Auto

Wenn Sprit zur Passion wird Benzin nicht nur im Blut

Es war in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts, als ein zwar begabter aber nicht übermäßig erfolgreicher italienischer Rennfahrer beschloss, das Lenkrad gegen die Box einzutauschen. Er wollte sich künftig darauf konzentrieren, einen Rennstall zu führen, anstatt selbst um die Kurven zu flitzen. Sein Name war Enzo Ferrari und niemand konnte ahnen, was sich daraus entwickeln würde.

Ferrari begann Rennwagen zu bauen. Erste Testfahrten verliefen vielversprechend. Auch weil er von Anfang an die Unterstützung eines großen Unternehmens hatte: Der Öl-Konzern Shell brachte sich ein in den Rennstall, lieferte Benzin und unterstützte auch finanziell die ersten Gehversuche des Italieners. Doch dann kam der Krieg und es dauerte bis 1949, bevor Enzo Ferrari sein erstes Formel-1-Auto auf die Strecke bringen konnte.

Treibstoff führte zum Erfolg

Wie wichtig hochwertiges Benzin damals war, zeigte sich schon bei den ersten Rennen. Nach dem Krieg wurde Treibstoff aus allem zusammengemischt, was eben da war. Flugzeugbenzin war die Basis. Je mehr desto besser, denn die Motoren hatten schwere Stahlkarosserien zu bewegen. Umso wichtiger, auf einen gut erprobten und effizienten Treibstoff zurückgreifen zu können.

Der Erfolg von Ferraris Team ließ nicht lange auf sich warten. 1950 wurde zum ersten Mal eine Formel-1-Rennserie ausgetragen, wie wir sie heute kennen. Noch waren die großen Abräumer im Alfa Romeo unterwegs. Bis zum Grand Prix in Silverstone siegte Alfa in jedem Rennen. Gegen die kompressorgetriebenen Alfettas schien kein Kraut gewachsen.

Zeitenwende in den Fünfzigern

Doch Ferrari trat mit dem neuen 375 an und schickte Jos Froilin Gonzlez ins Rennen. Der V12-Motor mit einem Hubraum von 4,5 Litern war das effizienteste Triebwerk auf der Strecke. Mit optimiertem Treibstoff und den besten Verbrauchswerten gelang dem italienischen Rennstall 1951 der erste Sieg in der Formel 1. Gleichzeitig begann eine neue Ära, bei der die technische Weiterentwicklung der Autos von nun an im Vordergrund stand.

1961 konnte Ferrari das erste Mal die Konstrukteurs-WM gewinnen. Fahrertitel gab es zuvor genügend, unter anderem durch Motorsportlegende Juan Manuel Fangio. Doch die Konstrukteurs-WM war für das bereits erfolgreiche Duo Ferrari und Shell die Krönung der Zusammenarbeit.

Das erste Drama von Monza

Doch zuvor ereignete sich in Monza eine der schwärzesten Stunden der Formel-1-Geschichte. Wolfgang Graf Berghe von Trips fuhr seine besten Saison im Ferrari Dino. Als Führender in der Gesamtwertung brauchte der deutsche Adlige nur noch einen Sieg, um die Weltmeister zu werden. Doch in der zweiten Runde des Rennens kollidierte er in der Anfahrt der Parabolica mit dem Engländer Jim Clark. Durch den Zusammenstoß prallte der Ferrari auf einen Erdwall und gegen die Drahtabzäunung vor der Tribüne. 15 Zuschauer wurden getötet, 60 weitere verletzt. Graf Berghe von Trips wurde aus dem Auto geschleudert und starb an einem Genickbruch.

Innovationen auf der Strecke

In den Siebzigerjahren änderte sich viel im Formel-1-Sport. Die Aerodynamik wurde immer wichtiger, die so genannten "Ground Effect"-Wagen setzten sich Ende des Jahrzehnts durch. Diese Autos mit geschlossenen Seitenkästen und enormen Heckspoiler kennen wir im Prinzip bis heute.

Auch das Thema Sicherheit wurde immer wichtiger. Tödliche Unglücksfälle, wie die von Jochen Rindt oder Jim Clark, brachten ein neues Bewusstsein für das Thema und nebenbei das Aus für den Nürburgring als F1-Strecke. Gefasst wurde der Beschluss schon vor dem schrecklichen Unfall von Niki Lauda im Jahr 1976. Auch beim Benzin wurden Standards eingeführt. Abenteuerliche Mischungen, wie sie in den fünfziger und sechziger Jahren noch gängig waren, wurden verboten.

Erkenntnisse vom Motorsport für die Straße

Der Aufwand von Shell als Kraftstofflieferant wurde jedoch nicht geringer. Man versuchte, die Erkenntnisse aus den Rennen in die kommerziellen Kraftstoffe einfließen zu lassen. Dazu wurde die Forschung und technische Analyse während der Rennen nochmals erheblich verstärkt. In dieser Zeit entstanden spezielle Kraftstoffe, die heute die Grundlage für Premium-Sprit wie Shells V-Power bilden. Diese Symbiose besteht noch immer. Dennoch legte Shell bis in die frühen Neunziger eine Pause in der Verbindung mit Ferrari und der Formel 1 ein.

Seit dem Wiedereinstieg kann die Partnerschaft zwischen Shell und Ferrari auf zahlreiche Erfolge zurückblicken. Angefangen im Jahr 2000 mit dem ersten Fahrertitel durch Michael Schumacher für Ferrari seit 1979 oder den sieben Konstrukteurstiteln seit 1999. Die Rolle des Treibstoffs hat sich dabei stark gewandelt. Durch die Standardisierung ist es für die Techniker heute eine Gratwanderung geworden, einerseits die Grenzwerte einzuhalten und andererseits höchste Effizienz im Verbrennungsprozess herzustellen. Eine Aufgabe, an der Shell weltweit ein Heer von 50 Ingenieuren arbeiten lässt.

Vielsagendes von Öl und Benzin

An jedem Rennwochenende werden mehr als 40 Proben des Treibstoffs und der Motoröle genommen. Sieben Ingenieure arbeiten in einem speziellen Laboratorium im Ferrari-Bereich an der Analyse der Proben. Mit Stolz ist von den Technikern zu hören, dass sie sogar die unterschiedlichen Stile der einzelnen Fahrer aus den Proben ablesen können. Frei nach: Zeig mir das Öl und ich sage dir, wer fährt.

Aber die Proben dienen natürlich keinen Ratespielen: Die Haltbarkeit der Motoren zu erhöhen, ist heute eine der Hauptaufgaben der Shell-Ingenieure. Durch die Metallabriebe in den Ölen können die Experten sehr genau den Zustand des Motors feststellen. Die Art, Beschaffenheit und Menge von Metallen im Öl lassen Schlüsse auf den Zustand von Verschleißteilen, Leistungsfähigkeit und Ausfallwahrscheinlichkeit des Motors zu. Daten, deren Wert man auch bei Ferrari zu schätzen weiß. Schließlich könnte kaum ein Mechaniker so genau den Zustand seines Motors erspüren. Nicht zuletzt sind die Ferrari-Erfolge der letzten zehn Jahre auch auf die unerhört niedrige Ausfallquote zurückzuführen.

Quelle: n-tv.de