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Folgen des Ukraine-Kriegs So stark hat sich Getreide verteuert

Insbesondere die Preise für Getreide sind zuletzt deutlich angestiegen.

Insbesondere die Preise für Getreide sind zuletzt deutlich angestiegen.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Durch den Ukraine-Krieg gerät die weltweite Getreideversorgung ins Stocken. Die Preise schießen in die Höhe. Auch deutsche Landwirte leiden unter der Kostenexplosion. Andere Länder trifft die Krise aber sehr viel härter.

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine könnte eine globale Hungerkrise befeuern. Denn beide Länder gehören zu den größten Getreideproduzenten der Welt. Durch den Krieg sind Handel und Versorgungsrouten bereits massiv gestört. Hinzu kommt die Angst vor Ernteausfällen und Spekulationsgeschäfte, die die Preise zusätzlich in die Höhe treiben.

Das Statistische Bundesamt hat untersucht, inwiefern sich die Probleme in der Getreideversorgung auch in Deutschland bemerkbar machen. Das Ergebnis: Sowohl bei den Getreideimporten als auch den heimischen Erzeugern sind die Preise im März 2022 deutlich gestiegen. Demnach haben sich die Einfuhrpreise für Getreide im März 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 53,6 Prozent erhöht. Importierter Weizen oder Hafer sind sogar um 65,3 Prozent teurer geworden.

Die hohen Getreidepreise machen letztendlich alle landwirtschaftlichen Produkte in Deutschland kostspieliger. Das Statistischen Bundesamt sieht bei den Erzeugerpreisen insgesamt eine Preissteigerung um 70,2 Prozent im Vergleich zum März des Vorjahres. Allein von Februar auf März gab es einen Preissprung um 34,7 Prozent - eine unmittelbare Folge des Ukraine-Kriegs.

Größere Preissprünge in der Landwirtschaft gab es in Deutschland zuletzt im Mai 2011, als Getreideeinfuhren rund 74 Prozent teurer ausfielen als im Vorjahr. Auch damals verteuerten sich in der Folge die Erzeugerpreise insgesamt erheblich, nämlich um 87,8 Prozent.

Klimawandel lässt Ernteerträge schrumpfen

Der Ukraine-Krieg sei jedoch nicht der alleinige Auslöser für die hohen Getreidepreise, urteilt das Statistische Bundesamt. Tatsächlich setzte die Entwicklung nämlich schon sehr viel früher an: Bereits seit Januar 2021 liegen die monatlich ermittelten Getreidepreise jeweils deutlich über dem Vorjahresniveau, mit einem prozentualen Anstieg im durchweg zweistelligen Bereich.

Daran zeigt sich, dass Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt schon länger auseinanderdriften. Der Bedarf an Getreide als Nahrungs- und Futtermittel ist anhaltend hoch und steigt tendenziell sogar. Einen akuten Getreidemangel gibt es zwar noch nicht. Doch die Versorgung wird knapper.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Wichtige Anbauländern wie die USA, Kanada, Australien oder Südamerika waren zuletzt schlechten Wetterbedingungen ausgesetzt. Darunter haben die Ernteerträge gelitten. Außerdem haben sich die Produktionskosten deutlich erhöht. Düngemittel sind teurer geworden, ebenso Transport und Energie.

Ukraine fürchtet Ernteverluste

Gerade reiche Länder wie Deutschland müssen nach Einschätzung von Experten aber keinen Versorgungsengpass befürchten. Ärmere Länder treffen Preissprünge auf dem Weltmarkt und die Lieferkrise durch den Krieg sehr viel härter. Weizen aus der Ukraine etwa wird vor allem in Länder wie Ägypten, Pakistan und Indonesien exportiert.

Der ukrainische Agrarminister Mykola Solskyj warnte auf dem Treffen der G7-Agrarminister vor massiven Ernteverlusten infolge des russischen Angriffs auf sein Land. Vor allem bei der Weizenernte befürchte er große Verluste, sagte er zum Auftakt der Konferenz in Stuttgart.

"Die Situation ist auf jeden Fall nicht einfach", sagte er und bat seine Ressortkollegen und -Kolleginnen um Unterstützung für sein Land. "Im Alleingang können wir die Aufgabe nicht lösen", sagte Solskyj etwa im Hinblick auf den Transport der Nahrungsmittel. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) versicherte, Deutschland werde die Bürgerinnen und Bürger der Ukraine "nicht alleine lassen". In einem ersten Schritt gehe es unter anderem darum, die Transportwege für ukrainisches Getreide auszuloten.

Überversorgung bei bestimmten Getreidesorten

Für die deutsche Versorgung spielen Russland und die Ukraine eine eher untergeordnete Rolle: Nur zwei Prozent der Getreideimporte kommen aus Russland (0,1%) oder der Ukraine (1,9%). Zudem gehört Deutschland selbst zu den größten Exportnationen. Insgesamt wird mehr Getreide produziert und in andere Länder exportiert als importiert.

Weizen spielt dabei in beide Handelsrichtungen die Hauptrolle. Mehr als ein Drittel (34,3 Prozent) der deutschen Getreideimporte entfällt auf Weizen. Hauptbezugsquelle sind die Nachbarländer Tschechien, Polen und Frankreich. Zugleich ist Deutschland weltweit selbst ein wichtiger Exporteur von Weizen und beliefert unter anderem Algerien, Belgien und die Niederlande.

Der Selbstversorgungsgrad Deutschlands fällt über die verschiedenen Getreidesorten hinweg jedoch sehr unterschiedlich aus. Bei bestimmten Körnern und Hülsenfrüchten ist Deutschland auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen. Zahlen dazu hat die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Demnach produziert Deutschland beispielsweise einen Überschuss an Weichweizen und Gerste. Hartweizen hingegen muss zum Großteil importiert werden. Er wird unter anderem zur Nudelproduktion gebraucht. Auch bei Körnermais ist Deutschland auf Importe angewiesen.

Quelle: ntv.de

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