Wissen

Massentest in Italien Wie viele Infizierte haben keine Symptome?

AP_20068515827320.jpg

Die Einwohner in Vò werden im Februar 2020 informiert und getestet, der Ort abgeriegelt.

(Foto: AP)

Nachdem Sars-CoV-2 ein halbes Jahr bekannt ist, lüften sich langsam die Schleier um den Erreger. In dem italienischen Ort Vò, in dem im Februar der erste Italiener an Covid-19 starb, testen Forscher zweimal fast alle Einwohner. Dadurch erhalten sie wichtige Hinweise - auch über Kinder.

Am 21. Februar 2020 stirbt in Vò, einem kleinen Ort in Italien, der erste Italiener an Covid-19. Die rund 3300 Einwohner der Gemeinde, die zur Provinz Padua gehört, werden daraufhin 14 Tage unter häusliche Quarantäne gestellt. Gleichzeitig werden Forscher der Universität Padua von den italienischen Behörden beauftragt, so viele Einwohner der Gemeinde wie möglich auf Sars-CoV-2 zu testen.

Innerhalb einer Woche können bei 2812 Personen, das sind 85,9 Prozent, Abstriche der Nase gemacht werden, schreibt das "Deutsche Ärzteblatt" dazu. Das Prozedere wird bei 2343 Einwohnern (71,5 Prozent) zwei Wochen später wiederholt.

40 Prozent der Einwohner symptomlos

Die Forscher wiesen mit den ersten Tests insgesamt 73 Infektionen nach. Das entsprach einem Anteil von 2,6 Prozent der gesamten Bevölkerung des Ortes. Zwei Wochen später zeigten die Testergebnisse, dass 29 Personen, also 1,2 Prozent, aktiv mit Sars-CoV-2 infiziert waren. Bei der ersten Testung zeigten 29 Infizierte keine Krankheitssymptome, beim zweiten Test waren 13 Personen symptomfrei. Insgesamt waren das rund 40 Prozent aller Infizierten, die keine Krankheitszeichen hatten.

Den Berechnungen des Forscherteams um Enrico Lavezzo zufolge sank die Reproduktionszahl in Vò mit einem Anfangswert von 2,49 auf 0,41 und lag damit weit unter der Grenze von 1,0, die als Faktor für die Ausbreitung des Virus für ausschlaggebend gehalten wird. Der verhängte Lockdown hatte in dem Ort also eine messbare Wirkung gezeigt.

Kein Kind unter 10 infiziert

Weiteren Berechnungen zufolge waren die Viren im Durchschnitt 9,4 Tage, also zwischen 8 und 13 Tage im Abstrich der Infizierten nachweisbar. Zudem hatte sich kein einziges Kind unter 10 Jahren mit Sars-CoV-2 infiziert, obwohl 13 der Getesteten in Familien mit mindestens einem Infizierten lebten. Die meisten Infizierten waren älter als 50 Jahre, schreiben die Forscher über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen aus Vò, die im Fachblatt "Nature" veröffentlicht wurden.

Von den insgesamt 81 positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Personen mussten 13 Erkrankte (16 Prozent) im Krankenhaus behandelt werden. Dabei handelte es sich ebenfalls vor allem um ältere Personen. Als weiteren wichtigen Punkt gaben die Forscher an, dass die Viruskonzentration bei den an Covid-19 Erkrankten genauso hoch war, wie bei den Infizierten ohne Symptome. Die Tatsache, dass die Viruslast zwischen asymptomatischen und symptomatischen Virenträgern vergleichbar hoch ist, sei ein Hinweis darauf, dass alle Infizierten das Potenzial zur Übertragung haben, schreiben die Forscher in einer weiteren Mitteilung.

"Einerseits ist es wahrscheinlich, dass eine Person mit Symptomen große Mengen an Viren, zum Beispiel durch Husten, überträgt", wird Lavezzo darin zitiert. Denkbar sei aber auch, dass die Person sich so unwohl fühlt, dass sie zu Hause bleibt und damit die Kontakte und die Übertragung begrenzt bleiben. "Andererseits ist sich jemand mit einer asymptomatischen Infektion völlig unbewusst darüber, dass er das Virus in sich trägt." So sei es möglich, dass derjenige je nach Lebensstil und Beruf eine große Anzahl von Menschen trifft und eventuell auch damit ansteckt. Umso mehr unterstreichen die Ergebnisse der Studie die Wirksamkeit der Eindämmungsstrategien, die in Vò umgesetzt worden sind.

Quelle: ntv.de, jaz