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Gerst und seine Crew auf der ISS müssen nun improvisieren - möglicherweise muss der Deutsche auch länger im Weltraum bleiben.
Gerst und seine Crew auf der ISS müssen nun improvisieren - möglicherweise muss der Deutsche auch länger im Weltraum bleiben.(Foto: dpa)
Freitag, 12. Oktober 2018

Fragen und Antworten : Was wird aus Gerst nach Sojus-Absturz?

Der Fehlstart der russischen Sojus-Rakete wirbelt die Einsatzpläne auf der Internationalen Raumstation ISS durcheinander. Statt fünf Raumfahrern arbeiten vorerst nur drei in 400 Kilometern Höhe über der Erde: der deutsche Kommandant Alexander Gerst, Serena Aunon-Chancellor aus den USA und Sergej Prokopjew aus Russland. Eilig müssen die Raumfahrtagenturen in Russland, den USA und Europa neu planen. Fragen und Antworten dazu.

Ist die Versorgung der Raumfahrer auf der ISS gesichert?

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Ja, niemand wird hungern und dürsten müssen. "Der Vorrat an Lebensmitteln und anderen Verbrauchsgütern auf der ISS reicht nicht nur bis zur planmäßigen Ankunft der nächsten Besatzung", sagte ein Vertreter der russischen Raumfahrt. Gerst und seine Crew könnten "bei vernünftigem Verbrauch" sogar bis April mit ihren Vorräten auskommen. Ein für Ende Oktober geplanter Flug eines russischen Progress-Raumfrachters wird zwar absehbar auf Dezember verschoben. Doch auch amerikanische oder japanische Frachter können die Station versorgen.

Wie wirkt sich der Ausfall der zwei Raumfahrer Nick Hague und Alexej Owtschinin auf geplante Außeneinsätze aus?

Ob mit der ungeplant kleineren Crew noch Außeneinsätze möglich sind, sei unklar, sagt Jan Wörner, Chef der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Er gehe davon aus, dass solche Einsätze verschoben würden, wenn sie nicht zwingend erforderlich seien. Gerst sollte eigentlich am 19. und am 25. Oktober in den offenen Weltraum aussteigen. Nun fehlt ihm sein Partner Nick Hague aus den USA. Zur Sicherheit arbeiten die Raumfahrer immer zu zweit.

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Die russische Seite hat die nächsten Außenarbeiten unter ihrer Verantwortung bereits verschoben. Prokopjew kann nicht ohne Alexej Owtschinin aussteigen. Die Verschiebung dieses Einsatzes wiegt schwer, denn das Duo sollte das rätselhafte Leck am angedockten Raumschiff "Sojus-MS09" begutachten. Das Bohrloch unbekannter Herkunft ist zwar abgedichtet, es hatte aber einen Druckabfall auf der ISS verursacht.

Wie geht es in der Station mit der wissenschaftlichen Arbeit weiter?

Bei den naturwissenschaftlichen Experimenten auf dem Außenposten der Menschheit wird es Verzögerungen geben. "Es ist eine Sache, wenn fünf oder sechs Leute an Bord sind, und eine andere, wenn es nur drei sind", sagt der Biomediziner Oleg Orlow von der Russischen Akademie der Wissenschaften. Trotzdem werde das gesamte vorgesehene Programm abgearbeitet - nur eben langsamer. "Das ist nicht weiter tragisch."

Gerst sollte eigentlich Mitte Dezember zur Erde zurückkehren. Wird er zu Weihnachten bei seiner Familie sein?

Die Aussichten sind unsicher. Es hängt davon ab, wie schnell Roskosmos die Unfallursache der sonst so zuverlässigen Trägerrakete Sojus-FG klären kann. Vorerst hat die russische Raumfahrtbehörde bemannte Starts gestoppt. Der komplizierte ISS-Flugplan mit der Auswechselung von jeweils der Hälfte der Langzeitbesatzungen ist durcheinandergeraten.
Russland versucht aber, den für 20. Dezember geplanten nächsten bemannten Start auf Ende November vorzuziehen. Für diese Mission bereiten sich Oleg Kononenko (Russland), David Saint-Jacques (Kanada) und Anne McClain (USA) vor. Dann wäre die ISS-Mannschaft komplett. Doch eine wirkliche Ablösung für Gerst und seine Crew würde erst der übernächste Flug bringen. Deshalb könnte sich seine Mission noch ins nächste Jahr hineinziehen - sicher ist die Verzögerung aber nicht.

Würde sie ihn stören?

Wohl nicht. Weltraumbegeisterte wie der 42-jährige Geophysiker aus Künzelsau zählen die Tage im All, nicht die auf der Erde.

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Quelle: n-tv.de