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Es war einmal in Trollhättan ... Der ewige Klassiker Saab 900

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Es gibt Hersteller, bei denen ist eigentlich jedes Auto schon bei der Markteinführung ein kommender Klassiker - wie bei Ferrari. Andere wiederum bauen über Jahrzehnte mehr oder minder gebrauchstüchtige Fortbewegungsmittel, die am Ende garantiert auf dem Schrott landen. Wer zum Beispiel würde einen angegrauten Lada für einen Oldtimer halten? Und dann gibt es noch einige wenige Marken, die eigentlich nur ordentliche Autos bauen wollen - und dann plötzlich einen überraschenden Treffer landen, der das Image des Herstellers für immer und ewig prägt. So wie Saab: Dort hat man in den 70er Jahren mit dem 900 ein Erfolgsmodell geschaffen, das vom Neuwagen übergangslos zum Klassiker reifte.

Besonders bei der Sicherheit konnte der Schwede stets punkten. Hier beim so genannten Elchtest.

Besonders bei der Sicherheit konnte der Schwede stets punkten. Hier beim so genannten Elchtest.

Autokrise, General Motors, Opel, Saab - all das gehört irgendwie zusammen. Und die Ankündigung der Insolvenz des schwedischen Autobauers rührte viele der wirklichen Autoliebhaber besonders stark. Denn obwohl vom Firmensitz in Trollhättan in den vergangenen Jahren eigentlich nur noch einigermaßen getarnte Opel-Derivate kamen, stand und steht Saab für eine liebenswerte automobile Schrulligkeit. Ob dieser Sonderstatus für eine Zukunft taugt, muss sich erst noch zeigen - egal ob im Augenblick mal wieder von einer Rettung oder einem endgültigen Aus gesprochen wird.

Wie auch immer die Geschichte der Marke weitergeht - gesprochen wird mit Sicherheit auch in vielen Jahren noch vom Modell 900. Und das, obwohl es sich dabei eigentlich nur um eine logische Weiterentwicklung der bestehenden Modellpalette handelte, die sich traditionell als recht begrenzt erweist.

Gegen Ende seiner Produktionszeit wurde der Saab 900 aerodynamischer.

Gegen Ende seiner Produktionszeit wurde der Saab 900 aerodynamischer.

Das gewisse Etwas an Merkwürdigkeit

Wer mit dem 900 nicht so vertraut ist, braucht sich nur ein Foto anzuschauen - und das Auto mit anderen Modellen aus den späten 70er Jahren zu vergleichen. Vor allem mit solchen aus der gehobenen Mittelklasse: Dazu gehörte ein Mercedes der Baureihe W123 ebenso wie der damalige 5er von BMW oder Opel Senator. Zu deren Merkmalen zählte die traditionelle Limousinenform mit Stufenheck und Kofferraum.

Gegen diese Autos trat Saab mit dem 900 an, der schon formal so gar nicht dazu passte. Zum Beispiel das Heck: Ein schräges Ende mit großer Klappe - so etwas bot man in Allerwelts-Autos wie einem VW Passat an, aber nicht in prestigeträchtigeren Modellen. Apropos Prestige: Unter der Motorhaube saß nicht etwa ein aufwendiger Sechszylinder, die Schweden beließen es bei vier Zylindern. Und wer sich einmal vom mittlerweile doch gewohnten Anblick eines Saab 900 losmacht und ihn wie beim ersten Mal betrachtet, kommt schnell zu der Erkenntnis, dass dieses Auto mit seinen langen Überhängen an Front und Heck etwas merkwürdig wirkt.

Im Endeffekt sollte es aber gerade dieses gewisse Etwas an Merkwürdigkeit sein, das dem 900er seinen langen Erfolg sicherte. Einen Mercedes - so etwas konnte jeder kaufen. Irgendeine Limousine mit Stufenheck auch. Wer aber aus der Masse herausragen wollte, konnte das mit dem Saab recht gut umsetzen.

Technisch auf der Höhe

Abgesehen davon musste niemand befürchten, die schrullige Optik mit rückständiger Technik zu erkaufen. Saab befand sich technisch durchaus auf der Höhe der Zeit, war in manchen Bereichen sogar wegweisend und fortschrittlich. So gelten Pollenfilter in einem Auto erst seit kurzer Zeit als halbwegs selbstverständliche Sache. Zum ersten Mal serienmäßig eingebaut wurden sie aber von Saab im 900. Auch über einen Seitenaufprallschutz wird eigentlich erst seit den 90er Jahren intensiver gesprochen - Saab hatte ihn schon damals.

Ein komplett neues Auto war der Saab 900 aber trotzdem nicht. Grundsätzlich handelt es sich um eine Weiterentwicklung des bis dahin gebauten Saab 99. Der präsentierte sich auch vom Design her schon ähnlich, trotzdem waren die Eingriffe nicht nur kosmetischer Natur: Während die hintere Hälfte des 99 im Grunde übernommen wurde, war der Vorderwagen neu und länger. Damit regierte der Hersteller auch auf neue Crash-Vorschriften in den USA - und übertraf die Anforderungen deutlich.

Im Innenraum mischte sich beim Saab 900 ebenfalls Moderne mit schwedischer Schrulligkeit und Klassik. So blickte der Fahrer auf ein neues Armaturenbrett, das zur besseren Bedienbarkeit und Übersicht leicht gewölbt war. Er saß in langstreckentauglichen Sitzen mit integrierten Kopfstützen, die auch über eine Sitzheizung verfügten.

Zündschlossplatzierung zwischen den Sitzen

Allerdings dürfte kaum ein Mensch, der vorher nie in einem Saab unterwegs war, den Wagen problemlos in Fahrt gebracht haben. Denn bei Saab fand man den bei nahezu allen anderen Marken üblichen Ort zur Platzierung des Zündschlosses unpassend. Statt den Schlüssel an der Lenksäule einzustecken, mussten Fahrer wissen, dass Saab das Zündschloss zwischen den Fahrersitzen einbaute - und dass sich der Schlüssel nur bei eingelegtem Rückwärtsgang wieder herausziehen ließ.

Bei aller Besonderheit vergaß man aber nicht, dass ein Auto fahren soll - möglichst sicher und gern auch mal schnell. Also verfügte der Saab 900 über ein ordentliches Fahrwerk. Den Vierzylinder-Motoren wurde außerdem in der Regel mit einem Turbolader zusätzliche Leistung eingehaucht: Während Basismodelle mit 74 kW/100 PS auskamen, gab es je nach Baujahr und Modell auch 132 kW/179 PS.

Die Kombination aus Exzentrik und technischer Moderne machte den 900 für den kleinen schwedischen Autobauer zum Erfolgsmodell. Und so wurde der 1978 vorgestellte Wagen ständig weiterentwickelt und verbessert. Schon das Modelljahr 1981 unterschied sich in zahlreichen Details von den ersten Fahrzeugen. Außerdem kam zu der Fließheckversion nun auch die gerade in Deutschland eher unbeliebte Stufenhecklimousine. 1987 unterzog Saab das Auto dann einem gründlichen Facelift - statt steil stehenden Scheinwerfern gab es künftig die aerodynamisch abgeschrägte Frontpartie.

Mit GM ging die Markenidentität verloren

Doch auch wenn der 900 zu diesem Zeitpunkt schon fast zehn Jahre Bauzeit auf dem Buckel hatte, war der eigentliche Höhepunkt seiner Geschichte gerade erst erschienen: 1986 wurde das viersitzige Saab Cabriolet präsentiert. Das basierte auf der als eher hässlich angesehenen Stufenheckversion, wurde aber durch den Verlust des Daches zur schönsten Modellvariante. Seinen Ursprung hatte das Cabriolet jedoch nicht in Schweden - die offene Version wurde beim kleinen Hersteller Valmet im finnischen Uusikaupunki produziert.

Bis dahin lief also alles durchaus im Sinne der Autoliebhaber - doch dann kam General Motors ins Spiel und übernahm Anteile. Dort hatte man jedoch ein arg begrenztes Interesse an typischen Besonderheiten einer Marke. Als es Zeit für ein Nachfolgemodell war, fand man es eine hervorragende Idee, dafür eine Bodengruppe und viele Teile aus dem Hause Opel zu verwenden. Vergessen wurde aber nicht nur die Markenidentität, sondern auch ein Thema wie die Zuverlässigkeit - der Rest ist Geschichte, wie auch immer diese enden mag.

Informationen zu Saab:

Der Markenname Saab steht für Svenska Aeroplan Aktiebolaget - also etwa: Schwedische Flugzeug Aktiengesellschaft. Denn gegründet wurde das Unternehmen 1937 zum Bau von Militärflugzeugen. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte man wegen der nachlassenden Nachfrage ein zusätzliches Geschäftsfeld: Der erste Personenwagen von Saab war das Modell 92001 von 1947, das zwei Jahre später als Saab 92 in Serie ging.

Quelle: n-tv.de, Heiko Haupt, dpa

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