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Fallstudie aus Italien Zwillinge haben verschiedene Covid-19-Verläufe

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Ein Zwilling gesundete schnell, einer geriet in Lebensgefahr.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Covid-19 kann fast unbemerkt verlaufen oder das Leben kosten. Für die unterschiedlichen Verläufe werden unter anderem genetische Unterschiede, Vorerkrankungen und Umwelteinflüsse diskutiert. Um so rätselhafter erscheint der Fall von erkrankten Zwillingen in Italien.

Auch Monate nach ihrem ersten Auftreten ist Covid-19 noch immer in vielem rätselhaft. Aus Italien wird nun von einem Fall berichtet, in dem eineiige Zwillinge sich mit Sars-CoV-2 infizierten. Obwohl ähnliche Krankheitsverläufe zu erwarten waren, gesundete ein Zwilling recht schnell, während der andere nur mit viel Glück überlebte. Den unterschiedlichen Verlauf hat Davide Lazzeroni von der Fondazione Don Carlo Gnocchi in Parma in den Annals of Internal Medicine beschrieben.

Die zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung 60-jährigen Brüder waren demnach eineiige Zwillinge, beide wohnten zusammen in einem Haus, arbeiteten gemeinsam in einer Autowerkstatt, beide waren mit einem BMI von 26 etwas übergewichtig und hatten leicht erhöhten Blutdruck. Vermutlich haben sich beide sogar bei der gleichen Person, einem Kunden der Werkstatt, angesteckt. Die beiden Brüder erkrankten sogar gleichzeitig. Zunächst hatten beide Fieber und eine verstopfte Nase. Es folgten Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Atemnot und trockener Husten.

Zehn Tage nach Beginn der Erkrankung wurden beide mit einer leichten Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert. Dort wurden beide vom selben Ärzteteam betreut und erhielten dieselbe Behandlung mit Sauerstoff, Paracetamol, Hydroxychloroquin, Darunavir/Cobicistat sowie zur Thromboseprophylaxe Enoxaparin. Trotz der ähnlichen Symptome zu Beginn nahm die Erkrankung jedoch dann einen unterschiedlichen Verlauf.

Bald gesund und todkrank

Ein Zwilling konnte nach einem unkomplizierten Verlauf, bei dem das Fieber schnell zurückging und sich auch die Lungenfunktion kontinuierlich verbesserte, schnell wieder nach Hause entlassen werden. Bei dem anderen Zwilling stieg das C-reaktive Protein, das in der Leber als Reaktion auf Entzündungen oder Tumore gebildet wird, kontinuierlich an. Nach einer kurzen Erholung kam auch das Fieber wieder. Nach drei Tagen nichtinvasiver Beatmung verschlechterte sich sein Zustand weiter, sodass der Patient schließlich auf die Intensivstation verlegt wurde.

Lazzeroni vermutet als Ursache für die Verschlechterung eine sekundäre bakterielle Infektion mit einem anaeroben Keim, die zu einem septischen Schock führte. Der Patient musste mit blutdruckunterstützenden Medikamenten, Antibiotika und Steroiden behandelt und vier Tage invasiv beatmet werden. Erst dann erholte er sich langsam. Nach 17 Tagen konnte er schließlich nach Hause entlassen werden.

Einen Grund für den unterschiedlichen Krankheitsverlauf bei den Zwillingen konnte Lazzeroni nicht ermitteln. Genetische Faktoren scheiden wegen der Ausgangslage der Zwillinge ebenso aus wie Umweltfaktoren. Außer dass der schwer erkrankte Zwilling nicht verheiratet war, waren die Patienteneigenschaften identisch. Der Zwilling, der sich schneller erholte, hatte - laut der Auswertung des PCR-Tests - zu Beginn sogar eine leicht höhere Viruslast. Da sie sich bei der gleichen Person angesteckt hatten, wird auch eine Virusmutation ausgeschlossen.

Lazzeroni zufolge "wissen wir immer noch wenig darüber, warum einige infizierte Personen an einer schweren Form der Krankheit leiden und andere asymptomatisch sind oder an einer leichten Erkrankung leiden".

Quelle: ntv.de, sba

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