Praxistest

Der Europäer unter den ChinesenXpeng G9 besticht durch viel Nutzwert und mit Turbobatterie zu fairem Preis

03.06.2026, 07:34 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich
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Durch gefälliges Design kann der XPeng G9 sich durchaus positiv bemerkbar machen. Mit wuchtiger Front sowie der schmalen Lichtleiste zieht er das Interesse der Passanten an. (Foto: Patrick Broich)

Zwar gehört Xpeng hierzulande nicht zu den bekanntesten chinesischen Marken, aber durchaus zu den ziemlich soliden. Und eine Sache kann der junge chinesische Hersteller besonders gut. ntv.de hat es am Beispiel eines G9 getestet.

Chinesische Autohersteller sind durchaus auf dem Vormarsch, auch in Europa. Freilich auf einem niedrigen Level - in Europa liegt der Marktanteil im niedrigen einstelligen Bereich über sämtliche Marken. Und in Deutschland? Ist vor allem BYD der optische Taktgeber im Straßenbild - von Januar bis April dieses Jahres hat der Player schon über 13.000 Autos auf den hiesigen Asphalt gelassen.

An diese Bekanntheit und vor allem Sichtbarkeit reicht Xpeng (noch) nicht heran - im gleichen Zeitraum kamen gerade einmal 1800 Fahrzeuge auf die Straße. Allerdings ist das Modellangebot begrenzt und ein ansehnliches Händlernetz befindet sich gerade erst im Aufbau. Deutlich über 100 Standorte sollen es werden in unseren Gefilden bis zum Jahresende.

Nimmt man aber Design, Qualität sowie Technologie als Maßstab, gehört XPeng zu jenen chinesischen Marken, die durchaus auf Augenhöhe mit den Europäern rangieren. Insbesondere der etwas kleinere G6 entpuppt sich als stylisches Auto - auch für den westlichen Geschmack. Der hier besprochene größere G9 präsentiert sich innen noch am ehesten einen Zacken ostasiatisch beim Layout verschiedener Dekorelemente oder der wenigen physischen Schalter. Äußerlich wirkt er jedoch weltläufig. Und er verfügt vor allem über reichlich Nutzwert.

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Mit 4,89 Metern gehört das SUV Xpeng G9 zu den stattlichen, aber nicht übergroßen Vertretern auf deutschen Straßen. (Foto: Patrick Broich)

Das 4,89 Meter lange SUV ist der ausladende Pampersbomber schlechthin inklusive weitläufiger Platzverhältnisse; mit 660 Litern Kofferraumvolumen fährt massig Gepäck mit, selbst mit vier Personen an Bord. Die ganz große Transport-Nummer wird es aber nicht, das schicke Fahrzeuglayout scheint einen Riegel davorzuschieben. So gehen 1576 Liter Maximalvolumen in Ordnung, sind aber nicht überragend. Ist denn überhaupt etwas überragend an diesem XPeng?

Viel Auto und Funktion zum überschaubaren Preis

Lass mal vertraut machen mit diversen Eigenschaften. Der G9 geht durchaus ein patenter Tourer durch, in dem Gäste leise an jegliche Ziele gebracht werden. Auf belüfteten, in Nappaleder gehüllten Massagesitzen lebt es sich außerdem ganz gut, wenngleich Noblesse wie Stil nicht ganz an die Fertigkeiten von Konsorten wie BMW X5 oder Mercedes GLE herankommen. Aber hey, diese mit 350 PS bestückt wie der XPeng G9 kosten auch eher 103.000 und nicht 63.000 Euro. Das ist der zentrale Punkt.

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Der XPeng-Schriftzug in großen Lettern auf dem Heckdeckel ist eine internationale Design-Spielerei. Und immer noch fein. (Foto: Patrick Broich)

Ein bisschen schade ist, dass der große Tourer nur in Verbindung mit Allradantrieb auf Luftbälgen liegen darf, ansonsten ist eine profane Stahlfederung gesetzt. Die macht ihre Sache aber nicht schlecht, bügelt pflegebedürftige Straßen recht wirkungsvoll glatt. Und über dieses Technikfeature trösten ein paar andere exotische Funktionen hinweg. So lassen sich die Massage-Fondsitze nicht nur klimatisieren, sondern auch noch elektrisch zurechtrücken (knapp 4000 Euro Aufpreis).

Und sonst? Das Stichwort für den Antrieb wurde ein paar Zeilen vorher ja bereits geliefert. Mit 350 PS bietet das Basismodell schon einen soliden Einstieg in die Welt der souveränen Fortbewegung. Zwar bringt der chinesische Allrounder nicht zuletzt wegen seines Akkus 2,3 Tonnen auf die Waage, aber das ist kaum etwas, womit 465 Newtonmeter Drehmoment nicht leichtes Spiel hätten. Sie wuchten das schwere Auto binnen 6,6 Sekunden auf Landstraßentempo und erlauben maximal 200 Sachen.

Dieser G9 verfügt übrigens lediglich über einen einzigen Permanentmagnet-Synchronmotor und verkneift sich somit die zweite Maschine, um die Effizienz hochzuhalten. Demnach besteht eine reelle Chance, mit 92 kWh Netto-Kapazität eine ordentliche Strecke zu schaffen. Laut gemittelter WLTP-Auskunft sind das 585 Kilometer. Da diese Produktion allerdings noch bei frostigen Temperaturen stattgefunden hat, gibt sie auch gleich eine valide Information darüber, wie sich elektrisch angetriebene Fahrzeuge in der kalten Jahreszeit so schlagen.

Das Laden ist der Wahnsinn

Eine ganz gute Funktion, an der sich etliche Hersteller mal ein Beispiel nehmen sollten, ist, dass der G9 erlaubt, die Reichweite für ein dynamisch gefahrenes Szenario auszuspucken. Viele User sind oft davon irritiert, dass der Reiserechner vieler Fahrzeuge zunächst eine hohe Reichweite anzeigt. Dann denkt man nach dem Laden, "ach, kein Ding, ich schaffe meine Streckenetappe ja problemlos" - aber nee, keine Chance, denn die Reichweite schmilzt nur so zusammen während der Fahrt. Ein zweiter Ladehalt wird dann doch wieder nötig.

Dieser XPeng hat immerhin über 400 Kilometer nach konservativer Lesart bei Minusgraden ausgewiesen bei gemischter Leistungsanforderung. Und der Knaller kommt ja noch. Selbst ein nachts bei minus fünf Grad Celsius durch und durch tiefgekühlter Akku hat es ohne Konditionierung innerhalb von 20 Minuten von 10 auf 78 Prozent geschafft im Test an einer 300-kW-Ladesäule. Und das mit LFP-Technologie, die immer als besonders träge bei niedrigen Temperaturen gilt.

Der Hersteller gibt für diesen Ladehub übrigens rasante zwölf Minuten an, was unter konditionierten Bedingungen durchaus glaubwürdig ist. Zumal der G9 Long Range mit bis zu 525 kW lädt. Das ist gerade jetzt spannend, da der Rollout von 600-kW-Ladesäulen bereits zaghaft stattfindet.

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Typisch chinesisch: Zwei architektonisch eher lustlose Riesen-Displays auf der Armaturentafel machen noch lange keinen adretten Innenraum. (Foto: Patrick Broich)

Wo könnte der Hersteller noch zulegen? Fahrdynamik und Lenkgefühl sind sicherlich mehr auf Leichtgängigkeit als Präzision ausgelegt, aber damit kann der Normalo-Kunde leben. Infotainment und Software sind ein Punkt - Disziplinen, bei denen China ja immer virtuoses Können unterstellt wird. Doch für den europäischen Geschmack reicht es nicht, einfach nur zwei Monster-Monitore auf die Armaturen zu werfen.

Um mit der Bedienung gut zurechtzukommen, muss man auch erst einmal den Icon-Wald durchforsten, das ist zunächst anstrengend. Genauso wie das Ausschalten unzähliger Piep-Assistenten, hier sind die Chinesen wirklich Spezialisten, aber nicht unbedingt im besten Sinne. Da sollten die Entwickler ran, wenn sie den europäischen Markt schon im Visier haben. Unverständlich bei einem Premiumprodukt ist weiterhin die nicht europäisch kalibrierte Klimaanlagensteuerung. Man muss die Regler der Anlage schon kurz vor die 30-Grad-Marke bringen, um Wohlfühltemperatur in den Innenraum zu zaubern. Immerhin, gefroren wird nicht. Und 1,5 Tonnen Anhängelast sind für ein schweres 2,3-Tonnen-SUV jetzt auch kein Glanzwert.

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Belüftete und elektrische Massagesitze hinten sind cool. Und viel Platz gibt es auch. (Foto: Patrick Broich)

Fazit: Der XPeng G9 Long Range entpuppt sich als valider Premium-Tourer zum kleinen Preis mit großer Turbo-Batterie. Klar, hier und da offenbart er kleine Schwächen, aber letztlich bewegt er sich durch und durch auf europäischem Level. Das Ladegeschehen ist vorbildlich, hier sollten einige Marken hiesiger Konzerne vor allem in den bürgerlichen Klassen nachlegen. Ob das rasante Laden allerdings auf ein gekonntes Beherrschen der Zellchemie zurückzuführen ist oder einfach auf Kosten des Verschleißes erfolgt, das wird erst die Zeit zeigen.

Datenblatt XPeng G9 Long Range

  • Abmessungen (Länge/Breite/Höhe): 4,89 / 1,94 / 1,68 m

  • Radstand: 3,00 m

  • Leergewicht (DIN): 2290 kg

  • Sitzplätze: 5

  • Gepäckraumvolumen: 660 bis 1576 l plus 71 l Frunk

  • Motorart: einen permanenterregten Synchronmotor

  • Getriebe: eine Übersetzung, fest

  • Systemleistung: 350 PS (258 kW)

  • Antrieb: Hinterradantrieb

  • max. Drehmoment: 465 Nm

  • Beschleunigung: 0-100 km/h 6,6 s

  • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h

  • Akkukapazität: 92,2 kWh (netto)

  • Maximale Ladeleistung (Gleichstrom): 525 kW

  • Ladeleistung (Wechselstrom): 11 kW

  • Verbrauch (kombiniert): 18,6 kWh

  • kombinierte WLTP-Reichweite: 585 km

  • CO2-Emission kombiniert: 0 g/km

  • Grundpreis: ab 63.600 Euro

Quelle: ntv.de

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