Wirtschaft
Die Affäre um einen Schiedspruch zugunsten von Tapie hat jahrelang französische Gerichte beschäftigt.
Die Affäre um einen Schiedspruch zugunsten von Tapie hat jahrelang französische Gerichte beschäftigt.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Desaster für Ex-Adidas-Eigner: Tapie muss 404 Millionen Euro zurückzahlen

Ein weiteres, womöglich letztes Kapital einer Geschichte über Geld, Macht und Politik: Der französische Geschäftsmann Tapie muss 404 Millionen Euro an Schadenersatz zurückzahlen, urteilt Frankreichs Oberster Gerichtshof. Allerdings dürfte dies schwierig für ihn werden.

Villen in Saint-Tropez und Paris, eine Motoryacht und ein eigener Bombardier Business-Jet: Von diesem Luxus ist für den umstrittenen Geschäftsmann Bernard Tapie vielleicht bald nichts mehr übrig. Denn der 74-Jährige muss die gigantische Summe von 404 Millionen Euro an Schadenersatz zurückzahlen. Dies entschied nach jahrelangem Rechtsstreit Frankreichs Oberster Gerichtshof in letzter Instanz.

Video

Es ist ein weiteres, für Tapie möglicherweise das letzte Kapitel in einer weitverzweigten Affäre. In diese waren der Sportkonzern Adidas und die heutige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, ebenso verwickelt wie der zwielichtige Geschäftsmann Robert Louis-Dreyfus, der auch bei der DFB-Affäre um die WM 2006 eine Rolle gespielt haben soll.

Schusterte Schiedsmann Tapie Millionen zu?

Wie kommt die Summe von 404 Millionen Euro zustande? Im Jahr 2008 hatte ein Schiedsgericht Tapie diesen Betrag einschließlich Zinsen als Schadensersatz in einem Rechtsstreit mit  der Bank Crédit Lyonnais zugesprochen.

Der Hintergrund: Tapie hatte sich beim Verkauf von Anteilen am deutschen Sportartikelhersteller Adidas von der Bank Crédit Lyonnais geprellt gesehen und geklagt. 1990 hatte Tapie die Mehrheit an Adidas erworben und 1994 Crédit Lyonnais mit dem Verkauf seiner Anteile beauftragt. Die halbstaatliche Bank erwarb die Anteile für 2,085 Milliarden Franc selbst und verkaufte sie wenige Monate später für fast das Doppelte an Robert-Louis Dreyfus.

Der Schiedsspruch, welcher Tapie die 404 Millionen Euro zusicherte, wurde allerdings 2015 von einem Zivilgericht aufgehoben, weil ein Schiedsmann Verbindungen zu Tapie gehabt und die Entscheidung zu dessen Gunsten beeinflusst haben soll. Im Dezember 2015 verurteilte das Pariser Berufungsgericht den Geschäftsmann dann, die 404 Millionen Euro Schadenersatz zurückzahlen.

Die damalige französische Finanzministerin und heutige IWF-Chefin Christine Lagarde war in die Tapie-Affäre insofern verwickelt, weil sie grünes Licht für das umstrittene Schiedsverfahren gegeben und auch auf einen Einspruch gegen die hohe Entschädigung verzichtet hatte. Im Dezember war Lagarde deswegen von einem Gericht wegen Fahrlässigkeit im Amt schuldig gesprochen worden. Der Gerichtshof der Republik - ein Sondergericht für Amtsvergehen von Ministern - urteilte, dass sie nachlässig gehandelt habe, verhängte aber keine Strafe.

Acht Monate Haft nach Fußball-Manipulation

Nun muss Tapie den gigantischen Betrag von 404 Millionen Euro zurückzahlen. Es gilt allerdings als höchst unwahrscheinlich, dass ihm das vollständig gelingt. Er ist insolvent. Nach Angaben aus informierten Kreisen hat die französische Justiz aber Besitz des Geschäftsmannes im Wert von rund 90 Millionen Euro gesichert - unter anderem die Villa im südfranzösischen Saint-Tropez im Wert von 48 Millionen Euro.

Es war jedoch nicht die einzige Affäre im Leben von Tapie: Von 1986 bis 1994 war er zudem Aktionär und Präsident des  französischen Fußball-Klubs Olympique Marseille und gleichzeitig verantwortlich für einen der größten Skandale der europäischen Fußballgeschichte.

1993 zahlte er Schmiergelder an Olympiques Ligarivalen Valenciennes, um vier Tage vor dem Europapokal-Finale der Landesmeister gegen den AC Mailand seine Stars in der Ligapartie schonen zu können und trotzdem keinen Boden im Kampf um die fünfte Meisterschaft in Folge zu verlieren. Nach dem 1:0-Sieg gegen Milan, dem größten Triumph der Vereinsgeschichte, flog der Deal auf. Marseille wurde die Meisterschaft aberkannt und in die zweite Liga verbannt. Tapie musste für acht Monate ins Gefängnis.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen