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Autokauf Bar oder Raten?

Aktuelle Berichte rund um den Fahrzeugmarkt lassen den Autoverkäufer als mitleiderregendes Wesen erscheinen: Schließlich gehen seit einer gefühlten Ewigkeit regelmäßig die Zahlen der Neuzulassungen zurück, versuchen die Hersteller, mit immer neuen Rabatt- und Sonderaktionen doch noch den einen oder anderen Interessenten in die oft menschenleeren Schauräume zu locken. Doch auch wenn sich ein möglicher Käufer deswegen in einer starken Position wähnt, die ihm Nachlässe in einst unbekannter Höhe ermöglichen könnten, sollte sich niemand davon blenden lassen. Auch heute noch ist ein neues Auto eine kostspielige Anschaffung - und das wirklich günstigste Bezahlmodell ist trotz verlockender Angebote meist nur durch intensive Rechenarbeit zu erkennen.

Wenn es darum geht, wie ein neues Auto bezahlt werden soll, gibt es traditionell drei Möglichkeiten: Finanzierung, Leasing oder den Kauf mit Bargeld. Das Leasing allerdings spielt gerade für private Käufer laut der vom Mineralölkonzern Aral in Bochum initiierten Studie "Trends beim Autokauf 2007" nicht mehr als eine Nebenrolle: Nur 11 Prozent der Befragten gaben an, dass sie für ihr nächstes Autos Leasing als Bezahlungsart wählen würden. Überraschen mag aber ein anders Ergebnis: Der Anteil der Barzahler sinkt zwar, trotzdem wollen immer noch 40 Prozent der Käufer ihren nächsten Wagen auf diese Art und Weise erwerben. Großer Gewinner ist jedoch die Finanzierung: Im Vergleich zu einer entsprechenden Umfrage zwei Jahre zuvor stieg der Anteil um 12 Prozentpunkte auf nun 41 Prozent.

Warum Leasingangebote keinen wirklich großen Anteil erreichen, ist für die Experten klar: "Leasing lohnt sich eigentlich nur, wenn man die Leasingrate von der Steuer absetzen kann", sagt Bernd Ruschinzik, Jurist bei der Verbraucherzentrale Berlin. Denn nur Selbstständige können solche Fahrzeugkosten entsprechend geltend machen. Das private Leasing ist dagegen laut Sabine Götz, Sprecherin des Automobilclubs von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main "die teuerste Variante" unter den Möglichkeiten, ein Auto zu bezahlen.

Teure Zusatzkilometer

Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern) weist außerdem auf mögliche Fallstricke in Leasingverträgen hin. So werden etwaige niedrige Monatsraten eventuell dadurch erkauft, dass nur eine recht geringe Kilometerleistung pro Jahr vereinbart wird - jeder zusätzliche Kilometer muss am Ende teuer bezahlt werden.

"Die Finanzierung ist im Endeffekt die günstigste Möglichkeit für den privaten Käufer", sagt Sabine Götz. Allerdings ist auch hier die Aufmerksamkeit des Interessenten gefordert - denn die Finanzierung gibt es in verschiedenen Ausprägungen. Eine Spielart ist die sogenannte Ballonfinanzierung, die schon manchen Käufer in die Bredouille gebracht hat. Hier lockt zunächst eine niedrige monatliche Rate, die allerdings durch das dicke Ende in Form einer sehr hohen Schlussrate erkauft wird. Andere Modelle sehen eine höhere Zahlung beim Kauf und danach moderate monatliche Zahlungen vor. Außerdem gibt es Modelle, die ohne solche Ausreißer auskommen, dafür aber recht hohe monatliche Raten verlangen.

Barzahler oder Ratenkäufer

Die Barzahlung schließlich gilt als Klassiker, der auch heute noch vor allem von der eher konservativ denkenden Kundschaft bevorzugt wird. Die Theorie: Wer mit Bargeld beim Händler auftaucht, hat bessere Chancen, auch noch einen großzügigen Rabatt herauszuschlagen. Außerdem gehört dem Käufer das Auto dann auch wirklich von Anfang an, kein Kreditinstitut hat seine Finger im Spiel.

In der Realität lässt sich nach Ansicht der Experten aber nicht pauschal sagen, welches Bezahlmodell grundsätzlich das richtige ist. So ist bei der Finanzierung auch zu überlegen, wo denn der Kredit für den Wagen aufgenommen werden soll. Mal kann die Bank des Autoherstellers mit den oft verlockend niedrigen Zinsen die bessere Wahl sein - mal ist es dann doch die Hausbank in Verbindung mit einem ordentlichen Rabatt für den nun ja als Barzahler auftretenden Kunden.

Keine Geschenke

Selbst wer das nötige Geld für die Barzahlung auf dem Konto hat, sollte noch einmal nachdenken: "Man sollte sich zumindest einmal überlegen, was passiert, wenn man das Geld anlegt und den Wagen finanziert - vielleicht bekommt man ja doch höhere Zinsen für das angelegte Geld", sagt Sabine Götz. Und in Einzelfällen kann sogar ein Leasingangebot eine gute Sache sein.

Im Endeffekt kommt es immer auf den Einzelfall an. Jeder Käufer muss die Angebote genau durchrechnen und auch daraufhin untersuchen, wie sie sich mit der eigenen finanziellen Lage vereinbaren lassen. Arnulf Thiemel weist außerdem darauf hin, dass nicht nur der Kaufpreis über die Gesamtkosten entscheidet. "Auch der Verbrauch, die Steuern, die Wartungskosten und die Kosten für Ersatzteile sind zu beachten." Zudem gilt, dass auch ein mitleiderregender Autoverkäufer nicht darauf aus ist, dem Käufer ein Geschenk zu machen. "Jeder Händler will ein Geschäft mit dem Kunden machen", so Arnulf Thiemel. Am besten natürlich eines, das auch noch guten Gewinn bringt.

Quelle: n-tv.de

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