Die "Karpaten-Kutsche" wird 60Dacia - von der billigen Ostkarre zum günstigen Volksauto

Vom Hinterwäldler zum Hipster - und zur Marke für bezahlbare Automobilität: Wie gut Dacia der Sprung gelungen ist, zeigt die Renault-Tochter durch die Pole-Position im Privatmarkt und sogar im Rennsport. Eine Erfolgsstory, die 1966 undenkbar war, damals als Dacia mit "Karpaten-Kutschen" Rumänien motorisieren sollte.
Es war einmal in Rumänien - die Geschichte von Dacia klingt wie das Märchen vom armen Aschenputtel, das königlich heiratet. Alles begann im Mai 1966. Damals überließ Renault der rumänischen Staatsführung die Lizenz zur Fertigung eines Volksautos. Der Dacia 1300 - ein Duplikat des französischen Frontantriebstyps Renault 12 - sollte das durch den "Eisernen Vorhang" von Westeuropa abgeschottete Agrarland zum modernen Industriestandort transformieren und in millionenfacher Auflage in Pitesti am Rande der Karpaten montiert werden. Für die rumänischen Machthaber ein Prestigeprojekt, und so überholten sie mit dem Launch des Dacia-Werks sogar die Sowjetunion, die 1966 mit Fiat eine Fertigung des Typs 124 als Lada fixiert hatte, aber erst 1970 die Bänder anlaufen ließ.
Damals lieferte Dacia schon seit zwei Jahren seine Renault-Klone aus, ab den frühen 1970ern auch ins geteilte Deutschland. Allerdings wurde Qualität bei Dacia klein geschrieben, entsprechend berüchtigt waren die "Karpaten-Kutschen" für häufige Defekte. Kaum zu glauben daher der Relaunch der Marke nach der politischen Öffnung Osteuropas: 1999 wurde Dacia Teil des Renault-Konzerns, und die Franzosen schafften, woran viele Ostmarken scheiterten.
Dacia Duster als Papamobil im Einsatz
Der neue Dacia Logan/MCV verblüffte als global billigster Fünf- bis Siebensitzer - und durch Robustheit. Noch heute sind hierzulande 75 Prozent aller jemals verkauften Logan im Einsatz, Rekord im Konkurrenzumfeld. Sogar Kultstatus erreichte Dacia mit dem SUV Duster, der als Anti-Statussymbol beworben wurde und als päpstliches "Papamobil" im Einsatz ist. Längst ist Dacia für Discount-Käufer die erste Wahl und die Nummer eins im Privatmarkt.
Heute eilt Dacia (ein historischer Name für das Gebiet des heutigen Rumäniens) mit preiswerten Kleinen und Kompakten von Erfolg zu Erfolg, immer mit dem Anspruch, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten und so in einem Markt, der von rasant steigenden Neuwagenpreisen geprägt ist, speziell Privatkäufer zu gewinnen. Rabatte braucht die Discount-Marke nicht zu geben; die Technik ist aktuell, setzt jedoch keine Trends wie vergleichbare Renault-Modelle.
Modelle, die Privatkunden lieben
Dafür liefert Dacia genau die Modelle, die Privatkunden lieben: SUV wie Duster und Bigster oder Lademeister wie den Jogger (in den globalen Kombi-Verkaufscharts auf Platz vier hinter dem Toyota Corolla) und den winzigen Spring als Billig-Stromer für den Stadtverkehr.
Nicht zu vergessen der Sandero: Während Kleinwagen-Klassiker wie Ford Fiesta, Hyundai i10 oder Mitsubishi Colt ins Museum geschickt wurden, duelliert sich der Dacia Sandero mit seinem technischen Genspender Renault Clio um die Führung in den europäischen Neuzulassungen. Weitere potenzielle Verkaufsschlager sind bei Dacia passend zum 60. Markengeburtstag in Vorbereitung: Neben dem neuen Lifestyle-Kombi Striker könnte der drei Meter kurze Dacia Hipster punkten, sofern er die Jugend für das Segment der Leichtfahrzeuge begeistert.
Kundentreue und Coolness-Faktor
Den Dacia-Höhenflug - in einigen Märkten wie Deutschland überholten die Rumänen sogar die Konzernmutter Renault - konnten nicht einmal andere Budgetanbieter wie Citroen, Fiat oder Chinesen beenden. Zumal Dacia-Kunden zufriedene Kunden sind, die bei einem Neukauf fast immer "ihrer" Marke treu bleiben - und Dacia sogar eine gewisse Coolness zugestehen. Zu erleben zuletzt beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, wo ein Dacia Logan ähnlich viel Beifall erntete wie der vom vierfachen F1-Weltmeister Max Verstappen gefahrene AMG-Mercedes.
Dacia im Rennsport, eine solche Idee hätte Rumäniens Staatsoberhaupt Nicolae Ceaușescu vermutlich als vollkommen abwegig empfunden, als er vor 60 Jahren entschied, in dem Land zwischen Karpaten und Schwarzem Meer die Automobilwerke Uzina de Autoturisme Pitesti (UAP) zu gründen. UAP sollte mit Dacia-Limousinen und -Kombis die rumänischen Arbeiter und Bauern motorisieren und das Politbüro mit repräsentativen Fließheckmodellen versorgen.
Lizenz von Renault
Renault lieferte die Vorlagen für die Lizenzfertigung, allerdings nicht den angefragten avantgardistischen R16, sondern zuerst nur den konservativen Heckmotortyp R8. Daraufhin ließ Ceaușescu am 23. August 1969 - entgegen dem Lizenzvertrag - noch vor dem in Paris geplanten Debüt des Renault 12 den ersten Dacia 1300 vom Band rollen. Eine Provokation gegenüber den Franzosen, die in allen osteuropäischen RGW-Staaten (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) registriert wurde: Rumänien war der Aufstieg zum Hersteller eines topaktuellen Automobils gelungen - und die DDR bestellte für 1971 ein Kontingent Dacia 1300.
Extravagantes Design im Heckbereich, Komfort als Familienfahrzeug und Frontantrieb: Der Gallier aus Pitesti faszinierte damals mehr als Polski-Fiat 125p, Skoda 100 oder Moskwitsch 412, enttäuschte jedoch durch "Montagefehler", sprich eklatante Qualitätsdefizite.
Rostige Pannenkarre und billiger Allradler
Pannen und eine hohe Rostanfälligkeit schadeten dem Ruf des Dacia auch in Westeuropa. Dort wurde das Renault-Derivat erst 1975 als Low-Budget-Alternative zum besser verarbeiteten und 40 Prozent teureren französischen Original eingeführt, kam aber nicht auf große Stückzahlen.
Immerhin wirbelte Dacia ab 1984 mit dem als Duster vermarkteten Offroader Aro Typ 10 speziell in Großbritannien so viel Staub auf wie die legendäre TV-Musik-Show "Top of the Pops". "The biggest value on earth comes to town", versprach die Werbung für den Duster, und in der Tat war kein Allradler billiger. Nicolae Ceaușescu war zufrieden, brachte Dacia doch so reichlich Devisen ins Land.
Eigene Karosserievarianten
Bald kümmerte sich Dacia nicht mehr um Lizenzen, baute eigene Karosserievarianten: Aus dem Dacia 1300 gingen die Typen 1310 bis 1410 hervor plus Fastbacks, Sportcoupés, Pick-ups und Transporter. Die rumänische Nomenklatur schmückte sich mit einem großen Schrägheck, dem Dacia 2000. Dahinter versteckte sich der Renault 20 TL, der mit V6-Motor und R30-Signet in Paris zum Präsidentenfuhrpark zählte.
Als erstes konstruktives Eigengewächs zeigte Pitesti 1986 den Kleinstwagen 500 Lastun, der vollkommen unausgereift in Serie ging und scheiterte. Anders der clever gemachte Dacia Nova, der in den 1990ern die Allianz mit Renault vorbereitete. Damals brachte der politische Wind of Change Skoda unter das Dach von VW, und Dacia wurde 1999 eine Marke im Renault-Konzern.
Viel hat sich seitdem geändert, wie der Reigen der Erfolgsmodelle Logan, Sandero, Duster, Spring, Jogger oder Bigster zeigt. Vor allem aber ist es die Marke, die an Faszination gewann. Ähnlich wie die Discounter Aldi und Lidl zeigt Dacia, dass billig auch gut sein kann. Großer Nutzwert inklusive Robustheit zum kleinen Preis, damit überzeugte zuerst der Dacia Logan: Für den Preis eines Golf gab es 2005 zwei gut ausgestattete Logan.
"Deutschlands günstigstes SUV"
Seit dem 2010 lancierten Duster scheint Dacia endgültig fast alles zu gelingen, zumal "Deutschlands günstigstes SUV" als erstes Modell der Marke eine echte Fan-Community gewann. Outdoortrends bedient Dacia heute mit allen Modellen - nur eins ist seit 1966 gleich: Es sind vor allem Privatkunden, die Dacia mit seinen preiswerten Volksautos erreichen will.
Chronik
1943: In Colibasi, einem Vorort von Pitesti (ungefähr 140 Kilometer nordöstlich der rumänischen Hauptstadt Bukarest), wird ein Werk zur Produktion von monatlich 600 Flugzeugmotoren und aeronautischer Technik eröffnet, die Basis für die späteren Produktionsanlagen von Dacia
1952: Im Werk Colibasi werden Fertigungsanlagen für Nutzfahrzeugteile und Baugruppen installiert, dies als Zulieferer für die rumänische Nutzfahrzeugindustrie
1960: Pläne zum Aufbau einer nationalen rumänischen Automobilindustrie werden diskutiert, die wirtschaftliche Struktur des Landes ist noch auf Agrarwirtschaft ausgerichtet
1965: Nicolae Ceausescu kommt in Rumänien an die Macht, und er will die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Sozialismus durch ein Volksfahrzeug demonstrieren, das Dacia heißen soll. Der Markenname Dacia bezieht sich auf die historische Bezeichnung des Gebiets, in dem das heutige Rumänien liegt. Den international ausgeschriebenen Pitch um das Autowerk in Pitesti gewinnt Renault mit Unterstützung der französischen Regierung gegen Konkurrenten wie Austin und Auto-Union (DKW)
1966: Als Uzina de Autoturisme Pitesti (UAP) wird das Automobilunternehmen Dacia zwischen Renault und Rumänien im Mai des Jahres per Lizenzvertrag gegründet. Eigentlich wünschte sich die rumänische Regierung einen Lizenzbau des Renault 16, aber Renault bewilligt zunächst den preiswerteren Renault 8 Major als Überbrückungsmodell bis zum Start des Renault 12 Ende 1969
1967: Bau des neuen Automobilwerks in Colibasi bei Pitesti in nur 18 Monaten, Eröffnung im Mai 1968
1968: Kurz vor Serienanlauf des ersten Dacia-Automobils erhält das Unternehmen das erste Markenlogo, dies mit einem Wappenadler und den Initialen UAP für Uzina de Autoturisme Pitesti. Ab 3. August erfolgt die Lizenzfertigung des Renault 8 Major als Dacia 1100 bis zum Serienstart des Renault 12. Der erste Dacia 1100 wird vom rumänischen Staatsoberhaupt Nicolae Ceausescu übernommen und gefahren. In diesem Jahr werden 2.030 Dacia 1100 ausgeliefert
1969: Passend zum rumänischen Nationalfeiertag am 23. August rollt der erste Dacia 1300 vom Band. Die offizielle Weltpremiere des Dacia 1300 mit 54 PS starkem, längs eingebautem 1,3-Liter-Vierzylinder erfolgt beim Autosalon Bukarest und der Renault 12 debütiert danach beim Pariser Automobilsalon. Der Dacia 1300 ist in zwei Ausstattungen als Dacia 1300 und 1300 L (Luxe) lieferbar
1970: Anfang des Jahres erhält der Dacia 1100 eine kleine Modellpflege, außerdem wird eine kleine Auflage des Dacia 1100 S mit leistungsgesteigertem Motor produziert
1971: Die Fertigung des Dacia 1100 läuft Ende des Jahres nach 37.546 Fahrzeugen aus. Erste Dacia-Exporte in die DDR. Für Funktionäre der rumänischen kommunistischen Partei wird der Dacia 1301 ins Programm genommen, eine Variante des Renault 12 TS mit 60 PS Leistung
1973: Der 1300 Break erweitert das Dacia-Programm. Nun ist der Dacia 1300 auch in größerer Stückzahl in der DDR erhältlich, dies zu Preisen ab 23.450 Mark. Anfangs sind die Wartezeiten für den Dacia im Renault-Design länger als für Lada/Shiguli. Als sich jedoch die anfänglich nachlässige Fertigungsqualität des Dacia herumspricht, lässt das Käuferinteresse am Rumänen nach
1974: Neu ist die Variante Dacia 1301 Lux Super, später erweitern Dacia 1300 F (zweisitziger Lieferwagen) und Dacia 1300 S (Krankenwagen) das Angebot
1975: Ab diesem Jahr werden die Dacia-Modelle unter dem Slogan "Dacia Mamamia!" (Der Abba-No1-Hit "Mamma Mia" lässt grüßen) u.a. in Westeuropa, Kanada, Südafrika oder China verkauft. Einführung des Dacia 1302 Pick-up, der bis 1982 in rund 2.000 Einheiten gebaut wird. Der Transporter Renault Estafette wird in 842 CKD-Sätzen an Dacia geliefert und bis 1978 als rumänischer Transporter vermarktet
1976: Der Dacia 2000 startet als Variante des Renault 20 für rumänische Parteifunktionäre
1978: Die in Ganderkesee ansässige (Pressearbeit und Marketing aber in einem Kölner Büro) Orion Motor GmbH verkauft den Dacia 1300 L (40 kW/54 PS) in der Bundesrepublik zu Preisen ab 9.080 Mark, den 1300 L Break zu Preisen ab 9.890 Mark. Dacia vereinbart im Juni mit Renault die Produktion des Renault 18, am Ende aber verweigert Dacia überraschend die Vertragsunterzeichnung und geht eigene Wege. Trotzdem entstehen einige Fahrzeuge des Typs Dacia 18, die an Behörden verteilt werden
1979: Bei der Bukarest-Autoshow wird der überarbeitete Dacia 1310 mit Doppelscheinwerfern gezeigt, der Marktstart erfolgt aber erst zwei Jahre später
1980: Neues Selbstbewusstsein zeigt Dacia durch ein neues Markenlogo in Schildform und dem Markennamen Dacia, der den Wappenadler und die Initialen UAP ersetzt. Die Tagesproduktion liegt bei 300 Einheiten, insgesamt beschäftigt Dacia 20.000 Mitarbeiter. Dacia präsentiert den Prototyp eines Sportcoupés, das 1983 den Produktionsstart der Modelle 1310 Sport und 1410 Sport initiiert, die auch im Rallyesport eingesetzt werden. Entwicklungsbeginn eines Kleinwagens, der 1986 als Dacia 500 Lastun vorgestellt wird
1981: Der Dacia 1310 wird in verschiedenen europäischen Ländern verkauft, u.a. auch erfolgreich mit Rechtslenkung in Großbritannien als Dacia Denem, der Pick-up wird als Dacia Shifter exportiert. Neu ist außerdem der Dacia Duster, eine Exportversion des rumänischen Geländewagens Aro 10
1982: Neu sind die Pick-up- und Nutzfahrzeugvarianten des Dacia 1304, die in Evolutionsstufen bis Ende 2006 gebaut werden und eine Tonne Nutzlast haben
1983: Die Kölner J.A. Woodhouse GmbH bietet ein zehn Modelle umfassendes Programm rumänischer Pkw, Geländewagen und leichter Nutzfahrzeuge an. Diese werden sämtlich unter der Marke Aro vermarktet, der Dacia 1310 deshalb als Aro Familia zu Preisen ab 7.690 Mark bzw. als Kombi zu Preisen ab 9.500 Mark
1984: Dacia liefert erstmals mehr als 100.000 Fahrzeuge in einem Jahr aus
1985: Modellpflege für alle Pkw-Modelle mit frischem Frontdesign. Inzwischen werden Dacia-Modelle global vermarktet, sogar für Kanada gibt es Exportversionen mit zwei Benzintanks. In Polen wird ein Dacia 1310p angeboten
1986: Der 2,95 Meter kurze Kleinwagen Dacia 500 Lastun debütiert mit einem 0,5-Liter-Zweizylindermotor (17 kW), wird aber drei Jahre später wegen Qualitätsproblemen eingestellt
1988: Neuer Spitzentyp Dacia 1320, besonders als Taxi im Einsatz
1989/1990: Rumänische Revolution, die die Ära des zuletzt diktatorisch agierenden Nicolae Ceaușescu beendet und grundlegende politische Veränderungen herbeiführt
1991: Neu ist der Dacia 1325 Liberta, der die Revolution im Namen trägt und bis 1996 in Produktion bleibt, aber nur in 5.200 Einheiten verkauft wird
1992: Alle Dacia-Modell erhalten die mit dem 1320 lancierte Kunststoff-Front, der viertürige Dacia 1309 als Crossover zwischen Pick-up und Kombi wird auch auf dem chinesischen Markt eingeführt
1994: Neues Facelift (CN2) mit modifiziertem Front- und Interieurdesign. Als neues Modell debütiert der Dacia Nova, eine kantige Limousine/Hatchback, deren Designentwicklung auf das Jahr 1983 zurückgeht, dies ohne französischen Einfluss. Der Ruf des Dacia Nova leidet durch Zuverlässigkeits- und Rostprobleme, bis 1996 eine Qualitätsoptimierung erfolgt
1997: Der rumänische Handels- und Industrieminister kontaktiert Renault-Konzernchef Louis Schweitzer, bezieht sich dabei auf die "langjährigen Gemeinsamkeiten". Schweitzer lässt prüfen, ob das geplante Logan-Projekt in Rumänien realisiert werden kann
1998: Das Jubiläum "30 Jahre Dacia-Autobau" feiert der rumänische Hersteller mit der Auslieferung des zweimillionste Fahrzeugs. Letzte Modellpflege für den Dacia 1310 (CN4), erkennbar u.a. am neuen Frontdesign und an größeren Heckleuchten beim Kombi. Der Dacia 1310 wird für umgerechnet ca. 4.200 Euro verkauft
1999: Renault erwirbt 51 Prozent der Dacia-Anteile und will bis 2003 insgesamt 219 Millionen Dollar investieren, u.a. in die Modernisierung des Werks. Dacia wird im September eine Marke des Renault-Konzerns. Schon am 2. Juli kommt es zum Vertragsschluss zwischen Dacia und Renault über die Entwicklung eines 6.000-Dollar-Autos (später 5.000-Euro-Autos), des künftigen Dacia Logan (X.90-Projekt), für aufstrebende Märkte
2000: Als Evolution des Dacia Nova debütiert der Dacia SuperRNova mit Motor und Getriebe des Renault Clio 1.4
2002: Dacia liefert 53.000 Autos aus und hält in Rumänien einen Marktanteil von fast 50 Prozent
2003: Dacia erhält erneut ein frisches Logo, das den Hersteller nun in Westeuropa bekannt machen soll. Neu ist der Dacia Solenza, eine Weiterentwicklung des Nova/SuperRNova. Der Solenza verfügt als erster Dacia über Airbag und Klimaanlage. Die Solenza-Fertigung läuft in 79.209 Einheiten bis März 2005 und wird dann zugunsten des Logan eingestellt. Der Solenza dient als Testlauf für die Logan-Fertigung
2004: Die Renault Group hält 99 Prozent der Dacia-Anteile. Am 21. Juli rollt der letzte Dacia 1310 (eine Limousine) vom Band und direkt ins Werksmuseum. Vom Dacia 1300/1310/1320 wurden 1.979.730 Einheiten gebaut. Renault investiert 489 Millionen Euro, um das Werk Pitesti zu modernisieren. Im August feiert der Dacia Logan Weltpremiere, Marktstart in Osteuropa und der Türkei
2005: Marktstart des Dacia Logan in Deutschland, dies zu Preisen ab 7.200 Euro. Im ersten Verkaufsjahr der Renault-Ära erzielt Dacia hierzulande 2.048 Zulassungen. Eine Besonderheit ist der fixe Preis, Preisverhandlungen der Kunden und Rabatte sind nicht möglich. Der internationale Vertrieb des Logan erfolgt in einigen Märkten auch mit Renault-Logo. Pitesti hat eine jährliche Produktionskapazität von 200.000 Fahrzeugen und 150.000 CKD-Sätzen
2006: Eröffnung des Renault Technology Center Romania. In Deutschland erzielt Dacia in diesem Jahr 6.300 Zulassungen. Auf dem Genfer Salon debütiert der Kombi Dacia Logan MCV als fünf- oder Siebensitzer. In Westeuropa avanciert der Logan MCV zum großen Erfolg (in Deutschland ab 2007). Der letzte Dacia Pick-up auf Basis des 1300 wird am 8. Dezember ausgeliefert. Insgesamt wurden 2,5 Millionen Dacia der Baureihen 1100/1300 und Pick-up gefertigt. Angeblich gab es für Exportfahrzeuge bis 1991 eine separate Produktionslinie, auf der noch sorgfältiger auf eine hohe Qualität geachtet wurde
2007: 17.545 Zulassungen in Deutschland in diesem Jahr, dazu trägt der Dacia Logan MCV bei
2008: Eröffnung des Designstudios Renault Central Europe in Bukarest/Rumänien. Ein neues Dacia-Logo wird eingeführt, nun nicht mehr in klassischer Schildform. Dacia erzielt in diesem Jahr 25.609 Zulassungen in Deutschland. Der Dacia Sandero (auf Basis des Logan) debütiert auf dem Genfer Salon, auch ein Pick-up-Modell wird lanciert. Als Nissan Aprio wird der Dacia Logan in Mexiko gebaut
2009: Marktstart von Sandero Stepway und der leichten Nutzfahrzeuge Logan Express und Logan Pick-up. Erste Autogas-Modelle der Marke sind Sandero 1.4 MPI LPG und Logan 1.6 MPI LPG. 84.851 Zulassungen in Deutschland, Dacia profitiert von der Abwrackprämie ("Umweltprämie"). Zu den Stars des Genfer Salons zählt das Concept Car Dacia Duster, Vorbote des gleichnamigen SUV, von dem am 8. Dezember erste Bilder gezeigt werden. Das Dacia-Werk in Pitesti ist auf eine Jahreskapazität von 350.000 Einheiten erweitert worden
2010: Der Duster feiert seine Publikumspremiere auf dem Genfer Salon und dies in 4x4- und 4x2-Konfiguration. Europäischer Marktstart am 18. März. Im September wird im rumänischen Titu ein Test- und Entwicklungszentrum für Dacia eröffnet mit neun Teststrecken auf 32 Kilometern Länge
2011: Der Dacia Duster "No Limit" startet beim Pikes Peak Hill Climb in Colorado/USA. Nach einem Einbruch auf 40.297 Einheiten im Jahr 2010 erholen sich die deutschen Dacia-Zulassungen in diesem Jahr auf das Niveau von 43.500 Einheiten
2012: Auf dem Genfer Salon debütiert der Dacia Lodgy, ein MPV, der in neuem Werk in Marokko gebaut wird. Der Dokker folgt im Juni. Die neue Generation (Projekt X52) des Logan und Sandero wird im September beim Pariser Salon vorgestellt. Erster Turbomotor der Marke im Sandero TCe 90. Dacia verkauft weltweit 359.822 Fahrzeuge, von denen rund 230.000 Einheiten exportiert werden; auf Deutschland entfallen 46.600 Einheiten
2013: 47.200 Neuzulassungen in Deutschland
2014: Vorstellung der Crossover-Typen Lodgy Stepway und Dokker Stepway. Dacia verkauft in diesem Jahr in 43 Ländern 511.465 Fahrzeuge. Am 6. Mai läuft in Rumänien der fünfmillionste Dacia vom Band. In Deutschland kommt Dacia auf 50.700 Neuzulassungen
2015: Präsentation des automatisierten Schaltgetriebes "Easy-R" für Sandero, Sandero Stepway und Logan MCV. Dacia gelingen in Deutschland in diesem Jahr nur 47.500 Neuzulassungen
2016: Neuer Einstiegsbenziner SCe75 für Sandero und Logan MCV. 51.000 Neuzulassungen in Deutschland
2017: Bei der IAA in Frankfurt debütiert der Duster in zweiter Generation und Marktstart für den Logan Stepway. Dacia steigert den Absatz um 27 Prozent auf 64.900 Einheiten in Deutschland, der Marktanteil beträgt nun 1,75 Prozent
2018: Marktstart für den neuen Duster. Erstmals verkauft Dacia mehr als 700.000 Einheiten in einem Jahr, davon 74.523 in Deutschland
2019: Dacia Duster wird Papamobil für Papst Franziskus. Neue Turbomotoren TCe 130 GPF und TCe 150 GPF für den Duster. 83.500 Zulassungen in Deutschland
2020: Der vollelektrische Dacia Spring wird im Oktober vorgestellt als preiswertestes vollelektrisches Stadtauto in Europa, neben privaten Käufern soll der Spring auch Car-Sharing-Unternehmen überzeugen; Marktstart im Folgejahr. Auf der neuen modularen CMF-B-Plattform basieren die neuen dritten Generationen von Sandero, Sandero Stepway und Logan. Im ersten Jahr der Corona-Krise stürzen die Neuzulassungen in Deutschland auf 52.300 Einheiten ab
2021: Ein Höhepunkt der IAA Mobility München ist der neue Dacia Jogger. Im Zuge von Corona-Krise, Halbleiterknappheiten und Transportengpässen sowie einem krisengeschüttelten Automobilmarkt fallen die deutschen Dacia-Zulassungen auf 42.081 Einheiten. Dacia führt eine neue Markenidentität ein, optisch sichtbar an einem neuen Logo mit den ineinander verschlungenen Buchstaben D und C (sogenanntem "Dacia-Link" zwischen Marke und Kunden, aber von Dacia auch definiert als "Design-to-Cost"), neuem Frontdesign der Fahrzeuge und einer Farbpalette, die sich an Farbtönen der Natur orientiert. Dacia wird im Zuge der "Renaulution" eine eigene Business-Einheit innerhalb der Renault-Group
2022: Der Dacia Jogger feiert seinen Marktstart in Deutschland. Das Concept Car Manifesto gibt einen Ausblick auf die Zukunft des Dacia-Designs. Der zweimillionste Duster rollt vom Band. In Deutschland werden 60.505 Dacia zugelassen. Der Marktanteil von Dacia in Deutschland beträgt 2,3 Prozent
2023: Genau 80 Jahre nach den Ursprüngen von Dacia als Aeronautik-Werk ist der Automobilhersteller in 44 Ländern vertreten. Als erstes Hybrid-Modell debütiert der Dacia Jogger Hybrid 140. Das Concept Car Bigster gibt einen Ausblick auf ein SUV, das 2025 oberhalb des Duster positioniert wird. In Deutschland wurden bisher rund 845.000 Dacia ausgeliefert. Dacia überholt Renault in Deutschland bei den Neuzulassungen. Während Renault 68.312 Einheiten verkaufte, konnte Dacia 68.585 Autos zulassen (2,4 Prozent Marktanteil). In Europa überholt Dacia Ford und Opel, der Sandero ist mit 249.571 Neuwagen das drittbeliebteste Auto hinter dem Tesla Model Y (267.371 Einheiten) und dem Renault Clio, aber noch vor dem Golf (183.716 Käufer)
2024: Der Dacia Jogger hat sich in den globalen Charts der meistverkauften Kombimodelle mit 96.000 Einheiten auf Platz vier geschoben hinter Toyota Corolla, Skoda Octavia und Subaru Outback
2025: Der einmillionste Dacia in Deutschland wird ausgeliefert, der Bigster als erstes Dacia-Modell im C-Segment eingeführt. Dacia bekommt Konkurrenz durch Citroen und die chinesische Marke Leapmotor, die ebenso wie Dacia vor allem Privatkunden erreicht
2026: Dacia wird 60 und feiert den runden Jahrestag mit der Einführung des Lifestyle-Kombis Striker als Alternative zum SUV Bigster. Der von Ollis Garage Racing eingesetzte Dacia Logan meistert das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburging und erzielt einen ähnlich großen Kultstatus wie der von Max Verstappen gefahrene Mercedes-AMG