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Alarm auf der ISS Wenn ein Leck zur tödlichen Gefahr wird

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Die Internationale Raumstation besteht aus mehreren Modulen. Dazu gehören auch die Sojus-Kapseln, die als Weltraum-Taxis dienen.

(Foto: picture alliance / ---/Nasa/dpa)

Die Internationale Raumstation wird ständig von umherfliegendem Weltraumschrott und Meteoriten bedroht. Nun wird sie getroffen, Druck entweicht durch ein kleines Loch. Warum kann das zu einer so großen Gefahr werden?

"Gestern hat sich wieder gezeigt, wofür unser Notfalltraining gut ist. Konnten ein kleines Leck in unserer Sojus finden und verschließen, dank toller Zusammenarbeit zwischen Crews und Bodenstationen auf mehreren Kontinenten", schreibt der deutsche ISS-Astronaut Alexander Gerst auf Twitter. In diesen knappen Sätzen wird deutlich: Ein Leck im Raumschiff in 400 Kilometern Höhe scheint häufiger vorzukommen und nicht ganz ungefährlich zu sein.

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Was war passiert? Zunächst gab es einen Alarm an Bord der ISS. Der Grund: langsamer Druckabfall, lebenswichtiger Sauerstoff entwich. Sofort machte sich die Crew auf die Suche und wurde im hinteren Teil in einer der beiden Sojus-Kapseln schließlich fündig. Die Astronauten entdeckten ein 1,5 Millimeter großes Loch. Vermutlich entstand es durch einen Mikrometeoriten, der mit hoher Geschwindigkeit auf die Kapsel traf.

Die Besatzung versuchte,das Leck von innen zu reparieren. Laut Nasa benutzte sie dafür Epoxidharz und Mull. Bei dem Harz handelt es sich um ein Kunstharz, das als besonders beständig gilt, schnell aushärtet und sehr hitzebeständig ist. Während die Crew mit der Reparatur beschäftigt war, beobachteten die Kollegen der Bodenstationen in Moskau und Houston, wie sich der Druck in der Kapsel verhielt - und ob er konstant blieb.

Bislang blieb der Kabinendruck konstant, jedenfalls gibt es keine weiteren Meldungen, dass es wieder zu einem Druckabfall gekommen ist. Sonst wäre eventuell eine größere Reparatur mithilfe eines Außeneinsatzes nötig gewesen. Kurzzeitig kursierte in den sozialen Netzwerken das Gerücht, dass Gerst das Leck zunächst mit einem Finger zugehalten haben soll. Doch von offizieller Seite ist das nicht bestätigt.

100.000 Trümmerteile bedrohen ISS

Tatsächlich ist die Internationale Raumstation ständig von Meteoriten und Weltraumschrott bedroht. Deshalb gibt es auch Möglichkeiten, wie mit möglichen Kollisionen umgegangen wird. So sind die Umlaufbahnen der meisten von 100.000 Trümmerteilen, die die Erde umkreisen, bekannt. Wissenschaftler am Boden können die Astronauten an Bord der ISS also rechtzeitig warnen. Dann kann die Raumstation beispielweise eine Umlaufbahn höher geschoben werden, die Kollision mit Weltraumschrott wird so verhindert. Im regulären Flugbetrieb muss die ISS etwa fünfmal im Jahr ihre Umlaufbahn korrigieren. Jedes Ausweichmanöver zehrt allerdings am Treibstoffvorrat - und der ist wie alle anderen Verbrauchsgüter im All knapp bemessen.

Auch Mikrometeoriten prallen ständig auf die Raumstation. Für kleine Einschlaglöcher hat die ISS eine Art Selbstheilungsmechanismus: Sie verfügt über doppelwandige Meteoritenschutzschilde aus Keramik- und Polymerstoffen. Ein Teilchen kann die erste Schicht zwar durchschlagen, doch beim Aufprall wird es zu kleineren und energieärmeren Partikeln pulverisiert. Diese bleiben in der zweiten Schutzschicht hängen.

Alles, was die Größe von einem Zentimeter jedoch übersteigt, kann gefährlich für die ISS werden. Denn dann sind die Schutzschilde machtlos. Ein größeres Leck hätte dramatische Auswirkungen: Es würde sämtliche Luft aus dem Raumschiff saugen. Die Astronauten wären dann den extremen Temperaturen und dem Vakuum im All schutzlos ausgeliefert. Durch den fehlenden Druck würde sich die eingeschlossene Luft im Körper ausdehnen. Durch den Überdruck platzen Lunge und Zellen, nach wenigen Sekunden im Vakuum fängt das Blut an zu kochen, das Gehirn erhält keinen Sauerstoff mehr. Der Mensch wird bewusstlos und stirbt.

Allerdings muss es nicht so weit kommen. Denn die ISS besteht aus mehreren Modulen und diese lassen sich luftdicht verschließen. Allerdings ist es besonders bei den Sojus-Kapseln wichtig, dass sie sicher sind. Denn die Kapseln dienen als Weltraum-Taxi. Mit ihnen gelangen die Astronauten wieder zur Erde zurück.

Immerhin ist es ein glücklicher Zufall, dass sich das inzwischen geflickte Leck im hinteren Teil in einer der beiden Kapseln befindet. Denn dieser wird beim Rückflug zur Erde vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre ohnehin abgesprengt. Ein Loch in der Landekapsel wäre ein höheres Risiko gewesen. Ob tatsächlich ein Meteorit für das Leck verantwortlich war, soll nun eine Kommission untersuchen. Bei Alexander Gerst und seinen fünf Kollegen scheint jedenfalls wieder Arbeitsalltag eingekehrt zu sein: Gerst twitterte wie so oft ein spektakuläres Foto, das den Blick Richtung Erde zeigt.

Quelle: n-tv.de

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