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Phänomen der "durstigen Luft" Warum Wälder immer häufiger brennen werden

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Abholzung, Brände und die schnelle lokale Erwärmung beeinträchtigen die Fähigkeit des Amazonas-Regenwaldes, Kohlendioxid zu binden.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Weltweit gehen immer häufiger ganze Waldgebiete in Flammen auf. Das hat verheerende Folgen für Mensch und Umwelt. Welche Rolle dabei der Klimawandel spielt, untersucht ein australisches Forschungsteam - und zeichnet eine düstere Zukunft.

660.000 Hektar, umgerechnet fast 100.000 Fußballfelder: So viel Waldfläche ging dieses Jahr in Flammen auf - allein in Europa. Durch den voranschreitenden Klimawandel steigt weltweit die Gefahr von Waldbränden. Ohne wirksame Klimaschutzmaßnahmen werden die Wälder auf allen Kontinenten bis zum Ende des Jahrhunderts an mindestens 30 zusätzlichen Tagen im Jahr leicht entflammbar sein, warnen nun australische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Für ihre Studie, die in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlicht wurde, wertete das Forschungsteam um Hamish Clarke Satellitendaten der letzten 20 Jahre aus. Dabei untersuchten sie den Zusammenhang zwischen Waldbränden und dem Dampfdruckdefizit (Vapor Pressure Deficit, VPD). VPD bezeichnet die Fähigkeit der Atmosphäre, lebenden und toten Pflanzen Feuchtigkeit zu entziehen. Die Forscherinnen und Forscher beschreiben das als "durstige Luft".

Das Ergebnis: Waldbrände werden in vielen Regionen ab einem bestimmten Schwellenwert des Dampfdruckdefizits sehr viel wahrscheinlicher. Sollte die Menschheit weiterhin unvermindert Treibhausgasemissionen freisetzen, wird sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts voraussichtlich um etwa 3,7 Grad Celsius erwärmen. Bei diesem Szenario mit hohen Emissionen gibt es der Studie zufolge auf jedem Kontinent Wälder, die an mindestens 30 zusätzlichen Tagen pro Jahr die kritischen Schwellenwerte für die Entzündbarkeit überschreiten werden.

Bei einem Szenario mit geringeren Emissionen, bei dem die globale Erwärmung auf etwa 1,8 Grad begrenzt wird, wird jeder Kontinent immer noch mindestens 15 zusätzliche Tage pro Jahr erleben, an denen die Schwelle überschritten wird. Teile des tropischen Südamerika, einschließlich des Amazonasgebiets, werden in beiden Szenarien bis zum Ende des Jahrhunderts den größten Anstieg verzeichnen: mindestens 90 zusätzliche Tage in einem Szenario mit geringen Emissionen und mindestens 150 zusätzliche Tage in einem Szenario mit hohen Emissionen.

Folgen für Mensch und Natur

Die Ursache liegt laut Forschungsteam in der Sättigungsfähigkeit der Atmosphäre bei steigenden Temperaturen. Wärmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen, das wiederum lebenden und abgestorbenen Pflanzen entzogen wird. Wird ein bestimmter Schwellenwert erreicht, trocknen Wälder aus und werden anfälliger für Brände. "Es ist alarmierend, dass durch den Klimawandel die Anzahl der Tage, an denen der Planet diese kritischen Schwellenwerte überschreitet, zunimmt", schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Die Zunahme von Waldbränden hat verheerende Folgen für Mensch und Umwelt, heißt es in der Studie. So wird die Kohlenstoffspeicherung beeinträchtigt. Untersuchungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Rolle des Amazonas-Regenwaldes als sogenannte terrestrische Kohlenstoffsenke (mehr CO2 wird aufgenommen als abgegeben) bereits stark gefährdet ist. Abholzung, Brände und die schnelle lokale Erwärmung haben seine Fähigkeit, Kohlendioxid zu binden, reduziert und teilweise sogar eliminiert.

Zudem warnen die Forscherinnen und Forscher vor zunehmenden Gesundheitsschäden durch den Rauch von Waldbränden. Schätzungen zufolge sterben weltweit jedes Jahr mehr als 330.000 Menschen an den Folgen des Einatmens von Rauch. Diese Zahl könnte bis zur Jahrhundertwende deutlich ansteigen, insbesondere in den am dichtesten besiedelten Gebieten Südasiens und Ostafrikas.

Quelle: ntv.de

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