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Schön, Kult, aber ziemlich teuerNeue Vespa Sprint S 125 - unkomplizierter Achtelliterroller mit Flair

29.07.2026, 07:04 Uhr
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Auch in der Version Sprint S 125 ist die Vespa die ewig schöne Rollerikone - besonders sportlich ist sie aber nicht. (Foto: RKM)

Mit der Sprint S geht die optisch sportivste Version der Smallframe-Baureihe von Vespa an den Start, mit Neuerungen bei Technik, Optik und Funktion. Doch die sportliche Aufmachung kann die geringe Motorisierung nicht kaschieren. Und der Preis ist auch recht hoch.

Der Vespa-Kosmos unterteilt sich grundsätzlich in drei Welten: Die exklusive 946-Serie im extravaganten Styling, die Largeframe-Modelle GTS und GTV und die Smallframes Primavera und Sprint S, die so heißen, weil sie auf einer vergleichsweise schmalen Stahlblechkarosserie basieren. Für die Sprint S bedeutet das kompakte Abmessungen, schnittige Linien und eine im besten Sinne simple Handhabung, die ihr nicht zuletzt bei der weiblichen Klientel viel Kredit verschafft hat. Mit der aktuellen Überarbeitung holen die Italiener einen kleinen technologischen Rückstand auf und verlangen dafür 5600 Euro.

Nach außen dokumentieren sie das prägnant durch einige Änderungen, von denen vor allem die neugestalteten Leichtmetallgussfelgen ins Auge fallen. Gerade an der Front, wo dank Einarmschwinge die rechte Seite voll im Blick liegt, zeigt sich die neugewonnene sportlich-elegante Note. Den gleichen Effekt soll ein "Kühlergrill' mit fünf Schlitzen an der linken Backe erzielen, doch nicht nur Vespa-Kenner ahnen, dass es sich dabei um Fake-Design handelt - der Motor der S ist schließlich luftgekühlt. Optisch wichtigstes Erkennungsmerkmal der Sprint S ist und bleibt aber der eckige Scheinwerfer.

Und technologisch auf den heutigen Stand gebracht, denn statt eines Zündschlüssels wird der Motor über einen zentralen Drehknauf aktiviert, der im Nebenjob das Lenkschloss sowie das Handschuhfach bedient - sofern der passende Transponder in der Nähe ist. Beim Druck auf den Anlasser springt der luftgekühlte Dreiventiler sehr geräuscharm an, wie er sich überhaupt durch exquisite Manieren auszeichnet. Laufruhig übers gesamte Drehzahlband, leise, lastwechselarm und sehr genügsam mit 2,7 Litern Durchschnittsverbrauch ist der Dreiventiler ein echtes Kavalieraggregat.

Ab 70 km/h geht der Vespa die Puste aus

Leider übertreibt es der letztes Jahr an die Euro5+-Norm angepasste Single etwas mit der Zurückhaltung, zumindest in dynamischer Hinsicht: Seine maximal elf PS machen aus dem stehenden Start ein sehr durchschaubares Manöver, zudem geht der Sprint S trotz des Namens ab Tacho 70 so langsam die Puste aus. Mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 91 km/h balgt sie sich auf der Autobahn allenfalls mit osteuropäischen Logistikvertretern. Wem die pure Fahrdynamik nicht so wichtig ist, bekommt in der Sprint S einen auf Fahrbarkeit wie Sparsamkeit optimierten Antrieb mit geschliffenen Umgangsformen.

Diese zeigen sich gleichfalls beim klassischen Vespa-Fahrwerk, das typischerweise von einer gezogenen Einarm-Kurzschwinge vorn sowie einer Triebsatzschwinge mit Monofederbein am Heck getragen wird. Dazwischen gibt die schmale omegaförmige Stahlblechkarosse dem Ganzen Halt und verschafft der Besatzung zugleich ein großzügiges Ambiente. Aufrechter Oberkörper, lässige Kniewinkel und eine Position nah genug am Lenker für eine gute Fahrzeugkontrolle zählen zu den klassischen Komfortmerkmalen.

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Optisch wichtigstes Erkennungsmerkmal der Vespa Sprint S ist und bleibt der eckige Scheinwerfer. (Foto: RKM)

Genau wie das gute Ansprechverhalten und die satte Dämpfung der Vorderradführung, in denen jede Menge Fahrbahnunbill verendet. Andersherum lässt sie auch nur wenig Gefühl für den Untergrund aufkommen.

Andere Bremse

Erstmals in ihrer Geschichte verzögert die 125er-Small-Body hinten mit einer 220-mm-Stahlscheibe und Zweikolben-Festsattel statt der ewigen Trommelbremse. Das verschafft der Vespa heckseitig eine deutlich kraftvollere und dosierbarere Verzögerung, insbesondere im Vergleich zur wabernden Vorderbremse. Doch warum der hintere Verzögerer nicht gleich mit einem sicherheitsfördernden ABS versehen wurde, bleibt rätselhaft. So manch unsensible Bremser dürfte sich über das schnell blockierende Hinterrad erschrecken.

Spätestens der Blick aufs Instrumentarium versetzt den Sprint-Piloten in die Jetztzeit, denn dort bündelt ein volldigitales Cockpit sämtliche Fahrinformationen. Das erscheint indes ein wenig zu viel des Guten, zumal die Ziffern angesichts der vorhandenen Fläche durchaus etwas größer ausfallen könnten. Gleiches gilt für das knappe Staufach unter der anhebbaren Sitzbank - mehr als ein Jethelm passt hier nicht hinein.

Sportlichen Spirit verströmt die Sprint S entgegen den Marketingbehauptungen allenfalls durch ihre gelungene Optik. Effektiv hinkt die Dynamik dem schönen Schein hinterher. Wer darüber hinwegsehen kann, bekommt für 5600 Euro eine ziemlich hochpreisige, gleichsam elegante und kultige Form der individuellen Mobilität.

Vespa Sprint S 125 - technische Daten 

  • Motor: Luftgekühlter Einzylindermotor, 124 ccm Hubraum, drei Ventile pro Zylinder, ohc, 8,1 kW/11 PS bei 8.000 U/min, 10,7 Nm bei 6.250 U/min; Einspritzung, CVT-Automatik, Fliehkraft-Trockenkupplung, Riemen-Sekundärantrieb.

  • Fahrwerk: Durchgehende Blechpresskarosserie; Einarm-Kurzschwinge vorne, nicht einstellbar, 7,8 cm Federweg; Triebsatzschwinge, ein Federbein, Federvorspannung vierfach einstellbar, 7 cm Federweg; Leichtmetallgussräder; Reifen Michelin City Grip 2, 110/70-12 (vorne) und 120/70-12 (hinten). 20 cm Einscheibenbremse mit Zweikolben-Schwimmsattel vorne, 22 cm Einscheibenbremse mit Zweikolben-Festsattel hinten.

  • Assistenzsysteme: Vorderrad-ABS.

  • Maße und Gewichte: Radstand 1,34 m, Sitzhöhe 78,5 cm, Gewicht fahrfertig 135 kg, Zuladung 167 kg; Tankinhalt 8 Liter.

  • Fahrleistungen (Testangaben): Höchstgeschwindigkeit 91 km/h. Standgeräusch 81 dB(A). Testverbrauch 2,7 l/100 km, Reichweite 296 km.

  • Preis: 5600 Euro inkl. Nebenkosten

Quelle: ntv.de, Thilo Kozik, sp-x

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