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Schauspielerin im Zeugenstand Heard schildert "Leibesvisitation" durch Depp

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War von 2012 bis 2016 mit Johnny Depp liiert: Amber Heard.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Amber Heard und Johnny Depp werfen sich gegenseitig häusliche Gewalt vor. Vor Gericht berichtet die 36-Jährige nun über die Anfänge ihrer "Wirbelwind-Romanze" - und wie Depp im Laufe der Beziehung immer öfter die Kontrolle verloren haben soll.

In dem Verleumdungsprozess, den sie und ihr Ex-Mann Johnny Depp gegeneinander führen, ist US-Schauspielerin Amber Heard am Mittwoch in Fairfax im US-Bundesstaat Virginia erstmals in den Zeugenstand getreten. In ihrer Anhörung schilderte die 36-Jährige den Verlauf ihrer Beziehung mit Depp, den sie im Jahr 2009 am Filmset ihres gemeinsamen Films "The Rum Diaries" kennengelernt hatte. Außerdem berichtete sie von mehreren Situationen, in denen der Hollywood-Star gewalttätig geworden sein soll. Depp blickte während ihrer gesamten Anhörung nicht in Heards Richtung.

Als sie Depp 2009 kennengelernt habe, sei sie kein Fan gewesen, habe aber gewusst, "wie berühmt er war". Obwohl sie eine "No-Name-Schauspielerin" gewesen sei und er "doppelt so alt" wie sie, hätten sie über Bücher, Musik und Poesie zueinander gefunden. "Es war wunderschön", erinnerte sich die 36-Jährige. "Ich hatte das Gefühl, dass dieser Mann mich kannte und mich auf eine Weise sah, wie es sonst niemand getan hatte. Ich hatte das Gefühl, dass er mich versteht. Als ich mit Johnny zusammen war, fühlte ich mich wie der schönste Mensch der Welt."

Ihre "Wirbelwind-Romanze" hätten sie 2012 zunächst verstecken müssen, da die Öffentlichkeit noch nicht wusste, dass Depp und seine damalige Frau, Vanessa Paradis, schon längst getrennt waren. Während seiner Dreharbeiten für "The Lone Ranger" habe er ihr berichtet, "Gesundheitsprobleme" zu haben und auf Alkohol zu verzichten. Sie habe beobachtet, wie er "wirklich viel Tee" trank. Erst deutlich später habe sich herausgestellt, dass Depp oft Spirituosen in Tassen füllte, um heimlich zu trinken.

"Hals über Kopf verliebt"

Mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester Whitney habe Depp sich auf Anhieb gut verstanden, sagte Heard weiter. Wie sie selbst habe der "übermäßig großzügige" Schauspieler auch ihre Verwandten mit Geschenken überhäuft. "Ich glaube, mein Vater hätte ihn selbst geheiratet, wenn ich es nicht getan hätte." Er habe ihnen das Gefühl geben, etwas Besonderes zu sein. Auch sie selbst sei "Hals über Kopf verliebt" gewesen.

Nach und nach habe die makellose Fassade des 58-Jährigen allerdings gebröckelt. Er habe wieder mit dem Trinken begonnen und viele gehässige Kommentare über ihre Kleidung und ihre Filmrollen gemacht. Er habe ihr das Gefühl gegeben, dass die Schauspielerei "dreckig" und sie eine "Hure" sei, sagte Heard. Depp sei häufig wütend geworden und "explodiert", habe Möbel zerschlagen und Gläser nach ihr geworden. Wieder nüchtern, sei er fröhlich und lustig gewesen.

Als sie ihn nach der Bedeutung seines "Wino Forever"-Tattoos gefragt habe, sei Depp erstmals handgreiflich geworden. Weil sie seine Antwort für einen Witz hielt, habe sie zu lachen begonnen. Das habe ihn so wütend gemacht, dass er ihr mehrfach ins Gesicht schlug. "Ich wünschte, ich könnte sagen, ich wäre aufgestanden und aus dem Haus gegangen, aber ich tat es nicht", sagte Heard den Geschworenen. "Dann fing er an zu weinen und sich zu entschuldigen."

Beweisen Bilder die Schläge?

Im Laufe der Zeit sei ihr Ex auch immer eifersüchtiger geworden, habe sie des Betrugs beschuldigt, sie kontrolliert, geschubst und geschlagen. Er habe auch oft betrunken vor ihrer Tür gestanden. Bei Auseinandersetzungen sei Depp einfach tagelang verschwunden - doch immer, wenn sie sich dazu entschlossen habe, die Beziehung zu beenden, sei er nüchtern und "besonders nett" und "besonders entschuldigend" zu ihr zurückgekommen und sie hätten sich vertragen.

Zunehmend sei der 36-Jährigen bewusst geworden, dass sich ihr Freund nicht im Griff habe. Sein Verhalten variierte demnach je nachdem, welche Drogen er konsumiert habe. "Johnny auf Speed ist ganz anders als Johnny auf Opiaten. Und Johnny auf Opiaten ist jemand anderes als Adderall- und Kokain-Johnny", sagte die "Aquaman"-Darstellerin. Auch seinen Alkoholkonsum habe Depp nicht unter Kontrolle gehabt. So beschrieb sie Situationen, in denen er sich im Rausch über sich selbst übergeben und die Kontrolle über seinen Darm verloren habe. Seine Angestellte hätten ihn waschen müssen. Dennoch habe sie immer noch Hoffnung in der Beziehung gesehen.

Bei einem Streit im Jahr 2013 sei sie von Depp weggegangen, doch das habe "es noch schlimmer gemacht". Er habe sie am Arm gepackt und sie auf den Boden gedrückt. "Ich weiß nicht, wie oft er mir ins Gesicht geschlagen hat." Den Geschworenen wurde ein Foto von Heard mit einem Bluterguss auf dem Arm gezeigt, den sie in Folge der Gewalt durch Depp erlitten haben soll.

"Leibesvisitation" gegen Heards Willen

Heard beschrieb zudem ihre Sicht eines Streits während eines Ausflugs mit Freunden in einem Wohnwagenpark im kalifornischen Hicksville. Sie hätten am Lagerfeuer MDMA konsumiert, berichtete die Schauspielerin. Eine ihrer Freundinnen habe die Wirkung der Droge gespürt, ihren Kopf auf Heards Schulter gelegt und ihren Arm berührt. Depp sei wütend geworden, habe ihre Freundin am Handgelenk gepackt und gedroht, es zu brechen, so Heard. Sie habe ihn aus der Situation entfernt und ihn zurück zum Wohnwagen gebracht. Der "Fluch der Karibik"-Star habe ihr eine Affäre mit besagter Freundin vorgeworfen und die Ausstattung des Wohnwagens zerstört. Dann habe er ihre Kleidung zerrissen und Heard beschuldigt, sein Kokain vor ihm zu verstecken. Als "Leibesvisitation" habe er gegen ihren Willen seine Finger in ihre Vagina eingeführt.

Außerdem erinnerte sie sich an eine Reise in Johnny Depps Privatvilla auf den Bahamas, während er verärgert darüber gewesen sei, aus finanziellen Gründen eine Yacht an Autorin JK Rowling verkaufen zu müssen. Irgendwann sei aufgedeckt worden, dass der damals vermeintlich abstinente Schauspieler seinen Alkohol in einer Kaffeetasse versteckte, besonders seine beiden anwesenden Kinder, Lily-Rose und Jack, seien wegen seines Verhaltens sauer gewesen. Depp habe seine Ex beschuldigt, ihnen von seinem Trinken berichtet zu haben, sie gegen die Wand geschlagen und geschrien: "Ich kann dich verdammt noch mal töten!" Sie habe die Insel später mit Lily-Rose verlassen.

Am heutigen Donnerstag wird Heards Befragung durch ihre Anwälte fortgeführt. Am Dienstag hatte Psychologin Dawn Hughes als erste Zeugin für die Schauspielerin ausgesagt und unter Berufung auf ihre Patientin unter anderem von dem kontrollierenden Verhalten und der häuslichen Gewalt seitens des Schauspielers berichtet. Auch des sexuellen Missbrauchs bezichtigte ihn die Psychologin: "Wenn Herr Depp betrunken oder high war, warf er sie aufs Bett, riss ihr das Nachthemd auf und versuchte, Sex mit ihr zu haben", sagte Hughes. Depp habe seine Ex-Frau auch zum Oralverkehr gezwungen und ihr gegen ihren Willen eine Flasche vaginal eingeführt.

Schauspieler bezichtigen sich der Gewalt und der Lüge

Die Zeugenaussagen zu dem Vorfall in Australien gehen weit auseinander. Heard wirft ihrem Ex vor, sie im Vollrausch drei Tage lang als Geisel gehalten und sexuell missbraucht zu haben. Depp bezichtigt sie dagegen, ihn bei dem Streit mit Flaschen beworfen zu haben. Eine davon sei an der Theke zerschellt, an der er saß, und habe ihm die Fingerkuppe seines Mittelfingers abgetrennt. Sowohl seine Leibwächter als auch Heards Krankenschwester haben ausgesagt, nach dem Vorfall keine Verletzungen an Heard gesehen zu haben.

Johnny Depp hat Amber Heard auf 50 Millionen Dollar verklagt - wegen eines Beitrags, den sie 2018 in der "Washington Post" veröffentlichte. Darin behauptete sie, Opfer von häuslicher Gewalt zu sein. Ihren Ex-Mann hat sie nicht namentlich erwähnt. Depp behauptet, der Beitrag habe dennoch seine Karriere ruiniert, seinen Ruf beschädigt und dadurch viel Geld gekostet. Heard reichte eine Gegenklage gegen ihren Ex in Höhe von 100 Millionen Dollar ein.

Die Hollywood-Stars hatten 2015 geheiratet, die Ehe hielt aber nur 15 Monate. Einen Verleumdungsprozess gegen die Zeitung "The Sun" in Großbritannien hat Depp 2020 verloren. Das Blatt hatte ihn in einem Artikel als "Ehefrauenschläger" bezeichnet. Depp weist alle Anschuldigungen häuslicher Gewalt zurück.

Quelle: ntv.de, lpe

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