Politik
Das wäre Ihre Chance gewesen, Herr Schulz: Gäste in einer Kneipe verfolgen das TV-Duell
Das wäre Ihre Chance gewesen, Herr Schulz: Gäste in einer Kneipe verfolgen das TV-Duell(Foto: dpa)
Montag, 04. September 2017

Schulz' verpasste Chance: TV-Duell lässt Unentschlossene ratlos zurück

Laut der Mehrheit der Zuschauer kann die Kanzlerin das TV-Duell - wenn auch knapp - für sich entscheiden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der großen Gruppe der unentschlossenen Wähler. Die bleibt ratlos, wie das RTL-Wahl-Navi zeigt.

Der großen Gruppe der noch immer unentschiedenen Wähler hat das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem SPD-Spitzenkandidat Martin Schutz kaum eine Entscheidungshilfe gebracht. Laut einer Analyse des RTL-Wahl-Navi konnten 62 Prozent der Fernsehzuschauer, die sich für die Bundestagswahl am 24. September noch nicht festgelegt haben, beim TV-Duell keinen Sieger ausmachen. 21 Prozent der Zuschauer aus dieser Gruppe fanden, dass Merkel das Aufeinandertreffen mit ihrem Herausforderer für sich entscheiden konnte; 18 Prozent sahen Schulz als Gewinner.

Knapp drei Wochen vor der Wahl sind einer vor allem von der SPD häufig zitierten Schätzung zufolge rund die Hälfte der Wähler noch unsicher, wem sie ihre Stimme geben werden. Vor diesem Hintergrund galt das TV-Duell als wichtige Möglichkeit für Schulz, diese Wählergruppe zu erreichen. Der Analyse der Wahl-Navi-Daten zufolge ist ihm dies nicht gelungen.

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Nicht nur die Unentschlossenen konnte Schulz im TV-Duell nicht überzeugen. Die meisten anderen Gruppen unter den Zuschauern sahen einen - wenn auch glanzlosen - Sieg Merkels. Insgesamt fanden 38 Prozent, dass die Unionskandidatin sich besser geschlagen hatte, während 30 Prozent Schulz als Sieger ausmachten und 32 Prozent keinen Gewinner ausmachen konnten.

AfD-Anhänger bevorzugen Schulz

Die Wahrnehmung der Debatte fiel allerdings je nach Geschlecht, Alter und politischer Einstellung unterschiedlich aus. Wie zu erwarten war, sahen die meisten Unionsanhänger (75 Prozent) Merkel als Siegerin, die meisten SPD-Wähler (70 Prozent) dagegen Schulz. Auch FDP- (44 zu 19 Prozent) und Grünen-Anhänger (31 zu 18 Prozent) bewerteten Merkel besser als Schulz. Zuschauer mit einer Präferenz für die Linke allerdings und auch die rechte AFD sahen Schulz mit 36 zu 20 Prozent beziehungsweise 33 zu 16 Prozent als Sieger vor Merkel.

Eine unterschiedliche Wahrnehmung des Duells gab es auch zwischen den Geschlechtern: Bei den Männern trug Merkel nur einen äußerst knappen Sieg von 35 zu 33 Prozent davon. Demgegenüber konnte sie Schulz bei den weiblichen Zuschauern mit 42 zu 27 Prozent deklassieren. Eindeutig ist auch der Trend, wenn man das Bildungsniveau der Zuschauer betrachtet: Je höher der Abschluss, desto besser schneidet die Kanzlerin ab. Während bei den Befragten ohne Abschluss 39 Prozent Schulz und nur 29 Prozent Merkel als Siegerin sehen, hat die Unionskandidatin in den Augen von Menschen mit Fachschulabschluss, Abitur oder Studium besser abgeschnitten. Unter Promovierten bewerten 55 Prozent Merkels Auftreten als besser als das von Schulz.  

Für die Analyse des RTL-Wahl-Navis wurden die Angaben von gut 14.600 Online-Teilnehmern während und nach dem TV-Duell ausgewertet. Die Antworten wurden in einem wissenschaftlichen Verfahren nach Geschlecht, Alter, Bildung, Religion und anderen Eigenschaften der Teilnehmer gewichtet, um einen der deutschen Bevölkerung entsprechenden Querschnitt widerzuspiegeln.   

Quelle: n-tv.de

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