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Bewerbung im Labor simuliertWie Stress das Schlussfolgern behindern kann

02.06.2026, 15:24 Uhr
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Durch akuten Stress werden verschiedene Regionen im Gehirn aktiviert. (Foto: IMAGO/YAY Images)

Durch die Integration von Informationen im Gedächtnis werden Wissen und Erfahrungen aufgebaut. Daraus kann die Fähigkeit zu Schlussfolgern entstehen. Doch wie hilfreich ist Stress bei diesem Prozess? Ein Forschungsteam liefert Antworten.

Akuter psychosozialer Stress kann die Fähigkeit zu Schlussfolgerungen einschränken. Das hat ein internationales Forschungsteam mit Forschenden der Universität Hamburg herausgefunden. "Es ist bekannt, dass Stress das Abspeichern und Abrufen von Informationen beeinflussen kann. Wir haben uns erstmals angeschaut, wie dieser Zustand die Integration zusammenhängender Informationen verändert", wird Studienleiter Lars Schwabe in einer Mitteilung der Uni zitiert.

Ein praktisches Beispiel dafür, liefern die Forschenden gleich mit: Wenn einem eine Bekannte ihren neuen blauen Motorroller präsentiert und man diesen später vor der Bibliothek stehen sieht, verbindet das Gehirn die vorhandene und die neue Information automatisch zu der Annahme, dass die Bekannte in der Bibliothek sein könnte. In der psychologischen Forschung nennt man diese flexiblen Schlussfolgerungen, die über direkte Beobachtungen hinausgehen, Inferenzen.

Aktivierungen im Gehirn angeschaut

Stress disrupts hippocampal integration of overlapping events and memory inference in humans
Die Grafik zeigt den experimentellen Aufbau der Untersuchung. (Foto: Schwab et al. / Science Advances)

Für die Untersuchung wurden insgesamt 121 gesunde Erwachsene gewonnen. Diese bekamen die Aufgabe, sich am ersten Tag verschiedene Bildpaare (A+B) zu merken. Am zweiten Tag kamen andere Bildpaare hinzu, bei denen es aber Überschneidungen zu den Inhalten des ersten Tages (B+C) gab.

Ein Teil der Probanden und Probandinnen wurde zu Beginn des zweiten Tages durch die Simulation eines Vorstellungsgesprächs und durch schwierige Rechenaufgaben bewusst unter Stress gesetzt. Die Personen in der Kontrollgruppe hingegen bekamen stressfreie Aufgaben. Danach wurde getestet, ob die Teilnehmenden die Verbindung zwischen A und C herstellen konnten - also wie in dem Beispiel, dass die Bekannte mit dem blauen Roller in der Bibliothek sein könnte.

Während der Erledigung der gesellten Aufgaben wurde allen Studienteilnehmenden mittels funktioneller Magnetresonanztomografie, kurz fMRT, ins Gehirn geschaut. Im Fokus stand dabei der Hippocampus, also die Region im Gehirn, die für Gedächtnisprozesse zentral ist.

Differenzierung statt Integration

Bei der Auswertung der Daten stellte sich heraus, dass die gestressten Testpersonen sich die Bilderpaare des zweiten Tages genauso gut merken konnten wie die Kontrollgruppe. Allerdings wurden bei ihnen die Areale, die für die Verarbeitung von Information A zuständig sind, bei Betrachtung des Bilderpaares B+C weniger stark aktiviert. Sie konnten dadurch die Verbindung von A zu C schlechter herstellen. "Unsere Ergebnisse zeigen damit, dass akuter Stress einen zentralen Mechanismus der Gedächtnisintegration beeinträchtigt", erklärt Schwabe. Bestehende Erinnerungen bei sich überschneidenden Erfahrungen unter Stress würden weniger reaktiviert, sodass sie eher voneinander differenziert würden.

Die aktuellen Studienergebnisse sind ein Erklärungsansatz, weshalb die Schlussfolgerungsfähigkeiten bei Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen wie Angststörungen oder Psychosen limitiert sein können. Auch im Bildungsbereich sei die Verknüpfung verwandter Informationen die Grundlage für langfristigen Lernerfolg, erklärt Schwabe. Ebenso für die Rechtssprechung könnte eine gestörte Integration sich überschneidender Erinnerungen Folgen haben: Sie könne zu falschen Schlussfolgerungen oder ungerechtfertigten Anschuldigungen führen, resümiert Schwabe. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift "Science Advances" veröffentlicht.

Quelle: ntv.de, jaz

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