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Studie zu Unfruchtbarkeits-Frage Wie mRNA-Impfungen Spermien beeinflussen

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Die mRNA-Impfungen sind laut Studie weder Ursache für Erektionsstörungen noch für Unfruchtbarkeit.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Das Gerücht ist nicht neu, hält sich aber hartnäckig: Die Impfstoffe gegen Covid-19 können unfruchtbar machen. Ob das stimmt, hat nun ein US-Forscherteam anhand von Samenproben genauer untersucht. Ihr Ergebnis ist eindeutig.

Virusinfektionen können bei Männern zu Unfruchtbarkeit und sexuellen Funktionsstörungen führen. Dies ist schon länger bekannt. Coronaviren bilden da keine Ausnahme, wie Wissenschaftler bereits 2020 festgestellt haben. Doch wie sieht es mit Corona-Impfungen aus? Im Internet kursieren immer wieder Gerüchte, dass auch die Covid-19-Vakzine Männer unfruchtbar machen können. Ein US-Forscherteam ist diesen Behauptungen mit einer Studie zu den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna auf den Grund gegangen.

45 gesunde Männer im Alter von 18 bis 50 Jahren gaben vor und nach der Impfung mit einem mRNA-Vakzin eine Samenprobe ab. Zuvor wurden alle Teilnehmer untersucht, um sicherzustellen, dass keine Fruchtbarkeitsprobleme bestanden. In der Analyse der Proben wurden das Spermavolumen, die Spermienkonzentration sowie die Gesamtzahl beweglicher Spermien untersucht.

Das Ergebnis der im Fachmagazin "JAMA Network" veröffentlichten Studie: Weder die Spermienzahl noch die -qualität hätten unter der Impfung gelitten, schreibt Studienautor Ranjith Ramasamy. Zu Beginn der Studie lag die Spermienkonzentration im Durchschnitt bei 26 Millionen pro Milliliter. Nach der zweiten Impfung lag der Wert bei durchschnittlich 30 Millionen pro Milliliter - und waren damit sogar deutlich gestiegen. Daraus im Umkehrschluss einen positiven Effekt auf die Fruchtbarkeit abzuleiten, ist nach Aussagen der Forscher aber übertrieben.

Fest stehe jedoch: Den Studienergebnissen zufolge haben mRNA-Impfstoffe keinen Einfluss auf die männliche Fruchtbarkeit. "Wir konnten bei keinem der untersuchten Männer feststellen, dass die Impfung irgendeine Auswirkung auf die Spermien gehabt hat", sagt auch Urologe Daniel Nassau, Co-Autor der Studie. Er ist sicher, dass eine größere Probandenzahl an diesem Ergebnis nichts geändert hätte.

Coronaviren im Hodengewebe

Die Covid-Impfungen seien weder Ursache für Erektionsstörungen noch für Unfruchtbarkeit, resümiert Ramasamy. Gleichzeitig verweist er in einem Artikel in "The Conversation" auf die Gefahr durch eine Corona-Infektion. "Die Wahrheit ist: Sars-CoV-2, das Virus, das Covid-19 verursacht, stellt ein Risiko für beide Erkrankungen dar."

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Der Urologe und sein Team konnten das Virus in einer früheren Studie im Hodengewebe von an Covid-19 Verstorbenen nachweisen. Laut Ramasamy könne das Virus nicht nur die Spermienproduktion und Fruchtbarkeit beeinträchtigen, sondern auch zu Erektionsstörungen führen.

Völlig überraschend seien diese Ergebnisse allerdings nicht, so der Wissenschaftler. Auch andere Viren wie das Mumps- oder das Zika-Virus könnten Entzündungen im Hoden verursachen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. "Das Risiko von Unfruchtbarkeit und Erektionsstörungen steigt, je schwerer die Infektion verläuft", sagt Nassau. "Ich kann nur jedem Mann dringend raten, sich impfen zu lassen."

Quelle: ntv.de, hny

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