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Folge des Klimawandels? Warum das Wetter immer extremer wird

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Tote und Vermisste, eingestürzte Häuser und überflutete Städte: Der Westen Deutschlands erlebt extreme Niederschläge.

(Foto: picture alliance / ANP)

Die Erde erwärmt sich, die Folgen sind gravierend: Immer häufiger wird Deutschland von Starkregen oder Hitzewellen heimgesucht. Wie es zu solchen extremen Wetterphänomen kommt und welche Rolle der Klimawandel spielt, erklärt ntv.de.

Nach den sommerlichen Dürren der vergangenen Jahre scheint das Wetter in diesem Jahr in die andere Richtung umzuschlagen: Überflutungen, Dauerregen, Hagel, Sturmböen, Gewitter. Tief "Bernd" hinterlässt im Westen Deutschlands eine Spur der Verwüstung. Solche Wetter-Extreme sind hierzulande immer häufiger zu beobachten und können laut Experten nicht allein auf den kurzfristigen Zustand des Wetters zurückgeführt werden. Wenn es um die Intensität und Häufigkeit von Starkregen sowie Hitzewellen geht, spielt auch der Klimawandel eine Rolle.

"Bei den extremen Niederschlägen, die wir in den letzten Tagen in Europa erleben, handelt es sich um Extremwetter, das durch den Klimawandel verstärkt wird", sagt Klimaforscherin Friederike Otto von der Oxford-Universität. Auch Greenpeace macht die Klimakrise für die "aktuellen Extremwetter", zu denen Starkregenfälle mit Hochwasser und Überschwemmungen gehören, verantwortlich: "Mit der globalen Erhitzung steigen weltweit die Temperaturen auf immer neue Rekordwerte", sagt Klimaexperte Karsten Smid. Die Atmosphäre heize sich auf und entlade sich in Form von Unwettern.

Zwar sträuben sich Meteorologen und Wissenschaftler, einzelne Wetter-Phänomene auf die Klimakrise zurückzuführen. Denn tatsächlich ist ein kausaler Zusammenhang nur schwer nachzuweisen. Aber die Häufung der Extremwetter-Ereignisse hat weltweit die gleiche Ursache: Die Erde erwärmt sich immer mehr - und mit ihr die Luft. Das führt zu Veränderungen der wettersteuernden Luftströme, die auch als Jetstreams bezeichnet werden.

Erderwärmung führt zu Hitzerekorden

Diese Luftströme, die sich über die gesamte Erde ziehen, werden größtenteils durch die Temperaturunterschiede zwischen dem Äquator und den Polen angetrieben, erklärt ntv-Meteorologe Björn Alexander. Weil die Polregionen sich allerdings rascher erwärmen als die Bereiche in Äquatornähe, wird der sogenannte Westwinddrift schwächer und die Wetterlagen können somit grundsätzlich länger andauern.

Das bedeutet, dass beispielsweise Tiefdruckgebiete wochenlang über Deutschland verweilen, ohne zwischendurch von einem sonnigen Hochdruckgebiet verdrängt zu werden. Das aktuelle Tief "Bernd" wäre ungefährlich, wenn es sich in zwölf Stunden über Deutschland hinwegbewegt hätte. Seine langsame Zuggeschwindigkeit macht es jedoch zum folgenreichen Problem. Das gleiche Phänomen konnte man bereits im vergangenen Jahr beobachten, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Im Sommer 2020 hatten sich Hochdruckgebiete wochenlang nicht von der Stelle bewegt, und somit jeglichen Niederschlag verhindert. Dies führte vielerorts zu heftigen Hitzewellen und Dürreperioden.

"Das Wettergeschehen ist heute immer ein Zusammenspiel aus dem üblichen Wetterzufall und den veränderten Randbedingungen durch die stark erhöhte Treibhausgasmenge in unserer Atmosphäre", sagt Stefan Rahmstorf, Leiter des Forschungsbereiches Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Manche Hitzerekorde seien derart extrem, dass sie ohne Erderwärmung praktisch unmöglich wären, wie jüngst im Westen Nordamerikas.

Deutschland wird immer wärmer

"Bei Niederschlagsextremen ist die Zunahme noch nicht so groß, weil die natürlichen Schwankungen im Vergleich zum Effekt der Erderwärmung stärker sind", erklärt Rahmsdorf. Laut Nationalem Klimareport unterliegt der Niederschlag starken Schwankungen von Jahr zu Jahr. Die deutschlandweit jährliche durchschnittliche Niederschlagsmenge nahm seit 1881 um 66 Millimeter zu - beziehungsweise um acht Prozent im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990. Auffällig sei vielmehr, dass die extremen Niederschläge häufiger werden, während Tage mit schwachem Regen seltener werden, so Rahmsdorf weiter.

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"Das ist eine Folge der Physik: Pro Grad Erwärmung kann die Luft sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen und dann auch abregnen", sagt der Wissenschaftler. Weil mehr Wasser an starken Regentagen falle, bliebe weniger für den Rest der Zeit. "Denn der Wasserdampfnachschub durch Verdunstung nimmt nur um zwei bis drei Prozent pro Grad Erwärmung zu und kann daher die Zunahme um sieben Prozent pro Grad nicht ausgleichen."

Mit Blick auf die nächsten Jahre bedeutet das, dass die Extremwetterlagen in Deutschland zunehmen werden. Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen: Das letzte Jahrzehnt war rund 1,9 Grad Celsius wärmer als die ersten Jahrzehnte (1881 bis 1910) der Aufzeichnungen. Zudem hat das Tempo des Temperaturanstiegs in Deutschland in den vergangenen 50 Jahren deutlich zugenommen. Den Prognosen zufolge wird sich die Erhitzung fortsetzen. Dabei wirken immer natürliche Schwankungen mit, aber der Trend ist klar: aufwärts.

Quelle: ntv.de, hny

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