Kolumnen

Schlechte Zeiten, gute Zeiten Sex, Coronials und der ganze Rest

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Musikuntermalung zu dieser Kolumne: Wang Chung - Dance Hall Days (Psychemagik Remix)

(Foto: Shutterstock / Agafred)

Studien legen nahe: Je größer die Krise, desto mehr Kinder werden neun Monate später geboren. Falls das tatsächlich so stimmt, erwartet uns dieses Weihnachten eine brüllende Bescherung - es wäre nicht das Schlechteste.

Millennials und die Generation Z haben landauf, landab einen eher durchwachsenen Ruf: Kaum belastbar sollen sie sein, anspruchsvoll und verwöhnt sowieso - und brächten obendrein quasi schon per Werkseinstellung eine völlig unrealistische Erwartungshaltung ihre Zukunft betreffend mit ins Leben. Nach knapp drei Wochen in häuslicher Isolation dürften die meisten von uns dagegen die Erfahrung gemacht haben, dass das Eigenschaften sind, die mehr oder weniger auf uns alle zutreffen.

Wobei, vielleicht ist an der Stelle ein Wechsel in die erste Vergangenheit sinnvoll: Immerhin lernen die meisten von uns ja gerade wieder, wie eine gewisse Demut vor dem Leben aussieht - oder, die kleinen Dinge zu genießen, etwa den täglichen Spaziergang oder die ungehamsterte Packung Frischhefe im Supermarktregal. So übel uns die Corona-Krise sonst auch mitspielt, der gesamtgesellschaftliche Crashkurs in Sachen Achtsamkeit und Entschleunigung gibt zumindest Anlass zur Hoffnung, dass wir mehr als ein bisschen davon in die Zeit nach der Krise retten können.

Falls das wider Erwarten doch nicht so gut funktioniert, liegt der Ball in meiner Vorstellung bei den vielgeschmähten Jungspunden die jetzt endlich mal zeigen können, was wirklich in ihnen steckt: Ich weiß nicht genau, wie viele junge Menschen gerade auf viel zu engem Raum (die Mietpreise!) miteinander eingesperrt sind, aber ich ahne, dass es genug an der Zahl sind, um mal wieder einen ordentlichen Babyboom auszulösen - gesetzt den Fall, dass sie trotz des ganzen Corona-Stresses nicht die Lust aneinander verlieren.

Heute schon auf Weihnachten freuen

Die Chancen dafür stehen zumindest gar nicht so schlecht: Zwar ist Stress generell ein Lustkiller, allerdings belegt gleich eine ganze Reihe von Studien, dass nach (Natur)Katastrophen und Krisen generell mehr Kinder geboren werden. Zudem haben amerikanische Wissenschaftler bereits 2012 herausgefunden, dass Verlustängste die Suche nach körperlicher Nähe sowie den Kinderwunsch verstärken - und an bedrohten Existenzen herrscht momentan in vielen Haushalten kein Mangel, ganz im Gegensatz zu Präservativen: Der weltgrößte Kondomhersteller Karex, der unter anderem für Marken wie Durex produziert, befürchtet wegen Produktionsbeschränkungen gar "eine globale Knappheit an Kondomen".

Was vor allem in Entwicklungsländern zu einer echten Katastrophe führen könnte, darf bei uns - den entsprechenden Blickwinkel vorausgesetzt - allerdings eher als effiziente Maßnahme gegen den demografischen Wandel begriffen werden. Vielleicht muss man ein unverbesserlicher Optimist oder gar leicht bekloppt sein, um zu glauben, dass die ganzen Corona-Kinder, an denen gerade hinter verschlossenen Türen eifrig gearbeitet wird, die Situation retten können.

Aber selbst, wenn es anders kommen sollte, freue ich mich dieses Jahr schon im April auf Weihnachten: Dann ist diese verdammte Krise hoffentlich Schnee von gestern - und die Bühne frei für eine neue Generation von kleinen Scheißern, die sich im besten Fall nicht nur irgendwann sehr sorgfältig die Hände waschen werden, sondern gleich auch noch eine ordentliche Portion Achtsamkeit und Bescheidenheit mit der Muttermilch geläuterter junger Menschen aufsaugen. Einen Namensvorschlag hätte ich schon mal: Wie wäre es denn mit Coronials?

Musikuntermalung zu dieser Kolumne: Wang Chung - Dance Hall Days (Psychemagik Remix)

Quelle: ntv.de