Über-SUV von Mercedes-AMGDer AMG GT erhält Zuwachs - höherer Performance-Allrounder kommt
Von Patrick Broich, Pebble Beach
Mercedes bereitet nach dem AMG GT Viertürer den nächsten Hammer vor: ein ähnlich geartetes SUV. ntv.de hatte nun Gelegenheit, eine Runde mit einem getarnten Entwicklungsauto zu drehen. Vorerst auf dem Beifahrersitz. Doch das war auch schon spannend.
Was haben sich die ersten Betrachter über den neuen elektrischen Gran Turismo namens AMG GT Viertürer die Mäuler zerrissen im Internet. Diesmal allerdings nicht bloß darüber, dass keine Verbrenner verfügbar sind, sondern insbesondere über seine Optik. Klar, das mutmaßlich ziemlich wilde Biest (1169 PS) wurde vor allem in extrovertierten Matttönen wie dem knalligen Gelb "Solarbeam" oder eben pechschwarz präsentiert. Solche Lackierungen polarisieren natürlich. Doch generell muss man die Erscheinung des Viertürers wollen, dezent ist anders. Ich möchte den besorgten Autofan-Mitbürgern zurufen: "Aber es kommt doch noch das verwandte SUV!"
Allein, wie es genau aussieht, ist der Weltöffentlichkeit bisher nicht bekannt. Dass es allerdings unscheinbarer gestaltet sein könnte als das sportive Halo-Car, darf man schon annehmen. SUV sind mittlerweile schließlich deutlich populärer als Gran-Turismo-Imageträger, da besteht Potenzial für Marktvolumen. Und das geht mit gefälligen Autos eben besser. Derzeit fahren getarnte Entwicklungsautos des SUV herum. Und dass sich hier etwas zusammenbraut, das selbst Zuffenhausen Kopfschmerzen bereiten könnte, ist gar nicht unplausibel.
Einen ganz kleinen Blick hinter die Kulissen hat AMG jetzt allerdings doch gewährt. Beziehungsweise: einen Platz auf dem Beifahrersitz nebst Entwicklungsingenieur. Wo könnte ein SUV mit Monster-Antriebsleistung besser hinpassen als nach Pebble Beach während der Monterey Car Week? Und wenngleich sich das mit Tarnfolie versehene Ungetüm weitgehend lautlos bewegt, fällt es doch auf inmitten dem Gewusel aus gemischter automobiler Ware exzellenter Klasse. Hier ein Hypercar, dort ein exklusiver Ferrari der 1950er, an der nächsten Ecke die Luxuslimousine.
Ganz ohne Sound sind E-Fahrzeuge nicht
Doch Moment, wie war das mit der Lautlosigkeit? Muss nicht sein, denn analog zum Viertürer kann auch das SUV kräftig herausposaunen. Ist ja logisch, gleiche Basis und so. Und ob der höher bauende AMG-Vertreter Sound macht oder nicht, die Urgewalt ausgehend von den Axialflussmotoren ist auf dem 17-Mile Drive bloß im Ansatz zu erahnen.
Okay, man muss dazusagen, die zugrundeliegende Technik ist zum jetzigen Zeitpunkt noch spekulativ - offiziell sagt AMG noch nichts zu den Dingen unter dem Blech. Aber da hier auch von AMG.EA als Unterbau die Rede ist, darf man ruhig mal davon ausgehen. Sekundärquellen sprechen beim SUV indes von bis zu 1360 PS, aber das muss man sehen.
Das SUV könnte für den einen oder anderen Performance-orientierten Kunden interessant sein - sei es wegen der höheren Sitzposition, die viele Fahrer als angenehm empfinden, oder eben wegen der deutlich erhöhten Praxistauglichkeit. Das Raumangebot ist zumindest über jeden Zweifel erhaben, so viel kann man nach kurzer Mitfahrt sagen. Ebenso lässt sich sagen, dass man so weit recht muckelig sitzt. Und die Gewalt, die ich an dieser Stelle noch nicht selbst kontrolliere, kann auf Wunschäußerung sanft einsetzen, je nach Fahrmodus aber auch brutaler. Am Ende ist auch in diesem Segment ein gewisser Komfort gefragt - Sportabzeichen hin oder her.
Beim Ladethema ist im Kontext mit dieser technischen Basis von wirklich ultrahoher Leistung zu sprechen. Analog zum Viertürer dürften 600 kW zur Debatte stehen und Zeiten von mehr oder weniger zehn Minuten, bis wieder 80 Prozent State of Charge erreicht sind. Dass der große AMG außerdem kaum unter 100 kWh Strom bunkern dürfte und daher nicht mit Reichweite geizen wird, liegt auf der Hand.
Bis der Konzern das Geheimnis um die Optik lüftet, vergehen noch ein paar Wochen. Die Weltpremiere ist für Oktober angesetzt. Bis zur Auslieferung könnte es dann Frühjahr 2027 werden. Kostenpunkt? Öffnet man heute den Konfigurator und klickt oder fingert auf die AMG-GT-Viertürer-Schaltfläche, ploppen etwa 115.000 Euro Startpreis für die Basis auf. Das ist derzeit der 53 mit 544 PS - er verzichtet indes auf die teuren Axialflussmotoren und lässt seine Power durch zwei Permanentmagnet-Synchronmaschinen generieren.
Allerdings pfeifen die Spatzen schon von den Dächern, dass mittelfristig noch eine rangniedrigere Variante zu erwarten sei. Die würde ja auch dem fetzigen SUV gut zu Gesicht stehen. Ein Sonderangebot dürfte der schnelle Allrounder dennoch kaum werden.