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Verstopfung im OrbitWarum Astronauten im All nicht gut "groß" können

24.08.2026, 15:47 Uhr
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Die Mikrogravitation auf der ISS führt offenbar zu Problemen beim Stuhlgang. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Raumfahrer leiden häufig unter Verstopfung, das ist lange bekannt. Aber was ist der Grund dafür? Ein Forschungsteam findet nun im Blut von ISS-Astronauten auffällige Stoffwechselprodukte. Für lange Reisen zum Mars könnte das ernste Folgen haben.

Bekannt ist, dass bei Astronauten in der Schwerelosigkeit die Muskeln schrumpfen und die Knochen an Dichte verlieren. Weniger verbreitet ist jedoch, dass Raumfahrerinnen und Raumfahrer auch unter Verstopfung leiden. Ein Forschungsteam findet nun Hinweise darauf, was im Weltraum beim Stuhlgang schieflaufen könnte. Diese Erkenntnisse sind womöglich auch für lange Weltraum-Missionen wie etwa zum Mars wichtig.

Ein Forschungsteam stellt in untersuchten Blutproben von 52 Astronautinnen und Astronauten, die mehrere Monate auf der Raumstation ISS verbrachten, auffällige Veränderungen fest: Bestimmte Stoffwechselprodukte, kleine Molekülen, die verraten, was im Körper vor sich geht, tauchten plötzlich häufiger im Blut auf. Ein Hinweis, dass "Darmbakterien bereits innerhalb von Wochen nach der Ankunft der Astronauten im Weltraum beginnen, Proteine in größerem Umfang als gewöhnlich zu verstoffwechseln", sagte Co-Erstautorin der Studie Giorgia La Barbera von der Universität Kopenhagen, laut einer Mitteilung.

Darmbakterien bauen vor allem Ballaststoffe ab, man spricht von Fermentierung. Sie wenden sich erst Proteinen zu, wenn Ballaststoffe knapp werden. Dies sei keine Anomalie und komme bei vielen Menschen auf der Erde vor, so die Autoren. Allerdings würden die Abbauprodukte von Proteinen oft mit negativen gesundheitlichen Folgen in Verbindung gebracht, so Lars Ove Dragsted, leitender Autor der Studie. Mögliche Folgen: Nierenschäden, Beeinträchtigung der Stimmung oder eine verminderte Konzentrationsfähigkeit.

"Die Schwerelosigkeit im Weltraum führt wahrscheinlich dazu, dass die Nahrung langsamer durch den Darm wandert", so Mitautor Henrik Roager. "Dies könnte auch dazu beitragen, die Verstopfung bei Astronauten zu erklären." Darmbakterien könnten also mehr Zeit haben, die Nahrung zu zersetzen. Dabei könnten jene gesundheitlich bedenklichen Stoffwechselprodukte entstehen, welche die Forscher im Blut der Astronauten gefunden haben.

Gegenmaßnahmen bei Mars-Reisen

"Wenn wir längere Reisen ins All planen - zum Beispiel zum Mars -, könnten Gegenmaßnahmen erforderlich sein, um die negativen Auswirkungen der Raumfahrt auf den Darm abzumildern", betonte Forscherin La Barbera. Mögliche Maßnahmen könnten eine erhöhte Ballaststoffzufuhr, die Einnahme von Präbiotika oder andere Behandlungsformen sein, welche die Bewegung des Darms fördern und die Darmpassagezeit verkürzen.

Auch für Patienten auf der Erde könnten die Erkenntnisse von Nutzen sein: "Dieses Wissen kann man nutzen, um bettlägerigen Patienten zu helfen", so Dragsted. "Auch sie leiden unter Verstopfung und weisen wahrscheinlich eine verstärkte Proteinfermentierung auf, die ihren Gesundheitszustand verschlimmern kann." Die Studie ist im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlicht worden.

Quelle: ntv.de, kst

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