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VIP VIP, Hurra!Flucht auf die Insel

05.06.2026, 17:07 Uhr Bildschirmfoto 2026-02-21 um 21.32.44Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
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Thomas-MUELLER-M-LLER-Bayern-Muenchen-mit-Ehefrau-Lisa-in-bayerischer-Tracht-und-Mass-Bier-Fussball-FC-Bayern-Muenchen-traditioneller-Oktoberfestbesuch-in-der-Kaefer-Schaenke-am-18-09-2022-in-Muenchen-Deutschland-Poolfoto-FCBayernMuenchen-SVEN-SIMON-Fotoagentur-GmbH-Co-Pressefoto-KG-Prinzess-Luise-Str-41-45479-M-u-e-l-h-e-i-m-R-u-h-r-Tel-0208-9413250-Fax-0208-9413260-GLS-Bank-BLZ-430-609-67-Kto-4030-025-100-IBAN-DE75-4306-0967-4030-0251-00-BIC-GENODEM1GLS-www-svensimon-net
Gehen nach fast 17 Jahren Ehe getrennte Wege: Thomas und Lisa Müller. (Foto: picture alliance / SvenSimon-sampics-Paulaner)

Liebes-Aus im Hause Müller, Glücksrausch bei Amira Aly und ein Sieg für Nastassja Kinski: Was diese VIP-Ausgabe außerdem mit einer schwimmenden Insel, Kevin Costner und Ihrer Kreativität zu tun hat, lesen Sie hier.

Neulich habe ich mich mal so ein bisschen bei Kleinanzeigen.de nach Immobilien umgeschaut. Nicht, weil ich die Kohle für ein Penthouse in Berlin-Mitte hätte, sondern weil mich einfach schlicht und ergreifend die durchgeknallten Mondpreise interessieren.

"Wem gehört die Stadt?" lautet der Titel einer kritischen Dokumentation. Die einfache Antwort: nicht den Einwohnern von Berlin, nee, auf gar keinen Fall den Menschen, die hier leben. Möglicherweise haben Sie ja schon mal etwas von dem Begriff Home Staging gehört. Besonderer Beliebtheit erfreut sich das professionelle Inszenieren von Buden, die auf dem Immobilienmarkt eben nicht, wie man in Berlin so schön sagt, weggehen wie warme Semmeln. Ich liebe es, einen Blick in fremde Wohnungen und Häuser zu werfen, das ist auch immer ein kleines bisschen ein Blick in eine andere Welt.

Und jetzt, liebe Leser, kommen Sie ins Spiel. Wenn Sie diese Promikolumne hier verfolgen, wird Ihnen sicherlich nicht mein kritischer Blick auf unsere Gesellschaft entgangen sein. Ich bin mitnichten Nostalgikerin, aber wie schnell sich aktuell die Dinge verändern, macht mir große Sorgen. Medien, die jahrzehntelang für Qualitätsjournalismus standen, kämpfen mit immer boulevardesk anmutenden Mitteln gegen sinkende Auflagen. Überall hat die Mittelmäßigkeit Einzug gehalten, und von dem Anbiedern auf Social Media fange ich gar nicht erst an.

Wann haben wir uns als Gesellschaft so abhängig gemacht von einer lauten Minderheit, die einem auf Instagram in den Kommentarspalten ihre "Meinung" aufdrücken will? Seit wann sind Fakten egal, und seit wann gelten Influencer als Stars? Der Kipppunkt ist schon lange erreicht, und bevor ich bei meinen Lesern noch als alter Grantler gelte, der reif für die Insel ist, kommt hier die Lösung! Ich kaufe mir einfach eine. Und zwar keine Geringere als die marode DDR-Insel Ostervilm vor Rügen.

Was braucht der moderne Mensch?

39.000 Euro soll das gute Stück kosten. Eine ehemalige Militärplattform der DDR, irgendwo zwischen Möwengeschrei und den Wellen des Meeres. Was will man mehr? Die Beschreibung klingt exakt wie die Exposés der Berliner Altbau-Butzen. Also praktisch bezugsfertig. Je länger ich darüber nachdenke, desto sinnvoller erscheint mir die Sache. Denn was braucht der moderne Mensch eigentlich noch? Ein Dach überm Kopf, ja. Aber inzwischen auch immer ausreichend Abstand zum Internet. Ruhe. Weniger Clickbait. Mehr Bücher, weniger aufgeblasene Moral, vor allem nicht von Leuten, deren eigener moralischer Kompass komplett außer Kurs ist.

Von dort oben, auf meiner windschiefen Insel, würde ich natürlich weiter einmal pro Woche auf die Welt der Promis blicken. Irgendjemand muss schließlich dokumentieren, was aus einer Spezies geworden ist, die früher mal Stars hervorbrachte und heute Menschen berühmt macht, weil sie ihr Frühstück filmen oder vor der Kamera wahlweise flennen, ach so "wichtige" Botschaften herausballern oder in Unterwäsche tanzen.

Diese Woche etwa erreichte uns die Nachricht vom Tod von Regina Zindler. Wer unter 40 ist, muss jetzt vermutlich googeln. Wer älter ist, hat sicherlich sofort eine Melodie im Kopf und denkt an einen Maschendrahtzaun, einen Nachbarschaftsstreit und eine Zeit, in der Deutschland kollektiv über Dinge lachen konnte, die heute wahrscheinlich zunächst durch drei Ethikkommissionen müssten. Apropos Ethikkommission: Ach nein, das Fass machen wir jetzt nicht auch noch auf. Regina Zindler, ein Zufallstreffer der Popkultur. Damals reichte einfach ein Zaun und eine ziemlich gute Idee des einst sehr kreativen Stefan Raab.

Ein paar Seemeilen weiter draußen weht der Wind bereits die nächste Meldung heran. Dieses Mal: ein echter Star. Bayern-Legende Thomas Müller und seine Lisa gehen künftig getrennte Wege. Fast 17 Jahre Ehe und am Ende eine kurze Erklärung mit der Bitte um Privatsphäre.

Man muss sagen: In Zeiten, in denen manche Beziehungen dank Tinder und Insta-DMs die Halbwertszeit eines Witzes der "heute-show" haben, sind 17 Jahre alles andere als ein Scheitern, sondern schlicht eine Meisterleistung.

Besonders sympathisch fand ich übrigens, als das Fußball-Idol über seine Frau sagte, sie sei keine Handtasche und habe ihr eigenes Leben. Während Thomas inzwischen in Kanada Fußball spielt und Lisa in Bayern bei ihren geliebten Pferden bleibt und die Politik entdeckt hat, dreht Sadgirl Sunshine auf Insta vier Trennungsvideos pro Tag, weil Jonas nach drei Monaten kosmischer Seelenverschmelzung seine Sachen gepackt und sie klammheimlich verlassen hat. Nur den WG-Schlüssel hat er auf den Küchentisch gelegt. Ohne Abschiedsbrief.

Und was bringt es, so würdelos bei Insta herumzuopfern, um es mal im Jugendsprech zu sagen? Jede Menge Reichweite und Tausende, die "mitfühlen" und den bösen Jonas am liebsten auf den Mond, wahlweise aber auch auf eine einsame Insel schießen würden.

Noch komplizierter wurde es diese Woche in der Filmwelt. Wim Wenders hat beschlossen, seinen Film "Falsche Bewegung" vorerst aus dem Verkehr zu ziehen. Der Auslöser: eine Szene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski, über die seit Jahren diskutiert wird.

Von meiner Insel aus betrachtet wirkt die Debatte wie ein Blick in eine alte Familienkiste. Die Vergangenheit ist leider selten so, wie wir sie heute gerne hätten. Die eigentliche Frage lautet vielleicht nicht, ob wir alte Werke verschwinden lassen, sondern ob wir noch in der Lage sind, sie einzuordnen. Die Kulturbranche ringt derzeit mit ihrer eigenen Geschichte. Das ist verständlich und wichtig, aber manchmal habe ich den Eindruck, wir verbringen mehr Zeit damit, die Vergangenheit umzuschreiben, als die Gegenwart zu verstehen. Und ja, ich finde diese Szenen problematisch. Aber das waren sie auch schon, als sich in der damaligen Filmlandschaft ganz offensichtlich kaum jemand darum scherte.

Und während die Experten in den Feuilletons diskutieren, zeigt Amira Aly ihren Babybauch im Familienurlaub in Österreich. Fahrradtouren, glückliche Kinder und die große Lust, am liebsten gar nicht mehr nach Hause zu wollen. Eine werdende Mutter fährt in die Berge und hat einfach eine gute Zeit.

Als die Sonne schließlich in meinen Gedanken hinter meiner DDR-Insel untergeht und das Wasser friedlich gegen die morschen Pfähle plätschert, bin ich mir ziemlich sicher, dass die 39.000 Euro gut investiert wären. Und wenn der Lärm doch einmal zu laut wird, ziehe ich einfach die Leiter hoch und kappe für einen Moment alles Soziale. Das ist, glaube ich, ohnehin eine der unterschätztesten Fähigkeit unserer Zeit, einfach mal mit sich alleine zu sein.

Ich bräuchte übrigens dringend Helfer, die auf der Insel mit mir gemeinsam klar Schiff machen. Kabel verlegen, malern, ein bisschen renovieren. Kost und Logis frei. Denken Sie doch mal darüber nach: Wann in Ihrem Leben hat sich Ihnen zuletzt ein derart verlockendes Angebot geboten, Arbeit und Vergnügen auf einer schwimmenden Insel miteinander zu verbinden? Wir könnten dann gemeinsam Kevin Costner anrufen, aber dieses Mal bauen wir eine "Waterworld" auf der es sich, im Gegensatz zu dem verhassten Filmklassiker von 1995, lohnt zu leben. Bis nächste Woche!

Nachtrag: So schnell zerplatzen Träume. Während diese Kolumne bereits auf dem Weg in die Redaktion war, wurde meine zukünftige Privatinsel tatsächlich für schlappe 60.000 Euro versteigert. Der neue Besitzer ist der österreichische Tiny-House-Unternehmer Oliver Pesendorfer, der aus der ehemaligen Militärplattform ein Kultur- und Veranstaltungsort machen möchte. Ich prüfe derzeit meine Möglichkeiten, dem neuen Eigentümer ein unmoralisches Gegenangebot zu unterbreiten. Andernfalls bleibt mir wohl nur die Hoffnung auf einen günstigen Liegeplatz.

Quelle: ntv.de

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