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Depp "war nicht glücklich" Weiterer Zeuge bezichtigt Heard der Gewalt

In ihrem Verleumdungsprozess beschuldigen sich Johnny Depp und Amber Heard gegenseitig der häuslichen Gewalt und der Lüge. Immer mehr Zeugen können sich vor Gericht jedoch nur an übermäßigen Alkoholkonsum und Ausraster seitens Heard erinnern.

In dem laufenden Verleumdungsprozess, den "Fluch der Karibik"-Star Johnny Depp und seine Ex-Frau Amber Heard gegeneinander führen, sind am Donnerstag nach dem Geschäftsführer der US-Nichtregierungsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU), Terence Dougherty, auch Depps Business-Manager Edward White, sein Leibwächter Malcolm Connolly und sein Chauffeur Starling Jenkins in den Zeugenstand getreten. Alle drei berichten vom hohen Alkoholkonsum Heards sowie von ihrem aufbrausenden und aggressiven Verhalten gegenüber Depp.

Als erster Zeuge sprach zunächst White über die Scheidungsvereinbarung zwischen Heard und Depp, an denen er 2016 beteiligt gewesen war. Die Schauspieler hatten 2015 geheiratet, die Ehe hielt 15 Monate. Heard habe zunächst vier Millionen Dollar von ihrem Ex verlangt "und dann wurde es schlimmer", so White. Sie habe die Summe auf fünf und schließlich auf sieben Millionen Dollar erhöht. Zu seinen Aufgaben habe auch gehört, Depps Rechnungen bei einem Weinhändler in Los Angeles zu beglichen, sagte White. Gegen Ende der Ehe mit Heard seien Verbindlichkeiten in Höhe von 160.000 Dollar entstanden. Eine Menge Geld sei auch in Heards Lieblingswein geflossen, der 500 Dollar pro Flasche kostet. Seit der Scheidung sei Depps Weinrechnung "praktisch auf Null geschrumpft".

Bereits in den vergangenen Wochen hatten mehrere Zeugen von Heards vermeintlicher Liebe zum Wein berichtet. Sie habe "mit Leichtigkeit zwei Flaschen Wein an einem Abend" trinken können, sagte Depp in seiner Anhörung aus. Angestellte berichteten ebenfalls von einem hohen Alkoholkonsum der Schauspielerin. Heard wiederum wirft ihrem Ex-Mann vor, alkohol- und drogenabhängig zu sein und sie im Rausch mehrmals misshandelt zu haben.

"Verpiss dich, das machst du immer!"

Nach Edward White wurde Depps Leibwächter Malcolm Connolly per Live-Videoübertragung in den Zeugenstand gerufen. Der Brite berichtete, dass Depp und Heard zu Beginn ihrer Beziehung "hoffnungslos verliebt" gewesen seien und Depp "sehr glücklich". Die Schauspielerin sei zunächst noch sehr "reizend, charmant" gewesen. Irgendwann jedoch hätte sie begonnen, sich zu ändern, sei "temperamentvoller" und "fordernder" geworden. "Ich konnte sehen, dass Amber diejenige sein wollte, die in der Beziehung die Hosen anhat, das war ziemlich offensichtlich", sagte Connolly und fügte hinzu, dass Heard "im Handumdrehen frostig werden" konnte, wenn etwas nicht ihren Vorstellung entsprach. Depp sei dagegen mit der Zeit immer schweigsamer geworden.

Bei Auseinandersetzungen des Ex-Paares sei er zwar selten anwesend gewesen, habe sie aber aus Nebenräumen hören können. "Am meisten habe ich Amber schreien gehört", sagte Connolly. Physische Gewalt habe er nie wahrgenommen. Der Personenschützer beschrieb jedoch Vorfälle, in denen Heard Depp mit Gegenständen - darunter ein Feuerzeug und eine Getränkedose - beworfen haben soll. Der 58-Jährige habe regelmäßig Spuren im Gesicht, "Kratzer und Blutergüsse" oder "eine dicke Lippe" davongetragen.

Auch über die berüchtigte Reise 2015, in der Depp während eines Streits mit Heard die Fingerkuppe seines Mittelfingers verloren haben soll, kam Connolly zu sprechen. Er habe gedämpfte Schreie gehört und Heard und Depp mitten im Streit vorgefunden. Heard sei "wütend" und "hartnäckig" gewesen - "verrücktes Zeug", so der Leibwächter. Sie habe geschrien und Depp beschimpft: "Verpiss dich, das machst du immer. Du verpisst dich (...), du großer Mann!"

"Er war nicht glücklich"

Zu einer Aufnahme, die während der Flitterwochen der Schauspieler entstanden ist und auf der Depp ein blaues Auge zu haben scheint, antwortete Connolly auf die Frage von Depps Anwalt, wie er dessen Verletzung interpretiere: "Er ist in eine Tür gelaufen, oder eine Tür ist in ihn hineingelaufen." Im Gerichtssaal ertönte daraufhin gedämpftes Gelächter. Weiter sagte er, während der Flitterwochen im Orient-Express nach einer Weile festgestellt zu haben, dass Depp keinen Spaß hatte. "Er war nicht glücklich."

Auf die Frage, ob Depp vor ihm Drogen genommen habe, sagte Connolly aus, er habe gesehen, wie er Marihuana rauchte. Er vermute außerdem, dass der Hollywood-Star auch manchmal Kokain konsumiere, dies aber aus Respekt vor seiner Lizenz niemals vor ihm tun würde, dafür sei er auf Toilette gegangen. Trotzdem habe er unter dem Einfluss von Substanzen immer die Kontrolle behalten, auch wenn er eine "hohe Toleranz" habe. Er sei "ein bisschen entspannter" und glücklich gewesen und habe Gitarre gespielt. Früher habe der 58-Jährige viel Wein getrunken, sein Alkoholkonsum sei "in den letzten Jahren" aber stark gesunken, sagte Connolly und fügte unter vielen Lachern im Gerichtssaal hinzu: "Jack Sparrow ist betrunkener als Johnny Depp".

Im Kreuzverhör bejahte Connolly im Anschluss die Frage von Heards Anwalt, ob er seinem Arbeitgeber gegenüber loyal sei. "Natürlich bin ich Mr. Depp treu. Ich wäre Ihnen treu, wenn ich für Sie arbeiten würde", antwortete er. Die Frage, ob er während des Streits zwischen Heard und Depp in Australien gesehen habe, wie Depp versucht habe, in der Lobby zu urinieren und ob dieser seinen Penis entblößt habe, verneinte Connolly dagegen und sagte: "Ich glaube, ich würde mich erinnern, den Penis von Herrn Depp gesehen zu haben." Bei dieser Aussage brach der Saal erneut in Gelächter aus.

"Scherz, der schrecklich schief gelaufen ist"

Heards Anwalt spielte dem Gericht zudem eine Aufnahme eines mutmaßlich lallenden Depps in Australien vor. Man hört ihn schreien: "Wie du mich verarschst und mich krank fühlen lässt". Depp sei verärgert und wütend gewesen, sagt der Wachmann, aber "kohärent", als sie im Krankenhaus angelangt sein. Dort habe er den Ärzten erzählt, sich den Finger mit einem Messer abgetrennt zu haben. Bevor sie das Haus verlassen hätten, habe er in unmittelbarer Nähe zu Heard gestanden, jedoch keine Verletzungen an ihr gesehen, sagte Connolly zum Schluss seiner Anhörung.

Als letzter Zeuge des Tages erschien der langjährige Chauffeur von Johnny Depp, Starling Jenkins III via Livestream. Er sprach unter anderem über den Abend vor Heards 30. Geburtstag im April 2016 , an dem er als Teil der Security im Penthouse des Ex-Paares gewesen sei. Es habe "keine Probleme gegeben, außer dass der Chef nicht erschienen ist". Als er am nächsten Tag wieder ins Penthouse gefahren sei, habe Heard ihm erzählt, sich in der vergangenen Nacht mit Depp gestritten zu haben. Vor Wut habe sie einige seiner persönlichen Gegenstände vom Balkon geworfen, unter anderem sein Handy, sein Portemonnaie und seine Kreditkarten, sagte Jenkins weiter.

Am gleichen Tag, nachdem sie zum Coachella-Festival gefahren seien, habe Heard ihm zudem von den menschlichen Fäkalien berichtet, die sie im Ehebett hinterlassen habe. Die Schauspielerin habe den Vorfall als einen "Scherz, der schrecklich schief gelaufen ist", bezeichnet. Später habe sie sich übergeben, weil sie auf nüchternen Magen Rotwein und halluzinogene Pilze konsumiert habe, erinnerte sich Jenkins. Er habe sie schnell zurück in ihr Hotelzimmer gebracht, bevor sie jemand gesehen habe.

Zeuge enthüllt Details über Heards Artikel

In dem Prozess am Donnerstag hatte zuvor der Geschäftsführer der American Civil Liberties Union (ACLU), Terence Dougherty, als Zeuge ausgesagt, um Amber Heards Zahlungen an die NGO aufzuschlüsseln. Depp wirft seiner Ex-Frau vor, entgegen ihrer Scheidungsvereinbarung vom Jahr 2016 nicht die Hälfte der von ihm erhaltenen sieben Millionen Dollar an die Menschenrechtsorganisation gespendet, sondern sich selbst bereichert zu haben. Doughertys Aussagen vor Gericht scheinen dem Schauspieler recht zu geben - seit 2017 seien erst 1,3 statt 3,5 Millionen Dollar und seit 2019 kein Geld mehr bei der NGO eingegangen.

Des Weiteren lieferte Dougherty Einblicke in die Entstehung des Artikels von Heard in der "Washington Post" im Jahr 2018, der im Zentrum der Verleumdungsklage steht. Die Idee für den Artikel sei 2016 entstanden und dieser hauptsächlich von der ACLU verfasst worden. Er betonte zudem die Beteiligung von Heards Anwälten an dem Kommentar. Diese hätten sich den Entwurf angesehen, da er die Geheimhaltungsvereinbarung zwischen dem Ex-Paar einhalten musste. Hinweise auf ihre Ehe und Scheidung seien entfernt worden. Am Ende habe man sich für eine Version entschieden, die "sich sehr von dem ursprünglichen Kommentar unterschied", sagte Dougherty.

In einer Mail von Dezember 2018, aus der vor Gericht zitiert wurde, soll Heard zudem gegenüber der ACLU den Wunsch geäußert haben, auf "kunstvolle" Weise wieder einzufügen, dass sie vor zwei Jahren eine einstweilige Verfügung gegen ihren "damaligen Ehemann" erwirkt habe. Der Verleumdungsprozess wird am Montag fortgesetzt. Wie lange er sich hinziehen wird, ist nicht klar.

Quelle: ntv.de, lpe

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