Praxistest

Der preiswerte GLS Mercedes GLB 250 - kleines B aus großem S

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Der Mercedes GLB sieht wuchtiger aus als ein GLC, ist aber tatsächlich vier Zentimeter kürzer.

(Foto: Holger Preiss)

Dass die Mercedes B-Klasse nicht mehr den Nerv der Käufer trifft, ist bekannt. Da kommt so ein GLB gerade recht. Optisch ein kleiner GLS, bietet er Raum und Fahrkomfort zu einem wirklich attraktiven Preis im Sternen-Kosmos. Aber zu meckern gibt es ja immer was.

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Die Orientierung am Design des GLS verschafft dem GLB viel Platz im Innenraum.

(Foto: Holger Preiss)

So richtig verstehen muss man die Nomenklatur auch bei Mercedes nicht. Hat sich doch vor gut einem Jahr zwischen den GLA und den GLC ein ganz neues SUV in Form des GLB geschoben. Die Verständigungsschwierigkeit liegt übrigens nicht im Kürzel, sondern in der Größe. Dass so ein GLB einen GLA überragt, steht außer Frage. Dass er sich aber scheinbar auch über einen GLC erhebt, ist schon eher ungewöhnlich. Betrachtet man die technischen Daten der beiden Fahrzeuge genau, stellt sich das Ganze als optische Täuschung heraus. Der GLB ist mit einer Länge von 4,63 Metern tatsächlich vier Zentimeter kürzer als der GLC. Und auch in der Höhe überragt er den großen Bruder lediglich um vier Millimeter.

Schuld an diesem fälschlichen Eindruck ist das Design des GLB, das sich eindeutig am SUV-Flaggschiff GLS orientiert. Ein Umstand, der dem GLB auch mit Blick auf das Platzangebot im Innenraum zugutekommt. In der zweiten Reihe sitzen auch hochgewachsene Erwachsene gut, und Kinder können sich im Fond im wahrsten Sinne des Wortes tummeln. Jedenfalls so lange die ebenfalls verfügbare dritte Sitzreihe mit zwei weiteren Plätzen für Personen bis maximalen 1,68 Meter Körperhöhe entweder eingeklappt oder gar nicht geordert wurde. Andernfalls wird es dann doch etwas enger um die Knie.

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Man mag die Form des Mercedes GLB mögen oder nicht. Sie ist aber die eines echten SUV.

(Foto: Holger Preiss)

Auch für Fahrer und Beifahrer sind die Platzverhältnisse luftig, was in Summe natürlich der hoch bauenden Karosserie geschuldet ist. Und weil wir gerade den Platz im Blick haben, soll nicht verschwiegen werden, dass der auch im Gepäckabteil laut Datenblatt üppig ist. Für den Kofferraum vermeldet Daimler 560 Liter Stauraum ohne dritte Sitzreihe. Tatsächlich wirkt das Gepäckabteil deutlich kleiner, denn zwischen Hutablage und Boden ist nicht wirklich viel Platz. Wer hier also zuladen will, der muss ein Hochstapler sein. Wirft man die Rücklehne der zweiten Reihe um, versprechen die Schwaben 1755 Liter Ladefläche. Nun, wie dem auch sei, verreisen kann man mit dem GLB ohnehin nur ohne dritte Sitzreihe; andernfalls schrumpft der Kofferraum auf ein nicht mehr erwähnenswertes Maß.

Der richtige Motor tut not

Doch egal, wie man den GLB belädt, der richtige Motor tut not, damit die Fuhre flott vorankommt. Zur Wahl stehen fünf Motorisierungen: zwei Benziner und drei Diesel. Für den Test wurde der GLB 250 mit seinem Vierzylinder gewählt, der die Kraft von 224 PS aus zwei Litern Hubraum schöpft und bei Bedarf ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmetern zur Verfügung stellt. Diese Kombination braucht es aber auch, um die 1,6 Tonnen ordentlich anzuschieben. Der Beschleunigungswert mit 6,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 gefällt ausgesprochen gut. Dabei muss der Fahrmodus-Schalter nicht mal in die Sportstellung gebracht werden. Der Vierzylinder ballert nach einer kurzen Gedenksekunde mächtig voran.

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Der Vierzylinder mit seinen 224 PS treibt den Mercedes GLB 250 flott voran, ist aber auch kein Kostverächter.

(Foto: Holger Preiss)

Wer den Schub noch etwas verschärfen will, der wählt den Fahrmodus Sport. Das hat aber auch zur Folge, dass jetzt ein Soundaktuator einen knurrigen Motorsound in den Innenraum künstelt. Während draußen friedliche Ruhe herrscht, will die Geräuschkulisse den Insassen Silberpfeil-Gefühle beibringen. Aber ganz ehrlich? Das gelingt nicht. So flott sich der allradgetriebene GLB 250 dank einer sehr guten Lenkung, eines ausgezeichneten Fahrwerks und des wirklich ansprechenden Vierenders auch bewegen lässt, ein Sportwagen wird nicht aus ihm, und das erwartet der Fahrer eigentlich auch nicht. Insofern fühlt er sich eher genervt, wenn ihm bei dynamischer Fahrt pausenlos der Rummel-Motoren-Sound ins Ohr brabbelt.

Apropos Geräusche: Mit einer Endgeschwindigkeit von 236 km/h ist der Fahrer schon versucht, auf freier Strecke die Reisegeschwindigkeit bei Tempo 160 einzupendeln. Das ist auch gut so, denn darüber hinaus werden die Windgeräusche im Innenraum deutlich hörbar. Was im Zusammenspiel mit dem Abrollgeräusch, den im AMG-Paket enthaltenen 19-Zoll-Rädern und dem schon erwähnten Soundmodul dann schon eine ganz schöne Packung ist.

Der schluckt ordentlich was

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Der Innenraum des Mercedes GLB ist den Designern wirklich gut gelungen. Dass es keinen extra Knopf für das Hauptmenü der Klimaanlage gibt, ist ärgerlich.

(Foto: Holger Preiss)

Die Packung gab es auch beim Spritverbrauch. Der recht agile Vierender genehmigte sich nämlich im Schnitt über 100 Kilometer satte 9,6 Liter. Und das bei vorzugsweise verhaltener Fahrweise. Ob das daran liegt, dass bei kurzem Kick auf das Gaspedal die Elektronik die Drehzahlen über einen viel zu langen Zeitraum über 3000 Umdrehungen hält, damit der nächste Pedal-Punch schwungvoll umgesetzt wird, kann hier nur gemutmaßt werden. Aber da der GLB kein Rennwagen ist, wäre das kurze Atemholen des Turboladers, das man ohnehin hat, wenn man spontan das Gaspedal bewegt, zugunsten eines geringeren Verbrauchs durchaus zu verschmerzen.

Dies wäre dann auch noch mal der Punkt, um darauf hinzuweisen, dass die weitaus charmantere Motorisierung für den GLB der 220d sein dürfte. Der Vierzylinder-Diesel leistet zwar nur 190 PS, gleicht das aber durch sein maximales Drehmoment von 400 Newtonmeter aus. Im Sprint auf Tempo 100 ist er eine satte Sekunde langsamer, und in der Endgeschwindigkeit müssen 217 km/h reichen. Aber was die Effizienz bei Verbrauch und CO2-Ausstoß betrifft, liegt der Diesel eben immer noch vor jedem Benziner. Denkbar wäre auch ein Hybridantrieb für den Schwaben.

Welche Investition lohnt?

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Die Sitze im Mercedes GLB sind klasse und wer die in Längsrichtung verstellbaren Sitze in der zweiten Reihe bestellt, der hat genau dort Platz ohne Ende.

(Foto: Holger Preiss)

Doch wenden wir uns noch einmal den Tatsachen zu. Da wäre zum Beispiel der Preis. Der startet beim Testwagen bei 42.659 Euro. Das ist im Sternenkosmos erstaunlich preiswert. Selbst der Endpreis mit 54.781 Euro wird den Leser jetzt nicht zur Schnappatmung veranlassen. Nur zum Vergleich: Ein GLC 200 startet bei 46.058 Euro. Ja, zugegeben, unter der Haube arbeitet ein Vierzylinder mit 48-Volt-Architektur und die Kraft wird über eine 9-Gang- statt eine 8-Gang-Automatik verteilt. Letztgenanntes spielt aber eigentlich keine Geige, denn die 8 Stufen werden so geschmeidig hoch- und runterbewegt, dass man an dieser Stelle keinen Grund hätte, noch eine Stufe mehr zu wollen.

Nun, wie dem auch sei, die Preisdifferenz beim GLB von gut 12.000 Euro ist dann am Ende doch beachtlich. Hauptanteil hat das AMG-Paket mit 3422 Euro und die Fahrassistenzsysteme für 1786 Euro. Die möchte man bei einer Voraussicht von bis zu 500 Metern nicht missen, denn Abstandstempomat, Verkehrszeichenerkennung, Spurhalte- und Stauassistent sind schon Features, die man einfach lieben lernt. Auch der aktive Parkassistent ist eine echte Schau. Nicht nur, dass er die Lücken vermisst, er fährt den Wagen wirklich ohne jedes Zutun des Fahrers längs und quer in die Lücke. Ob es das von Mercedes viel gelobte MBUX, das hauseigene Multimediasystem mit Augmented Reality, also einer kameragestützten Naviagtionsführung, an Kreuzungen braucht, muss jeder für sich entscheiden. Der Autor fühlte sich von den auf dem großen Zentralmonitor entgegenkommenden Autos im wuseligen Stadtverkehr jedenfalls eher irritiert als unterstützt.

Ebenso unwirklich ist die Kommunikation mit der virtuellen Helferin, die nach wie vor mit "Hey Mercedes" geweckt wird. Mal davon abgesehen, dass die Verständigung zwischen Mercedes und dem Autor nicht ideal war, reagiert das System immer noch, wenn in einem Passagiergespräch das Wort "Mercedes" fällt. Ein Umstand, der schon lange zu den Akten gelegt sein sollte. Hier gilt also: Assistenzsysteme ja, MBUX na ja. Extra Geld will Daimler übrigens auch für elektrisch anklappende Außenspiegel und eine induktive Ladestation für das Smartphone. Erstgenanntes kostet 464 Euro, zweites wird mit 232 Euro berechnet.

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Der Kofferraum des Mercedes GLB wirkt recht groß. Viel Platz wird aber im doppelten Ladeboden verschenkt.

(Foto: Holger Preiss)

Wer wirklich zu viel Geld hat, der sollte beim GLB 343 Euro für die Ambientebeleuchtung investieren. Die hat im Zusammenspiel mit dem extrem gelungenen Innenraum wirklich Charme. Da ziehen sich Lichtbänder durch die Türinnenverkleidung, laufen um den Mitteltunnel herum und sind auch im Dashboard zu finden. Wenn die dann noch die Farben wechseln, dann muss man schon sagen: Das hat echt was. Ja, das kann sogar die Stimmung an einem grauen Autofahrtag heben.

DATENBLATTMercedes GLB 250
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,63 m/ 1,83 m/ 1,66 m
Radstand2,83 m
Leergewicht (DIN)1670 kg
Sitzplätze5
EmissionsklasseEuro 6d
Motor/HubraumVierzylinder Benziner mit 1991 Kubikzentimetern Hubraum
max. Drehmoment E-Motor350 Nm
Getriebe8-Gang-Automatik-Getriebe
Leistung Vierzylinder245 PS (165 kW) bei 5500 - 6100 U/min
max. Drehmoment Vierzylinder350 Newtonmeter bei 1800 - 4000 U/min
KraftstoffartBenzin
Kofferraum570 - 1755 Liter
Höchstgeschwindigkeit236 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,9 s
Verbrauch laut Hersteller kombiniert7,4 - 7,2 l
Testverbrauch9,6 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
169 - 165 g/km
Grundpreis42.659 Euro
Preis des Testwagens54.761 Euro

Fazit: Der Mercedes GLB ist als "kleiner" GLS ein wirklich gelungenes SUV, mit dem wohl in der G-Familie besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Raumangebot ist üppig, die Fahreigenschaften ausgezeichnet und bei den Motoren wird man das Passende finden, wenn man sich über den primären Einsatz im Klaren ist und auch die Hybridvarianten ins Portfolio aufgerückt sind.

Quelle: ntv.de