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Ein Zwergplanet begeistert die Welt Womit Pluto die Forscher verblüfft

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Auf der Erde hat Pluto rasch alle Herzen erobert.

(Foto: picture alliance / dpa)

In kürzester Zeit haben die Daten, die Raumsonde "New Horizons" von Pluto sammelte, unser Bild von dem Zwergplaneten verändert. Auf Pluto ist der Himmel blau, er hat Wetter und zahlreiche weitere ungeahnte Eigenschaften. "Science" fasst sie zusammen.

Drei Monate ist es her, dass die Nasa-Sonde "New Horizons" in nur 12.500 Kilometern Entfernung an Zwergplanet Pluto vorbeiflog. Erst in etwa einem Jahr werden alle Daten, die die Sonde gesammelt hat, auf der Erde angekommen sein. Doch schon früh zeigte sich: Pluto hält für die Wissenschaft einige Überraschungen bereit. Er ist deutlich vielfältiger als gedacht.

Berge, Schluchten, kraterzerklüftete Landschaften und ausgedehnte, glatte Eisebenen hat "New Horizons" erspäht, vielleicht sogar Dünen. "Hätte ein Künstler diesen Pluto vor dem Vorbeiflug gemalt, hätte ich wahrscheinlich gesagt, das ist übertrieben – aber so sieht es tatsächlich aus", kommentierte Alan Stern, Hauptverantwortlicher der Nasa-Mission, die Aufnahmen von dem Zwergplaneten. Nun berichten Stern und sein Team im Fachblatt "Science" von der unerwarteten geologischen Aktivität auf Pluto und seinem größten Mond Charon. Sie fassen die neuesten Erkenntnisse zusammen.

Durchmesser: "New Horizons" hat erstmals den Durchmesser von Eiszwerg Pluto genau bestimmt: Er misst 2374 Kilometer. Eine Abplattung wie etwa bei der Erde durch die Eigenrotation konnte die Raumsonde nicht feststellen - der Zwergplanet ist kugelrund.

Oberfläche: Plutos Oberfläche wird von Eis bestimmt. "New Horizons" hat jedoch Berge fotografiert, die sich bis in 3000 Meter Höhe recken. Das Stickstoff-, Kohlenmonoxid- und Methan-Eis, das bereits vor dem Besuch der Raumsonde auf dem Zwergplaneten nachgewiesen wurde, ist für derart hohe Berge viel zu weich. Die Forscher nehmen daher an, dass diese Eissorten vielerorts nur eine relativ dünne Schicht auf der Oberfläche bilden und sich darunter das deutlich härtere Wassereis zu Bergen türmt. Plutos Gebirge, die es durchaus etwa mit den Rocky Mountains in Nordamerika aufnehmen können, bestehen also aus Eisbergen.

Einschlagkrater: Davon gibt es auf Pluto erstaunlich wenige - gemessen an dem kosmischen Bombardement, dem der Eiszwerg im Kuipergürtel ausgesetzt gewesen sein dürfte. Die Krater müssen durch aktive geologische Prozesse verschwunden sein, folgern die Astronomen. Das bedeutet, dass etwa die völlig kraterlose Eisebene Sputnik Planum nur etwa 100.000 Jahre alt sein kann. Das ist sehr jung, gemessen am Alter des Sonnensystems von 4,5 Milliarden Jahren. Unklar ist, welche Energiequelle die geologische Aktivität antreibt.

Gletscher: Einiges in der Eisebene Sputnik Planum weist auf eine Art Gletscher hin. Das Eis scheint dort in Bewegung gewesen zu sein oder immer noch zu fließen. Aufnahmen zeigen, wie die Eisschichten Hindernisse umflossen haben.

Farbvielfalt: Die hat die Forscher verblüfft. Neben nahezu komplett weißen Eisebenen gibt es auf Pluto rötliche und leicht bläuliche Landschaften. Die Rottöne stammen vermutlich von Kohlenstoffverbindungen namens Tholinen, die sich mit Hilfe ultravioletter Strahlung oder durch den Beschuss mit schnellen kosmischen Teilchen aus dem Stickstoff-Methanmix auf Pluto bilden und schon in geringer Konzentration für gelbe bis dunkelrote Farbtöne sorgen.

Atmosphäre: Die ist dünner als erwartet. Der Luftdruck an Plutos Boden beträgt etwa 10 Millionstel Bar, das ist nur ein Hunderttausendstel des irdischen Luftdrucks. Unklar ist, ob die Atmosphäre sich erst kürzlich ausgedünnt hat. In der Atmosphäre fotografierte "New Horizons" Dunstschleier, deren Herkunft noch nicht geklärt ist.

Charon: Plutos größter Mond (mittlerer Durchmesser 1212 Kilometer) bietet erstaunlich abwechslungsreiche Landschaften. Unter anderem besitzt er ein gigantisches, kilometertiefes Canyonsystem, das mindestens viermal so lang ist wie der Grand Canyon auf der Erde. Die Canyons ziehen sich quer über Charons Oberfläche. Manche Forscher spekulieren, dass auf dem Mond womöglich vor langer Zeit ein unterirdischer Ozean gefroren ist und dabei durch die Volumenänderung die komplette Kruste aufgesprengt hat. Charon scheint ähnlich geologisch aktiv zu sein wie Pluto; auch bei ihm ist die Energiequelle dieser Aktivität unklar.

Hydra und Nix: Auch diese Pluto-Monde hat "New Horizons" untersucht. Hydra ist etwa 40 mal 30 Kilometer klein, Nix etwa 50 mal 30 Kilometer. Beide Minimonde reflektieren überraschend stark. Die Astronomen nehmen daher an, dass Nix und Hydra mit Wassereis bedeckt sind, das sauberer ist als auf Charon. Wie die beiden Plutotrabanten angesichts der zahlreichen Umwelteinflüsse im Kuipergürtel über Jahrmilliarden derart unbefleckte Oberflächen behalten konnten, ist momentan noch rätselhaft.

Quelle: n-tv.de, asc/dpa

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