Kompakt-Athlet mit Tradition Der schnellste Volkswagen ID.3 heißt jetzt GTI statt GTX
Von Patrick Broich, Hamburg
Obwohl das GTX-Label seinen Platz im Volkswagen-Geschichtsbuch hat, besitzt "GTI" deutlich mehr Strahlkraft. Demnach heißt der überarbeitete ID.3 als sportliche Speerspitze GTI. Passt gut zum runderneuerten Elektro-Kompakten. ntv.de saß bereits drin.
Eigentlich sind die ganzen markanten Technik-Bezeichnungen aus der Verbrennerwelt ja Unsinn für ein batterieelektrisches Auto - denn es gibt die Komponenten ja gar nicht. "Injektion" für Benzineinspritzung oder "Turbo" sind jedoch derart aufgeladene Begriffe, dass sie durchgetragen werden in die neue Welt. Zumindest malen sich das die Marketing-Menschen aus. Und zum 50-jährigen Jubiläum dieses Sportabzeichens kann man gleich eine weitere Runde "GTI" schmeißen, scheint sich Volkswagen gedacht zu haben.
Warum nicht pünktlich zum jüngst durchgeführten ID.3-Facelift? Als Topmodell heißt er also jetzt GTI statt GTX, und die bisherige Basis-Stufe entfällt. Das Performance-Label fällt aber ebenso weg. Also steigt die sportliche ID.3-Speerspitze gleich mit 326 PS sowie 545 Newtonmeter ein, um anderen Verkehrsteilnehmern die LED-Rückleuchten zu zeigen (0 bis 100 km/h in 5,6 Sekunden). Auch die Topspeed von 200 km/h bleibt gleich.
Dass es reichlich GTI-Flair gibt, merkt man schon beim Anblick der Sitzpolsterflächen mit den mehrfarbigen Zierstreifen. Sie dürfen als Anspielung auf das 1976 mit dem Golf I GTI eingeführten Schottenkaro gelten. Und dann wären da ja auch noch die generellen Annehmlichkeiten des überarbeiteten ID.3 namens Neo.
Ins Auge fällt insbesondere das neue Lenkrad mit den physischen Drucktasten nebst Kombiinstrument in größerer Ausführung samt neuer grafischer Oberfläche. Und statt eines umständlichen berührungsempfindlichen Sliders zur Lautstärkeregulierung verwenden die Niedersachsen jetzt wieder einen mechanischen Drehregler - endlich! Ebenfalls mechanisch ausgeführt präsentiert sich gleich eine ganze Knöpfchenreihe für die Klimaautomatik. Außerdem klicken die Taster mit einer metallenen, wertigen Schwere.
Stylische Felgen und Wabengitter
Und außen? Fallen stylische Achtloch-Aluräder mit dem Namen "Wörthersee" auf als kleiner Querverweis zum traditionellen GTI-Treffen in Kärnten. Was auf den ersten Blick hingegen nicht so auffällt, ist der Kurswechsel bei den Farbkontrasten. So lackieren die Kreativen Dach und Spoiler künftig in Wagenfarbe statt im früher üblichen Schwarzton. Ob das schöner aussieht, muss der Kunde entscheiden. Das Heck mit dem großen GTI-Badge unter dem VW-Logo wirkt jetzt jedenfalls weniger zerklüftet und stattdessen wie aus einem Guss.
Konsens dürfte darüber herrschen, dass ein GTI viel Wabengitter aufweisen muss. Das gilt natürlich auch für den elektrischen GTI, und die Gestalter haben dem Rechnung getragen sowohl vorn wie auch hinten. Wer beim Vorfahren dieses ID.3 immer noch nicht weiß, um welche Modellvariante es sich handelt, findet oberhalb der neuerdings installierten Lichtleiste abermals ein GTI-Emblem - eingearbeitet in die historische rote Leiste angelehnt an die rote Kühlergrill-Umrandung des Golf I GTI.
Ferner kommt der elektrisch angetriebene Athlet in den Genuss technischer Neuerungen. Zwar wird hier und heute noch nicht gefahren, aber Volkswagen hat angekündigt, dass sich der 4,29 Meter lange Hecktriebler künftig allein mit dem Fahrpedal steuern lässt (One-Pedal-Driving). Und zwar bremst er in diesem Fall bei Lupfen sogar bis zum Stillstand herunter per Rekuperation. Das gilt freilich nicht für Vollbremsungen.
Ein paar Daten gefällig zum Schluss? Die Reichweite taxiert der Konzern vor der endgültigen Homologation auf 601 Kilometer nach WLTP-Manier angesichts einer 79 kWh großen Batterie. Geladen wird mit maximal 183 kW. Langstreckentauglich ist das Topmodell also auch, zumal die modifizierten Sportsessel beim ersten kurzen Probesitzen recht körperfreundlich anmuten und sogar Massagen ermöglichen.
Neben dem Effizienzgedanken soll der ID.3 GTI jede Menge Fahrspaß bieten. Beispielsweise mit dem neuen GTI-Fahrprofil, das per großer, mit rot illuminierten GTI-Lettern versehener Lenkradtaste aktiviert wird. Dann werden vor allem die elektronisch verstellbaren Dämpfer, die Fahrpedalkennlinie sowie die Lenkung auf maximale Sportlichkeit getrimmt. Und die in bis zu 30 Farben erstrahlende Ambientebeleuchtung wechselt folglich auf Rot. Hoffentlich bald auf Grün dagegen schaltet Volkswagen den Konfigurator für den ID.3 GTI. Ob er dann noch pünktlich innerhalb des Jubiläumsjahrs zum Interessenten rollt, muss man abwarten. Auch die Preisgestaltung nennt der Konzern noch nicht, aber unter 50.000 Euro dürfte nicht viel gehen.