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In den Morgenstunden wird der Lkw abgeschleppt, damit die Spurensicherung das Fahrzeug untersuchen kann.
In den Morgenstunden wird der Lkw abgeschleppt, damit die Spurensicherung das Fahrzeug untersuchen kann.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 20. Dezember 2016

Ermittlungen zur Lkw-Attacke: Terror-Verdächtiger streitet alles ab

Der von der Polizei festgenommene Terror-Verdächtige leugnet, den Lkw in die Menschenmenge auf dem Berliner Weihnachtsmarkt gesteuert zu haben. Später erklären auch die Ermittler, dass sie womöglich den falschen Mann haben.

Nach der Festnahme eines Verdächtigen wegen des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt haben die Ermittler inzwischen Zweifel an dessen Schuld. "Es ist nach meinem Stand unsicher, ob es wirklich der Fahrer war", sagte der Berliner Generalstaatsanwalt Ralf Rother. Am Vorabend war ein Lkw in die Menge auf einem Berliner Weihnachtsmarkt gefahren - zwölf Menschen starben. Ein Mann, der ihn gefahren haben soll, war wenig später festgenommen worden.

Am Morgen durchsuchte die Polizei einen Hangar auf dem früheren Flughafen Tempelhof. Dort befindet sich Berlins größte Flüchtlingsunterkunft. Laut der Tageszeitung "Welt" soll der zunächst Festgenommene dort gemeldet sein. Bislang ist jedoch nicht offiziell bestätigt, dass die Razzia in Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt steht.

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Derweil erklärte Brandenburgs Innenminister und SPD-Politiker Karl-Heinz Schröter, dass eines der zwölf Todesopfer erschossen worden sei. Schröter berief sich dabei auf Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden. Bei dem Erschossenen handelt es sich vermutlich um den polnischen Kraftfahrer, der tot in dem Lastwagen aufgefunden wurde, diesen aber nicht gesteuert haben soll.

Der dunkle Lastwagen der am Montagabend auf den Weihnachtsmarkt gerast war, gehörte einer polnischen Spedition, wie deren Eigentümer Ariel Zurawski dem polnischen Sender TVN 24 sagte. Der Fahrer, sein Cousin, sei seit etwa 16.00 Uhr am Montag nicht mehr zu erreichen gewesen. Für ihn könne er die Hand ins Feuer legen, dass er kein Attentäter sei. "Ihm muss etwas angetan worden sein", mutmaßte er.

Der Lastwagen hatte Stahlkonstruktionen aus Italien nach Berlin transportiert, berichtete Zurawski. Wegen einer Verzögerung habe der Fahrer bis zum Dienstag warten müssen und den Lastwagen in Berlin geparkt. Die Berliner Polizei teilte dagegen mit, es bestehe der Verdacht, dass der Sattelschlepper in Polen von einer Baustelle gestohlen worden sei.

Terrorismusforscher zieht Vergleich zu Nizza

Auch der Terrorismusforscher Peter Neumann hält einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin für sehr wahrscheinlich. Im Gespräch mit n-tv sagte der Experte, der am King's College in London lehrt, dass die Anschlagsmethode auf den IS hindeute. In Nizza im Sommer 2016 und auch bei früheren Anschlägen 2014 seien bereits Lastwagen in Menschenmengen gefahren worden. 2014 seien nicht so viele Menschen zu Schaden gekommen, "deswegen ist es etwas untergegangen, aber genau diese Anschlagsmethode wurde auch damals schon vom Islamischen Staat durchgeführt".

Im vergangenen Juli waren 86 Menschen in Nizza ums Leben gekommen, als ein Terrorist mit einem Lastwagen über die Uferpromenade der Mittelmeermetropole fuhr. Für die Tat hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Verantwortung übernommen.

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Quelle: n-tv.de

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