Fundsache

Vor der Zeit der InkaForscher enthüllen antike Tiertransporte in den Anden

15.03.2026, 14:56 Uhr
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Die Federn, die in einem Grab gefunden wurden, sind mehr als tausend Jahre alt. (Foto: George Olah)

Schon Jahrhunderte vor den Inka florierte in Südamerika der Handel mit lebenden Papageien. Ein Forschungsteam findet Belege für einen aufwendigen Transport und längere Haltung der Tiere an der Küste. Die Erkenntnisse stellen alte Annahmen über isolierte Gesellschaften infrage.

Schon vor der Zeit der Inka florierte in Südamerika ein ausgeklügelter Handel mit lebenden Papageien über die Anden hinweg. Das schließt ein internationales Forschungsteam aus der Analyse von Federn aus einem Grab der antiken Stadt Pachacámac, die in der Nähe von Perus Hauptstadt Lima liegt. Sie war in der Zeit von 1000 bis 1470 das wichtigste religiöse Zentrum der Ychsma-Kultur.

Die in dem Grab gefundenen Federn stammen hauptsächlich von vier Papageienarten aus der Amazonasregion, wie das Team im Fachjournal "Nature Communications" schreibt. Die Vögel wurden demnach in ihrer Heimat lebend gefangen, Hunderte Kilometer weit über die Anden an die trockene Pazifikküste gebracht und dann dort gehalten.

Vor allem durch DNA-Untersuchungen und Isotopenanalyse habe man die Lebensumstände der Vögel rekonstruieren können, wird Erstautor George Olah von der Australian National University in Canberra in einer Mitteilung der Hochschule zitiert. "Unsere Modellierung der damaligen Lebensräume bestätigt, dass die westliche Seite der Anden für diese Arten vor tausend Jahren genauso unbewohnbar war wie heute. Diese Papageien sind klare Bewohner des Regenwalds mit einem natürlichen Aktionsraum von etwa 150 Kilometern."

Papageien bekamen die gleiche Kost wie ihre Halter

Die Federn stammen aus Bündeln, die in einem Elite-Grab von Pachacámac entdeckt wurden und auf die Zeit zwischen 1000 und 1400 datiert werden. Zunächst sequenzierte das Team die Genome von 25 Federn: Sie kamen demnach von vier Papageienarten: Scharlachara (Ara macao), Grünflügelara (Ara chloropterus), Gelbbrustara (Ara ararauna) und Mülleramazone (Amazona farinosa). Lediglich eine Feder stammt von einer Art, die in der ariden Küstenregion am Pazifik überwintert: der Schwalbenmöwe (Xema sabini).

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Das Bild zeigt das größte Ychsma-Grabbündel im Inneren eines Grabes. (Foto: Izumi Shimada)

Im Gegensatz dazu leben alle vier Papageienarten östlich der Anden im Amazonastiefland. Dass die Tiere von sich aus über die Anden geflogen sein könnten, hält das Team für ausgeschlossen.

Die genetische Analyse der Federn zeigt, dass die Papageien nicht an der Küste gezüchtet wurden, sondern aus ihrer tropischen Herkunftsregion lebend importiert wurden. Zudem deuten Analysen von Stickstoff- und Kohlenstoff-Isotopen darauf hin, dass die untersuchten Federn erst nach Ankunft der Vögel an der Westküste gewachsen waren. Sie zeigen laut der Studie, dass die Papageien mit Nahrung aus der Küstenregion gefüttert wurden. Eine solche hätten auch ihre Betreuer verzehrt, sagt Olah. "Ein klares Zeichen für eine längere Haltung nach ihrer Entnahme aus dem Regenwald."

Ähnliche Funde aus der Atacama-Wüste

Ein ähnliches Muster hatten Forscher zuvor schon 1000 Kilometer weiter südlich in der nordchilenischen Atacama-Wüste entdeckt: Dort fanden sie Überbleibsel von 27 Vögeln von mindestens sechs Papageienarten, die zwischen den Jahren 1100 und 1450 aus dem Amazonasgebiet importiert und dann in der Küstenregion gehalten worden waren.

Offenbar gab es damals ein ausgeklügeltes System, die farbenprächtigen Vögel, deren Federn vermutlich Wohlstand symbolisierten, im Amazonasgebiet zu fangen und mindestens 500 Kilometer weit lebend über die Anden zu bringen. Dafür rekonstruierten die Forscher auch verschiedene mögliche Routen über die Anden. Der Transport dauerte nach ihrer Einschätzung Wochen oder gar Monate.

"Wir können nun mit genetischen und isotopischen Belegen zeigen, dass von diesen Papageien nicht einfach die Federn gehandelt wurden. Sie wurden lebend transportiert, über dramatische Landschaften, für rituelle Zwecke an der Küste", sagt Olah. "Das stellt lange vertretene Vermutungen infrage, dass die Gesellschaften vor der Inka-Zeit isoliert oder zersplittert waren." Das Inkareich dehnte sich in Südamerika etwa ab Mitte des 15. Jahrhunderts bis ins 16. Jahrhundert stark aus und reichte vom heutigen Kolumbien bis nach Chile.

Quelle: ntv.de, Walter Willems, dpa

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