsste ein Bestand komplett gekeult werden. Auch aus Polen, Kroatien, Ungarn und am Bodensee wurden Vogelgrippe-Fälle gemeldet. Unklar ist, ob es einen Zusammenhang zwischen den Ausbrüchen gibt.

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Unangenehme, aber notwendige Aufräumarbeiten.

(Foto: dpa)

Im Kreis Plön in Schleswig-Holstein wurde bei toten Wildvögeln Vogelgrippe festgestellt. Das Veterinäramt richtete einen Sperrbezirk von mindestens drei und ein Beobachtungsgebiet von mindestens weiteren sieben Kilometern um die Fundstellen der Wildvögel ein. Insbesondere an toten Reiherenten, aber auch Blässhühnern, Schwänen, Gänsen sowie Möwen an mehreren Plöner Seen wurde erstmals in Schleswig-Holstein der Geflügelpest-Erreger des Subtyps H5N8 nachgewiesen. Das bestätigte das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Ostseeinsel Riems in Mecklenburg-Vorpommern.

"Das akute Krankheitsgeschehen bei den Wildvögeln ist in dieser massiven Ausprägung besorgniserregend", sagte Habeck. Angesichts der akuten Vogelgrippe-Fälle in Polen, Kroatien, Ungarn und am Bodensee sehe er ein großes Krisenszenario. Es bestehe der Verdacht, dass es sich um den gleichen Erreger handeln könnte, auch wenn das Ergebnis vom Bodensee noch ausstehe. In Polen ist es der gleiche Erreger. Das polnische Veterinäramt schloss einen Zusammenhang zu den jüngst entdeckten Vogelgrippe-Fällen in Deutschland nicht aus.

Unkontrollierbares Ausbreiten

Das Ausbreiten des Virus durch Zugvögel sei nicht zu kontrollieren. Auf die Frage, ob er eine bisher nicht dagewesene Dimension der Vogelgrippe befürchte, antwortete Habeck: "Ja, die Sorge ist da." Es handelt es sich um eine Geflügel stark krankmachende Variante, die deswegen auch Geflügelpest genannt wird. Bei fast jedem untersuchten Kadaver sei das Virus festgestellt worden, ergänzte ein Experte des Ministeriums. Sämtliche zu untersuchenden Kadaver waren per Kurierdienst schnellstmöglich zum FLI gebracht worden.

Seit dem Wochenende wurden mehr als 200 tote Vögel im Großen Plöner See und angrenzenden Seen entdeckt. Mit Mundschutz und Gummihandschuhen geschützte Mitarbeiter der örtlichen Stadtwerke bargen etwa 50 weitere Kadaver. Die Situation ändere sich ständig, sagte ein Experte des Ministeriums. Die Entwicklung sei nicht absehbar. Sollten weitere Kadaver aus anderen Seen ebenfalls belastet sein, müssten die Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete ausgeweitet werden. Das Risiko für Menschen durch den H5N8-Erreger gilt als sehr gering. "Infektionen des Menschen mit H5N8 Viren sind bislang nicht bekannt", zitierte Habeck das Bundesinstitut für Risikobewertung. "Eine Übertragung des Erregers (H5N8) über infizierte Lebensmittel ist theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich."

Aus den Sperrbezirken dürfe 21 Tage und aus Beobachtungsgebieten 15 Tage Geflügel nicht gebracht werden. Auch der Handel in den Bezirken sei verboten. Die Bestände im Sperrbezirk müssen zudem regelmäßig untersucht werden. Außerdem müssen Proben genommen werden und es gelten strenge Maßnahmen etwa zu Stallhygiene und Desinfektion. Das landesweite Aufstallungsgebot begründete Habeck damit, dass verschiedene Wildvogelarten betroffen sind, die nicht nur am Wasser bleiben. Der Geflügelwirtschaftsverband Schleswig-Holstein und Hamburg begrüßte das landesweite Aufstallungsgebot, "wenngleich diese Maßnahme kontinuierlich auf Basis der sich stets ändernden Risikoabschätzung überprüft werden sollte".

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) Schleswig-Holstein appellierte, Wildvögel nicht einseitig als Ursache in den Fokus zu rücken. "Die Erfahrungen bei den vergangen Fällen von Vogelgrippe haben gezeigt, dass die größten Infektionsherde häufig rund um die industriellen Geflügelhaltungen zu finden waren", sagte Ole Eggers, Bund-Landesgeschäftsführer in Schleswig-Holstein. Die Übertragungswege müssten unvoreingenommen aufgeklärt werden. Zuletzt traten im Winter 2014 Fälle der Vogelgrippe H5N8 in Deutschland auf. Damals waren vor allem Mastbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, aber auch in den Niederlanden betroffen. Als wahrscheinlichster Übertragungsweg wurden 2014 laut Bund die internationalen Handelsströme, insbesondere zu den Massentierhaltungsanlagen in Asien, identifiziert.

Quelle: n-tv.de, jaz/jwu/tno/AFP/dpa