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Nachhaltigkeit beginnt im Alltag Werden Sie Weltretter in nur zehn Schritten

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Mit kleinen Veränderungen im Alltag lassen sich nachhaltige Veränderungen anstoßen, die den Raubbau an der Erde stoppen.

Politik und Wirtschaft sollen für eine nachhaltigere Gesellschaft sorgen. Viele wichtige Maßnahmen können aber weder Politiker ihren Bürgern vorschreiben, noch sind sie im Interesse von Unternehmen. Wir Verbraucher müssen die Welt retten - jeden Tag ein Stück. n-tv.de zeigt Ihnen, wie.

Wollen wir unseren Lebensraum und den unzähliger Pflanzen und Tiere erhalten, müssen wir umdenken. An beinahe jeder Stelle unseres Alltags können wir mit geringem Aufwand einen entscheidenden Beitrag leisten. Ziel ist nicht nur, weniger CO2 und andere Klimakiller in die Atmosphäre zu pumpen. Es geht auch darum, Rohstoffe effizienter zu nutzen, den Raubbau an der Natur zu stoppen, sinnvoll mit dem knapper werdenden Wasser zu wirtschaften und weniger Gifte in die Umwelt zu spülen.

Nur so erhalten wir die Vielfalt von Tierarten und Pflanzen und damit unsere Lebensgrundlagen. Das bedeutet an mancher Stelle auch Verzicht auf Bequemlichkeit und Konsum, bringt aber am Ende neue Freuden in den Alltag und spart zudem viel Geld.

Teilen macht Freude - auch der Umwelt

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Nur wenige Menschen benutzen daheim regelmäßig ihr Werkzeug.

Viele Gegenstände in unserem Besitz benutzen wir nur selten. Dabei waren sie oft teuer in der Anschaffung, nehmen zu Hause Raum ein und kosten - Stichwort Auto - auch noch Unterhalt. Und auch aus Sicht der Umwelt wird vieles schlicht völlig umsonst produziert. Dabei kosten Herstellung und Transport jedweden Produkts Energie und Rohstoffe.

Nachhaltiger ist es deshalb zu teilen, indem man all diese Dinge verleiht oder selbst ausleiht: selten genutzte Haushaltsgegenstände wie der Schlagbohrer und die Nähmaschine, die Girlande vom Kita-Umzug oder auch die für nur ein bestimmtes Gericht gekaufte und seitdem vergessene Gewürzmischung.

Plattformen hierfür sind Nachbarschaftsgruppen auf Facebook oder Whatsapp, ebay-Kleinanzeigen und nebenan.de. Hinzu kommen viele andere Webseiten und Apps, die sich auf das Leihen und Tauschen spezialisiert haben. Das Umweltbundesamt und der Naturschutzbund bieten eine Linksammlung zu diversen Plattformen.

Alltagsmobilität: Es muss nicht immer Auto sein

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Mit der richtigen Kleidung macht Radfahren auch noch im Herbst Vergnügen.

30 Prozent der CO2-Emissionen in Europa entfallen auf den Verkehr und davon wiederum mehr als die Hälfte auf den Autoverkehr.  Die Zahlen stagnieren auf schlechtem Niveau. Kein Wunder: Gerade auf dem Land ist ein Leben ohne Auto für die meisten nicht mehr möglich. Berufspendler sind auf individuelle Mobilität angewiesen. Dennoch gibt es Möglichkeiten, zumindest weniger Auto zu fahren.

Wer zum Beispiel sein Fahrrad immer in Schuss hält und sich gute Regenkleidung kauft, nutzt das Rad auch eher bei schlechtem Wetter. Der Markt für Fahrradanhänger und Lastenräder, ob mit oder ohne Elektroantrieb, erlebt enorme Zuwachsraten. Inzwischen ist für jeden etwas dabei und Erledigungen können eher auch einmal ohne Auto gestemmt werden.

Je mehr dann das Auto steht, desto mehr lohnt es sich, es durch privates Carsharing zu teilen. Anbieter wie Drivy, Get-a-way, Turo und Snappcar kümmern sich um die Versicherung und die Vermittlung. Wer kein eigenes Auto hat, kann sich so günstig und flexibel ein Auto mieten. Je weniger Autos insgesamt gebraucht werden, desto mehr Rohstoffe werden gespart und desto mehr Platz wird frei in den Innenstädten.

Strom sparen kostet keine Energie

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Stand-by-Geräten kommt man mit Steckdosenleisten mit Kippschalter leicht bei.

Der größte Feind der Effizienz ist der Rebound-Effekt: Weil viele Geräte heute weniger Energie verbrauchen als früher, entfällt auch eher das schlechte Gewissen, wenn die Geräte unnötig laufen. Dabei verbrauchen auch LED-Lampen Strom und auch ein Kühlschrank der Effizienzklasse A+++ kann gegen unnötig lang geöffnete Kühlschranktüren nichts ausrichten.

Es bleibt daher absolut sinnvoll, Strom- und Wasserverbraucher aktiv einzuschränken. Ein Stromzähler kostet wenige Euro und steckt zwischen dem Stromkabel und der Steckdose. So werden schnell Stromfresser entlarvt. Wichtig: Geräte mit Stand-by-Modus auch einmal ausgeschaltet messen.

Am besten ist, alle Stand-by-Geräte über Nacht und im Urlaub ganz vom Strom zu nehmen. Eine Steckdosenleiste mit Kippschalter ist der simpelste Schritt. Funksteckdose und Zeitschalturen machen das Abschalten der Geräte noch bequemer. Übrigens: Die meisten WLAN-Router können recht einfach darauf eingestellt werden, sich selbst zu bestimmten Uhrzeiten abzuschalten, etwa während der Arbeitszeit oder Nachtruhe. Der Effekt des Stromsparens wirkt bei einzelnen Geräten marginal, entlastet in der Summe aber sowohl die Umwelt als auch das eigene Portmonee.

Weitere Tipps zum Energiesparen bietet Stiftung Warentest.

Haltbarkeit ist Trumpf

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Ein Smartphone-Display ist relativ leicht zu ersetzen.

Viele technische Geräte halten weniger lange als früher. Das liegt im Interesse von Hersteller und Handel, fügt der Umwelt aber immense Schäden zu. So lange es sich jedoch für Unternehmen nicht lohnt, vor allem an der Langlebigkeit ihrer Produkte zu arbeiten, liegt das Heft des Handelns beim Verbraucher. Dieser sollte sich auch dann für die Reparatur entscheiden, wenn er sich das Neugerät leisten kann.

Beim Smartphone etwa sind in den vergangenen Jahren Reparaturläden aus dem Boden geschossen und diese können längst nicht nur zertrümmerte Displays tauschen. Wer möchte, findet zudem auch im Internet Repatursets mit Bastelanleitungen. Schon beim Kauf eines Handys sollte man sich zudem erkundigen, ob ein Akkutausch möglich ist, wie es Apple nach anhaltender Kritik eingeführt hat. Wer konsequent sein will, entscheidet sich gleich für das Fairphone, dessen Einzelteile leicht zu ersetzen sind und das deshalb besonders langlebig ist.

Auch für andere Haushaltsgeräte finden sich zumindest in Städten inzwischen viele Repair-Cafés, in denen man mit enthusiastischen Bastlern einen Rettungsversuch unternehmen kann. Generell gilt auch weiterhin: Wer billigt kauft, kauft zweimal. Zwar ist nicht jedes Markenprodukt langlebiger als No-Name-Ware. Geräte, deren Preis deutlich unter dem großer Hersteller liegt, sind aber öfter Murks.

Gebraucht ist das neue Neu

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Gebrauchtbörsen bieten Shopping mit gutem Gewissen.

Nie zuvor war es so leicht, nachhaltig einzukaufen, denn die Angebote für Gebrauchtes sind riesig. Ebay hatte den ersten großen Hype um Gebrauchtwaren im Internet ausgelöst. Wer erinnert sich heute noch an die Zeitung "Zweite Hand"? Seither haben Smartphone-Apps das Internetshopping für Gebrauchtes noch einmal deutlich bequemer, schicker und übersichtlicher gemacht. Zudem setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass schon einmal benutzte Produkte wie auch der Gebrauchtwagen oft die klügere Wahl sind.

Wiederverkäufer wie rebuy, medimops und myswoop bieten geprüfte Elektrogeräte mit ordentlichem Rückgaberecht an. Auch bei Amazon tummeln sich seriöse Verkäufer gebrauchter Produkte. Der Verkauf von privat zu privat bietet sich vor allem bei Kleidung und Kinderprodukten an. Das Risiko eines Reinfalls ist angesichts der meist sehr erschwinglichen Sachen überschaubar. Zugleich werden nicht selten kaum getragene Kleider und selten benutztes Spielzeug teurer Hersteller zu einem Bruchteil des Preises verscherbelt. Etabliert haben sich die gut gemachten Apps von Kleiderkreisel, Tauschticket und Kleiderkorb.

Schmeckt das lecker oder kann das weg?

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Gekühlt und geschlossen halten Milchprodukte oft länger, als man vermuten würde.

Mehr als zehn Millionen Tonnen guter Lebensmittel landen allein in Deutschland jedes Jahr in der Tonne. Ein völliger Irrsinn angesichts des hohen Flächen- und Rohstoffverbrauchs, den Nahrungsmittel verursachen. Lebensmittel sind das vielleicht größte Feld, in dem der einzelne Verbraucher durch sein Verhalten Veränderungen zum Besseren bewirken kann.

  • Regional, saisonal und bio sind die heilige Dreifaltigkeit. Wochenmarkt statt Aldi muss man sich jedoch erst einmal leisten können. Aber es ist auch eine Frage individueller Prioritäten: Die Deutschen geben einen geringeren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel aus als Menschen in vergleichbar entwickelten Ländern. Hinzu kommt: Selber kochen ist oft günstiger als der Verzehr von Fertiglebensmitteln. So bleibt mehr Geld für qualitativ hochwertige Zutaten.
  • Ein Essensplan hilft ebenso wie aufgeräumte und übersichtliche Küchenschränke, gekaufte Lebensmittel rechtzeitig aufzubrauchen.
  • Kaum ein Lebensmittel verfällt mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum, selbst Milchprodukte schmecken oft noch Wochen später. Deshalb: erst kosten, dann wegwerfen.
  • Fleisch tötet Mensch und Natur, wenn es in rauen Mengen verzehrt wird. Tierzucht kostet Unmengen an Wasser, braucht Flächen für den Futtermittelanbau und führt zu einer hohen CO2-Emission. Wer also nicht täglich Fleisch oder Wurst isst, schützt die Umwelt - und nebenher das eigene Herz-Kreislaufsystem.
  • Einige Lebensmittel richten einen besonders großen Flurschaden an und sollten deshalb möglichst vermieden werden. Hierzu zählen Palmöl wegen der immensen Monokulturen, wo einst Urwald war; Avocados, die in meist wasserarmen Anbaugebieten sehr viel Wasser verbrauchen; Fisch aus Farmen, die die Küsten mit Medikamenten und anderen Chemikalien verseuchen.

Haushaltschemie reduzieren

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Natron, Essig und Zitrone ersetzen viel Haushaltschemie.

Spülmittel, Waschmittel, Deo, Seife, Shampoo: Das Bedürfnis nach Sauberkeit und Wohlgefühl hat zu einer nie dagewesenen Verschwendung geführt. Die Haushaltschemie ist nicht nur in der Herstellung umweltbelastend. Sie bringt auch jede Menge Müll ins Heim. Dabei sind viele Produkte völlig verzichtbar. Sie selbst herzustellen spart nicht nur Müll und Geld, sondern ist oft auch gesünder. Ein paar Beispiele:

  • Backofenreiniger: Natron 1:1 mit Wasser vermengt auf hartnäckigen Schmutz wie etwa im Backofen auftragen, einweichen lassen und abwischen
  • Rohrfrei: 3 Esslöffel Natron und etwa 150 ml Essig in den Abfluss kippen und einwirken lassen, nach einer Stunde mit Wasser durchspülen.
  • Entkalker: Essig 1:1 mit Wasser mischen und im Wasserkocher oder der Kaffeemaschine aufkochen. Anschließend das Ganze noch einmal nur mit Wasser machen.
  • Scheuermilch: schmutzige Pfannen im 2 zwei bis 3 Esslöffeln Kaffeesatz und heißem Wasser einweichen lassen; anschließend schrubben.
  • Auf vielen Blogs und Websites finden sich Tipps, wie sich Pflegeprodukte leicht ersetzen lassen. Etwa bei Utopia, Zero Waste Familie oder im Buch "Trick 17 Nachhaltig Leben" von Ina Volker.

Weniger Müll ist Meer

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Wir müllen den Planeten oft aus purer Bequemlichkeit zu.

Verpackungen kosten Energie und Rohstoffe in der Herstellung, belasten nach ihrer Benutzung wieder Tier und Natur. Die Ozeane sind inzwischen voll mit unserem Abfall. Doch jeder kann ohne großen Aufwand seinen Beitrag leisten:

  • Schon die Auswahl der Produkte macht einen Unterschied: Einzeln verpackte kleine Schokoladen brauchen mehr Plastik als eine Tafel Schokolade. Glasflaschen sind besser als Plastikflaschen.
  • Lassen Sie möglichst viel Verpackungsmüll nach dem Bezahlen im Markt, damit der Einzelhandel von selbst unnötige Verpackungen einzusparen beginnt.
  • Mehrwegbecher für den Coffee-to-go sind ebenso prima wie auch der Beutel anstelle der Plastiktüte. Der Umweltnutzen stellt sich aber erst nach dauerhafter Benutzung ein, denn natürlich muss auch der Beutel erst einmal produziert werden. Baumwolle etwa ist sehr wasserintensiv.
  • In einigen Städten gibt es erste Läden, die ganz ohne Verpackung arbeiten. Das Angebot ist noch überschaubar. Aber bringen Sie doch mal eigene Tupperware mit zu Ihrer Wurst- und Käsetheke im Supermarkt, anstatt alles einzeln verpacken zu lassen. Einen Versuch ist es wert. Zudem lohnen sich leichte Stoffnetze für Obst und Gemüse anstelle von Papier- oder Plastiktüten.

Insekten und Vögel schützen

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Löchriges Holz bietet Insekten ein Zuhause, gerade im Winter.

Die Vogelwelt in Deutschland schrumpft, und das nicht, nur aber vor allem, weil die Zahl der Insekten abnimmt. Beide sind aber immanent wichtig fürs Ökosystem. Gartenbesitzer, aber auch Menschen mit Terrasse und Balkon können einiges tun.

  • Gärten verschwinden immer öfter unter Steinplatten und streng gepflegten Rasenflächen. Insekten und Vögel sind aber auf Pflanzenvielfalt angewiesen. Deshalb sollte es auch immer Platz für Wildwuchs geben. Ein Haufen mit Ästen und Stämmen dient als Insektenhotel.
  • Chemie wie Unkraut- und Insektenvernichter gilt es unbedingt zu vermeiden. Für Blattläuse oder Schnecken gibt es auch natürliche Mittel. Unkraut kann man jäten.
  • Insektenhotels gibt es auch für den Balkon, genauso wie Vogeltränken für besonders heiße und besonders kalte Tage. Im Winter kann etwas Vogelfutter Leben retten.
  • Bioprodukte zeichnet der Einsatz von weniger Chemie aus - etwa in der Landwirtschaft -, und das ist zum Wohl der Tierwelt.

Versand verstopft den Verstand

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Bequem, aber schlecht für die Umwelt: Internet-Shopping.

Eine einst als komfortabler Fortschritt betrachtete Neuerung ist zum Desaster für Mensch und Umwelt mutiert: Der Versandhandel kostet unnötig Energie, verstopft die Innenstädte und hält viele Menschen in völlig inakzeptablen Arbeitsverhältnissen. Zugleich wird wegen der vermeintlichen Bequemlichkeit mehr konsumiert. Deshalb:

  • Möglichst vor Ort kaufen. Gerade bei Büchern ist es sinnvoll, im eigenen Viertel zu kaufen. Wer die Telefonnummer seiner zum Heim oder Arbeitsplatz nächstgelegenen Bücherhandlung zur Hand hat, kann sich das gewünschte Buch zum nächsten Tag bestellen.
  • Der nächste Elektronikgroßhändler liegt nicht selten in der Nähe des täglichen Weges. Sich das gewünschte Produkt klassisch zu kaufen, ist oftmals befriedigender, als nach der Arbeit in einer der wenigen Postfilialen anzustehen, wo das Paket abgegeben wurde.
  • Sammelbestellungen sind sinnvoll: Anstatt vieler kleiner, einzeln verpackter Artikel kann man sich auch Produkte speichern und erst nach ein paar Tagen zusammen mit anderen Einkäufen liefern lassen.
  • Rücksendungen werden oft verschrottet, weil das die Händler am Ende günstiger kommt. Deshalb ist es besser, nur gut überlegte Bestellungen aufzugeben, um Retour-Pakete zu vermeiden.

Quelle: n-tv.de

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