Infografik

Regionale Trends in Deutschland Wo die Corona-Krise zuschlägt

Der Konjunktureinbruch trifft nicht alle Regionen Deutschlands gleich: In manchen Landstrichen wirken sich die Maßnahmen der Pandemie-Abwehr verheerender aus als in anderen. Nicht nur in den Großstädten ziehen die regionalen Arbeitslosenquoten deutlich an.

Der aktuelle Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat es in sich: In den Daten wird zum ersten Mal konkret erkennbar, wie massiv der virusbedingte Ausnahmezustand den deutschen Arbeitsmarkt belastet. Die eigentlich saisonal übliche Frühjahrsbelebung verkehrt sich im Pandemie-Jahr 2020 in ihr Gegenteil: Bundesweit zählt die BA-Statistik plötzlich 373.000 mehr Menschen ohne Arbeit als noch im März.

Sichtbar machen lässt sich anhand der Daten auch, wie unterschiedlich die Corona-Effekte in der Fläche wirken. Wo in Deutschland sorgt die Virus-Krise für besonders schnell steigende Erwerbslosenzahlen? Welche Landstriche kommen bislang noch vergleichsweise glimpflich davon? Die ntv-Karte der regionalen Arbeitslosenquoten zeigt die aktuellen Trends in den Stellenmärkten der 401 deutschen Städte und Kreise:

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Die Farbskala in dieser ungewohnten Darstellung reicht von Gelb bis Schwarz: Je dunkler eine Region eingefärbt ist, desto stärker ist der Anstieg der Erwerbslosenquote im Vergleich zum Vorjahresniveau (April 2019). Aus der räumlichen Aufschlüsselung der Arbeitsmarktdaten ergeben sich teils überraschende Befunde: Die Krise trifft zum Beispiel strukturschwächere Regionen nicht unbedingt härter als die großen Industriezentren.

Viele ländlich geprägte Gebiete verzeichnen nur eine schwache Zunahme der örtlichen Arbeitslosenquote, während es die meisten Großstädte deutlich heftiger trifft. Insgesamt liegen selbst die Extremwerte nicht allzu weit auseinander. Die Spanne reicht von plus 2,2 Prozentpunkten in Mannheim bis zur Uckermark, wo es - bundesweit einmalig - sogar zu einem hauchdünnen Rückgang kam. Deutlich wird: Der Konjunktureinbruch ist ein gesamtdeutsches Problem. Unterschiede zwischen Ost und West treten hier nicht zutage.

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Selbst in Bayern, wo die örtlichen Arbeitsagenturen in den vergangenen Monaten noch Zustände nah an der Vollbeschäftigung erlebten, bewegen sich die Quoten im April nach oben. Wenn es ein generelles Muster gibt, dann sind es eher die Tourismusregionen, in denen es aktuell zu steigenden Arbeitslosenzahlen kommt. Darauf deutet zumindest der Anstieg etwa im Berchtesgadener Land am Alpenrand, im Landkreis Vorpommern-Rügen an der Ostsee und im Landkreis Wittmund mit den beiden ostfriesischen Nordseeinseln Langeoog und Spiekeroog hin.

Das Ausmaß des Infektionsgeschehens und die Höhe der Fallzahlen vor Ort scheinen dagegen wirtschaftlich gar keine Rolle zu spielen. Weder in und um Tirschenreuth noch im Kreis Heinsberg zeichnen sich außergewöhnliche Bewegungen in den Arbeitsmarktdaten ab. Auffällig ist dagegen, dass insbesondere die Großstädte dunkelrot bis schwarz gefärbt auf der Karte auftauchen. Möglicherweise lässt sich das darauf zurückführen, dass in den Metropolregionen besonders viele konjunktursensible Jobs wegfallen.

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Schon jetzt ist klar: Die wirtschaftliche Vollbremsung ab Ende März würgt überall im Land Umsätze und geschäftliche Aktivitäten ab. Der Kampf gegen das Coronavirus kommt Deutschland teuer zu stehen. Bundesweit sehen sich Unternehmen - vom Freiberufler bis zum Kleinbetrieb, vom Mittelständler bis zum Großkonzern - mit katastrophalen Folgen der Kontaktbeschränkungen konfrontiert.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Ansteckungswelle legen nicht nur das öffentliche Leben lahm: Der Export muss um die Weltwirtschaft fürchten, die Fließbänder ruhen, der Handel lahmt, Touristenströme versiegen, die Gastronomie steht vor dem Nichts. Selbst großzügig dimensionierte Krisen-Instrumente wie Not-Kredite oder das Kurzarbeitergeld können offenbar nur einen Teil der wackelnden Arbeitsplätze retten.

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Der sich abzeichnende Konjunktureinbruch erreicht die deutschen Regionen in sehr unterschiedlichen Ausgangspositionen. Im bundesweiten Durchschnitt zog die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich um 0,8 Prozentpunkte auf aktuell 5,8 Prozent an. Einzelne Landkreise weisen eine sehr viel höhere Quote auf, andere liegen deutlich darunter.

Die großen deutschen Industriestandorte jedenfalls scheinen bislang noch relativ unbeschadet durch die Krise zu steuern. In der Stadt Wolfsburg etwa - wo mit dem Volkswagen-Werk der Stammsitz von Europas größtem Automobilhersteller liegt - ist die lokale Erwerbslosenquote bisher nur um 0,3 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent angestiegen. Und im bayerischen Landkreis Eichstätt, in unmittelbarer Nähe zum Audi-Standort Ingolstadt, legte die lokale Quote von 1,3 auf 2,0 Prozent zu. Nirgendwo sonst in Deutschland ist der Erwerbslosenanteil geringer.

Quelle: ntv.de